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Neue Forderung Wohngebäudeversicherung zur Allgefahrendeckung ausbauen

Ein Feuerwehrmann räumt in Berchtesgaden ein mit Schnee überladenes Dach. Bundesweit sind 41 Prozent der Gebäude gegen Elementarschäden, darunter Schäden durch Schneedruck, versichert, im schneereichen Bayern sind es gerade mal 32 Prozent.
Ein Feuerwehrmann räumt in Berchtesgaden ein mit Schnee überladenes Dach. Bundesweit sind 41 Prozent der Gebäude gegen Elementarschäden, darunter Schäden durch Schneedruck, versichert, im schneereichen Bayern sind es gerade mal 32 Prozent. © dpa/picture alliance

Die Wohngebäudeversicherung muss erweitert werden, sodass künftig alle Gebäude gegen alle Gefahren versichert sind – auch gegen jene für die bislang noch ein separater Elementarschadenschutz abgeschlossen werden muss. Das fordert der Versicherungsjournalist Herbert Fromme – und begründet dies vor allem mit dem Klimawandel.

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In der Wohngebäudeversicherung sind bislang sind nur Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel abgesichert. Für Schneedruckschäden, Lawinen, Hochwasser, Erdrutsche oder Erdbeben bedarf es eine Elementarschadenversicherung (Naturgefahrenversicherung). Der Versicherungsjournalist Herbert Fromme hält diese Aufteilung für überholt.

„Wenn eine Lawine oder plötzlich auftretende Wassermassen ein Auto beschädigen, zahlt die Kaskoversicherung. Wenn ein Haus zerstört wird, zahlt die Gebäudeversicherung nur dann, wenn der Besitzer die zusätzliche Elementarschadendeckung gekauft hat“, schreibt Fromme in einem Kommentar für die Süddeutsche Zeitung. „Solche Feinheiten sind den Kunden immer schwerer zu vermitteln“, findet der Marktbeobachter angesichts des Klimawandels, der „zu mehr und heftigeren Wetterextremen“ führe. Eine Folge davon sei, dass Elementarschäden „inzwischen fast alle Hausbesitzer“ im Land bedrohten.

„Am besten wäre eine Absicherung der Gebäude gegen alle Gefahren, solange sie nicht ausdrücklich ausgeschlossen sind. Das sind außergewöhnliche Ereignisse wie Kriegsschäden oder nukleare Verseuchung“, führt Fromme aus.

Zugleich sei auch der Staat gefordert – und zumindest für schwere Risiken wie die Flut eine Pflichtversicherung einführen. Begleitend solle es schärferen Auflagen für das Bauen in Risikozonen geben, findet der Journalist. Dadurch würde auch das Argument der hiesigen Versicherungsbranche wegfallen, wonach bei einer Pflichtversicherung jeglicher Anreiz für Bauherren entfalle, auf das Flutrisiko zu achten. Zudem verweist Fromme auf die Versicherer in Österreich, die eine Pflichtversicherung ausdrücklich forderten.

Autohalter müssten verpflichtend Policen kaufen, zudem sei jeder Bürger verpflichtet, eine Kranken- und eine Pflegeversicherung abzuschließen. Auch für Pharmahersteller und andere Industriebetriebe gebe es Pflichtversicherungen. Hingegen sei die freiwillige Absicherung gegen Elementarschäden gescheitert, konstatiert Fromme. „Politiker, Versicherer und Hausbesitzer müssen neu denken.“

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