Munich-Re-Chef im Porträt Der Klimaforscher

Der Rückversicherer Munich Re ist eine der größten Wissenssammelstellen zum Klimawandel. Das verpflichtet, findet Vorstandsvorsitzender Nikolaus von Bomhard und macht den Klimaschutz zur Chefsache.

| , aktualisiert am 11.11.2014 09:31  Drucken
Nikolaus von Bomhard, lebt mit seiner amerikanischen Frau und seinen zwei Töchtern in München

Lieblingssport: Skifahren, Tennis, Radfahren, Joggen

Ökomanager des Jahres 2007: gewählt vom WWF

Spricht fließend Englisch, Portugiesisch und Spanisch

 

Modernes Solarkraftwerk belebt Wüste

Die Sahara ist einer der lebensfeindlichsten Orte der Welt mit Temperaturen über 50 Grad, endlosen Sandhügeln. Aber es kommt Leben in die Wüste: Bald könnte die riesige Sandfläche eine der größten Baustellen der Welt werden. Schon jetzt steht im marokkanischen Ain Beni Mathar das modernste Solarkraftwerk der Welt. Auf 40 Hektar reiht sich Parabolspiegel an Parabolspiegel. Im Idealfall soll bis 2050 der Wüstenstrom den lokalen Energiebedarf fast ganz und den europäischen zu 15 Prozent decken.

Mit Munich Re – Klima-Aktivist der ersten Stunde

Einer der Hauptvorantreiber dieses Projekts ist der größte Rückversicherer der Welt, die Munich Re. Klimaschützer und Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard ist überzeugt, dass die fast 100 Jahre alte Idee des Wüstenstroms ohne den Konzern nicht so schnell und umfassend aufgegriffen worden wäre. Wer die finanziellen Folgen von Stürmen, Überschwemmungen, Waldbränden oder Dürren versichert, muss diese Risiken einschätzen können. Munich Re sammelt deshalb seit 1974 Daten zur globalen Erwärmung. Von Bomhard weiß: Das größte Risiko der Welt ist der Klimawandel.

Vom Trainee zum Chef

Von Bomhard, 1956 im fränkischen Gunzenhausen geboren, verbringt seine gesamte Karriere bei der Munich Re. Mit 29 Jahren fängt der promovierte Jurist als Trainee an. Bei den Kollegen gilt er als kreativ, analytisch, diplomatisch. 1997 geht er nach Sao Paulo und baut dort das Rückversicherungsgeschäft auf. Drei Jahre später kehrt er zurück nach Deutschland, steigt in den Vorstand auf. 2004 rückt er an die Spitze vor und trägt damit die Verantwortung für 47.000 Mitarbeiter weltweit. Und selbst auferlegt auch ein Stück weit fürs Klima. Videokonferenzen statt Geschäftsreisen, Sparsamkeit bei Papier und Wasser, Emissionszertifikate – seit 2009 arbeitet die Firmenzentrale in München klimaneutral.

Aus voller Überzeugung

Aber Bomhard, der gerne mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, hat noch mehr vor. Sein Ziel ist, dass die Munich Re pro Jahr ein bis zwei neue Deckungskonzepte auf den Markt bringt, die den Klimaschutz fördern. Wenn Photovoltaik-Produzenten eine 25-jährige Garantie auf die Wirkung ihrer Anlagen über eine Police der Munich Re absichern können, pusht dies das nachhaltige Geschäft. Wenn die Kfz-Versicherungen der Erstversicherungstochter Ergo günstigere Prämien beim Kauf eines umweltfreundlicheren Autos gewähren, werden vielleicht eher Sparbenziner gekauft. Wenn das Bestehen auf Sicherheitsstandards beim Versichern von Ölbohrungen helfen kann, Katastrophen à la Deepwater Horizon zu verhindern, bringt das die Welt voran. Glaubt der 54-Jährige. Und er glaubt auch, dass es höchste Zeit ist. Denn der Klimawandel ist ein globales Problem und damit eine Bewährungsprobe für die Menschheit. Jedes Warten beim Klimaschutz sei grob unvernünftig.

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