Neugestaltung des Riester-Produkts Uni-Profi-Rente „Die Politik muss noch einmal an das Streitthema Riester ran“

FDP-Chef Christian Lindner: 2012 war die FDP noch der entscheidende Bremser bei der Reform der Riester-Rente. Jetzt könnte das Thema eine Chance für die Partei sein.
FDP-Chef Christian Lindner: 2012 war die FDP noch der entscheidende Bremser bei der Reform der Riester-Rente. Jetzt könnte das Thema eine Chance für die Partei sein. © Getty Images

Union Investment modifiziert ihr Riester-Angebot und verlangt dafür von 1,8 Millionen Sparern eine Entscheidung. Das ist gar nicht so leicht, weiß DER-FONDS-Chefredakteur Egon Wachtendorf – und fordert deshalb Entscheidungen von ganz anderer Seite.

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Na, das ist doch mal eine Aussage. „Über fünf bis zehn Jahre hinweg wird der neue Uniglobal Vorsorge eine höhere Rendite aufweisen als der Uniglobal. Sonst haben wir etwas falsch gemacht“, sagt Wolfram Erling, Leiter Zukunftsvorsorge bei Union Investment. Deutschlands größter Anbieter von Riester-Fondssparplänen hat in der vergangenen Woche 1,8 Millionen Sparer vor die Wahl gestellt: Entweder sie akzeptieren in ihrem Altersvorsorge-Vertrag Uni-Profi-Rente den Austausch des am Weltaktienindex MSCI World orientierten Uniglobal gegen ein neues Produkt, das seine Aktienquote von 51 bis 120 Prozent variieren kann. Oder sie widersprechen, und alles bleibt beim Alten.

Erling dürfte Recht behalten – so oder so. Ein Aktienfonds, der sein Engagement in schwachen Börsenphasen um die Hälfte reduzieren und im Aufschwung mit Hilfe von Derivaten hebeln kann, ist einem traditionell zu 100 Prozent investierten Aktienfonds langfristig haushoch überlegen. Wenn die Manager alles richtig machen. Aber ohne Uniglobal-Manager Gunther Kramert und seinem Team zu nahe treten zu wollen: Auf Dauer schafft das kaum jemand. Und von Union Investment gibt es kein dem Uniglobal Vorsorge vergleichbares Produkt, das sich in den vergangenen fünf bis zehn Jahren am Beweis des Gegenteils versucht hätte.

Also widersprechen? Für ganz junge Riester-Sparer mag das eine Option sein. Vielleicht, denn neben dem grundsätzlichen Problem des richtigen Timings und einem fehlenden Vergleichsprodukt gibt es in der Rechnung eine weitere Unbekannte. Weil der Gesetzgeber von Riester-Produkten eine Garantie für alle eingezahlten Beiträge samt Zulagen fordert, ist auch der Uni-Euro-Renta Bestandteil der Uni-Profi-Rente. In diesen ausschließlich in Euro-Papiere investierenden Anleihefonds schichtet Union Investment das Guthaben der Sparer um, wenn durch Turbulenzen an den Aktienmärkten die Garantie in Gefahr gerät.

Die anhaltenden Niedrigzinsen wiederum sorgen dafür, dass eine Umschichtung tendenziell immer früher erfolgt. Denn zuvor mit einem reinrassigen Aktienfonds erlittene Verluste lassen sich bei einem Basiszins von unter einem Prozent mit einem Rentenprodukt viel schwerer aufholen als noch vor einigen Jahren. Ein Problem, das Vorsorgesparern übrigens nicht nur bei der Uni-Profi-Rente zu schaffen macht, sondern auch bei konkurrierenden Fonds-Konstrukten und natürlich auch bei sämtlichen Riester-Versicherungen. Letztlich ist es diese Kombination aus staatlich wohlwollend zur Kenntnis genommenem Mini-Zins und staatlich verordneter Garantie, die Erlings Arbeitgeber dazu bewogen hat, sein Riester-Angebot zu modifizieren. Unter den beschriebenen Bedingungen dürfte das alternativlos sein – trotz der damit einhergehenden Risiken und Nebenwirkungen.

Weil das Grundproblem nicht nur den 1,8 Millionen Riester-Kunden der Union Investment erhalten bleibt, sondern allen Altersvorsorgesparern, gibt es eigentlich nur eine Lösung: Die Politik muss noch einmal an das Streitthema Riester ran – und zwar je radikaler, desto besser. Wobei die von den Linken geforderte Rückkehr zur staatlichen Rente kaum die Lösung sein kann. Schon eher ein von den Grünen ins Spiel gebrachter öffentlich-rechtlicher Pensionsfonds nach skandinavischem Vorbild oder eine generelle und vor allem unbürokratische Förderung der freien Vorsorge. Vorschläge dazu gibt es genug – etwa in einem kürzlich veröffentlichten Strategiepapier des Leipziger Wirtschaftswissenschaftlers Alexander Fink.

Eigentlich eine Steilvorlage für die wiedererstarkte FDP: Eine sinnvolle Reform der privaten Altersvorsorge passt zu den programmatischen Zielen der Partei und käme ungleich mehr Bürgern zugute als die jüngst öffentlichkeitswirksam geforderte Legalisierung von Cannabis. Dumm nur, dass die Liberalen bei diesem Thema schon einmal kläglich versagt haben. Als nämlich der Bundestag 2012 über mehr Wettbewerb bei der Altersvorsorge abstimmte, erwies sich ausgerechnet die FDP als der entscheidende Bremser. Bevor Christian Lindner und seine Mitstreiter das Thema für sich entdecken, müssten sie also erst einmal glaubhaft Abbitte leisten und sich dazu bekennen, damals aus reinem Lobbyismus-Denken heraus einen Riesenbock geschossen zu haben.

Bekommt die FDP das hin? Ich glaube nicht. Falls doch, wäre mit ihr allerdings tatsächlich wieder zu rechnen. Vielleicht wird sie dann sogar wählbar.
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