Eine Auszubildende an einer Werkzeugmaschine in Remscheid: Vor allem junge Menschen verschätzen sich bei der Hilfe des Staates im Falle einer Berufsunfähigkeit. © picture alliance / Rupert Oberhäuser | Rupert Oberhäuser
  • Von Lorenz Klein
  • 22.10.2020 um 16:45
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Dass die gesetzlichen Leistungen zur Arbeitskraftabsicherung nicht ausreichen, wissen Versicherungsmakler nur allzu gut – vielen Deutschen ist das aber nicht so klar. Jeder zweite Bundesbürger (50 Prozent) glaubt, bei Berufsunfähigkeit durch eine staatliche Rente abgesichert zu sein, wie eine repräsentative Umfrage ergab.

Aus vielen Bereichen der Daseinsvorsorge hat sich der Staat weitestgehend zurückgezogen –ein staatliche Berufsunfähigkeitsrente gibt es zum Beispiel nur noch für Beschäftigte, die vor 1962 geboren sind. Dennoch glaubt laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Versorgungswerks Metallrente jeder zweite Bundesbürger (50 Prozent), im Falle einer Berufsunfähigkeit durch eine staatliche Rente abgesichert zu sein.

In der jungen Generation der 14- bis 29-Jährigen sei diese „Versorgungsillusion“ noch stärker ausgeprägt, teilte die Metallrente am Donnerstag auf Basis der Umfrage mit. So gehen in dieser Altersgruppe sogar knapp 60 Prozent von staatlicher Unterstützung aus, wenn sie nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten können.

Auch den Unterschied zwischen Berufs- und Erwerbsunfähigkeit kennt nur eine Minderheit. Laut der Umfrage weiß nur gut ein Drittel (36 Prozent), dass man sich eine andere Arbeit suchen muss, wenn man aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in seinem gelernten Beruf arbeiten kann.

Nur wer auf Dauer weniger als sechs beziehungsweise drei Stunden pro Tag irgendeine Tätigkeit ausüben kann, gilt als erwerbsgemindert beziehungsweise erwerbsunfähig. Diesen Status, der zu einer gesetzlichen Leistung berechtigt, erreiche jedoch in der Regel nur das Niveau der Grundsicherung, heißt es seitens der Metallrente, wo man auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung verweist, wonach die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente im Jahr 2019 bei lediglich 835 Euro lag.

Mehrheit macht sich keine Illusionen

Gleichwohl geht aus der Umfrage durchaus hervor, dass die große Mehrheit der Befragten die Leistungen des Staates als nicht ausreichend einräumen. Für 71 Prozent sei demnach klar, dass sie zusätzlich vorsorgen müssten, um im Falle von Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung finanziell abgesichert zu sein.

Mehr als 80 Prozent der Deutschen sind außerdem der Ansicht, dass man sich spätestens zum Start ins Berufsleben um die Absicherung seiner Arbeitskraft kümmern sollte. Nur gut jeder Zehnte würde damit bis zur Gründung einer Familie warten.

Geldmangel häufigstes Gegenargument

Doch bei aller Einsicht hapert es oft an der praktischen Umsetzung. Der Hauptgrund für eine fehlende Absicherung gegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit sei Geldmangel – darauf verweisen 38 Prozent der Befragten (siehe Grafik).

Jeder Dritte ohne Vorsorge gibt an, sich nicht oder nicht genug mit dem Thema beschäftigt zu haben und wenig darüber zu wissen. „Das erklärt auch ein weiteres Umfrageergebnis“, berichten die Experten der Metallrente weiter. So seien die Deutschen schlecht informiert über Vorsorgemöglichkeiten zur Arbeitskraftabsicherung.

Während nämlich der private Berufsunfähigkeitsschutz in der Bevölkerung eine hohe Bekanntheit von 88 Prozent erreicht habe, seien andere Angebote wie Dread-Disease- oder Grundfähigkeitsversicherung mit jeweils 22 Prozent nahezu unbekannt.

Deutsche besorgt um psychische Gesundheit

Weiter ergab die Umfrage, dass sich über 40 Prozent der Deutschen Sorgen machten, aus physischen Gründen oder auch durch einen Unfall oder einer schweren Krankheit, selbst berufs- oder erwerbsunfähig zu werden. Fast genauso groß ist der Anteil derer, die Angst davor haben, ihren Beruf aufgrund psychischer Ursachen nicht mehr ausüben zu können (35 Prozent). Auffällig sind hier aus Sicht der Experten die deutlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Während sich lediglich 29 Prozent der männlichen Bevölkerung um psychische Krankheiten als Auslöser für Berufsunfähigkeit sorgen, sind es bei den Frauen ganze 40 Prozent.

„Auch unsere Daten bestätigen: Psychische Leiden wie Burnout, Depressionen oder Angststörungen sind in allen Branchen und Berufsgruppen auf dem Vormarsch und mittlerweile die Hauptursache für Berufsunfähigkeit“, kommentiert Hubertus Harenberg, Bereichsleiter Vertrieb Firmenkunden und Konsortien bei Swiss Life Deutschland, die Ergebnisse. Der Finanzkonzern agiert im Bereich Arbeitskraftabsicherung als Konsortialführerin für Metallrente. Rund 125.000 Menschen haben den Angaben zufolge ihre Arbeitskraft bereits über die Metallrente abgesichert.

Für die Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Kantar Public im Auftrag der Metallrente 2.000 Deutschen zwischen 14 und 65 Jahren.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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