Der Trend zu nachhaltigen Investments wächst rasant. © Pixabay
  • Von Sabine Groth
  • 06.07.2020 um 08:35
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Der Trend zu nachhaltigen Investments wächst rasant, zumal die EU-Politik ihn vehement forciert. Mittlerweile hat er auch Fondspolicen erreicht – und stellt Makler bald vor neue Herausforderungen und Pflichten.

Nachhaltiges Investieren ist nicht neu, hat aber erst in den vergangenen Jahren so richtig an Fahrt gewonnen. Fast verdoppelt haben sich 2019 die Investitionen privater Anleger in nachhaltige Investmentfonds, zeigen Zahlen des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG), das seit 15 Jahren einen Marktbericht zur nachhaltigen Kapitalanlage in Deutschland erstellt. Inklusive institutioneller Investoren lag der Zuwachs im vergangenen Jahr bei 41 Prozent. „Damit liegt der Marktanteil nachhaltiger Investmentfonds und Mandate zum ersten Mal bei über 5 Prozent“, sagt Studienleiter Simon Dittrich. Das ist zwar um einiges mehr als vor zehn Jahren, das Wachstumspotenzial bleibt aber weiter hoch.

Auch in diesem Jahr setzte sich der positive Trend fort. Fürs erste Quartal vermeldet der Fondsverband BVI einen Zufluss in nachhaltige Publikumsfonds von 3,4 Milliarden Euro, während aus klassischen Publikumsfonds 17,3 Milliarden Euro abflossen. „Nachhaltigkeit gilt nicht trotz Corona, sondern wegen Corona“, sagt FNG-Geschäftsführerin Angela McClellan und erläutert: „Die Krise hat uns einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig nicht nur Klimaschutz, sondern auch die zur Nachhaltigkeit zählenden sozialen Kriterien sind, die zum Beispiel zur sozialen Abmilderung der Krise beitragen.“

Nicht nur die Nachfrage wächst, ebenso das Angebot. Kaum eine Fondsgesellschaft wagt es noch, keine nachhaltigen Fonds anzubieten. Und folgerichtig halten die Produkte auch Einzug in immer mehr Fondspolicen. Meist stehen Einzelfonds zur Auswahl, zum Teil auch gemanagte Depots mit Nachhaltigkeitsansatz. Versicherer, die es bislang versäumt haben, ihre Fondspalette entsprechend aufzurüsten, dürften bald nachziehen.

Strategien und Trends: Ausschlüsse, ESG und SDG

Zu den größten Hemmnissen, dass nicht schon in der Vergangenheit viel mehr Geld in nachhaltige Anlagen geflossen ist, zählt die Komplexität des Themas, in dessen Mittelpunkt ein fehlendes einheitliches Verständnis und damit auch eine fehlende Definition von Nachhaltigkeit steht. In den Anfängen ging es vor allem um Ausschlusskriterien – bestimmte Branchen oder Unternehmen, die Menschenrechte verletzen, waren tabu. Solche Ausschlüsse zählen auch heute noch zu fast allen nachhaltigen Anlagestrategien, sie wurden jedoch ergänzt um weitere Elemente. Es geht nicht mehr nur darum, in was nicht investiert werden soll, sondern vor allem darum, welche Unternehmen man gezielt fördern will.

Der ESG-Ansatz hat sich weitgehend durchgesetzt und wird in der Geldanlage oft als Synonym für Nachhaltigkeit verwendet. Er berücksichtigt bei der Bewertung von Aktien und Anleihen neben finanziellen Kriterien auch ökologische (Environment) und soziale (Social) Faktoren sowie die Grundlagen einer guten Unternehmensführung (Governance). ESG-Strategien bevorzugen entsprechend Unternehmen, die in diesen drei Bereichen besonders gute Bewertungen aufweisen.

Noch relativ neu sind SDG-Strategien. Diese investieren in Wertpapiere von Unternehmen, die mit ihrer Geschäftstätigkeit ein oder mehrere der 17 Sustainable Development Goals (SDG) vorantreiben. Diese Ziele für eine nachhaltige Entwicklung sind Teil der Agenda 2030, die 2015 von den Mitgliedern der Vereinten Nationen unterzeichnet wurden. Die SDGs wurden zwar nicht für den Kapitalanlagemarkt entwickelt, können dort aber zum Teil zum Einsatz kommen, wie das zunehmende Fondsangebot zeigt.

Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden müssen abgefragt werden

Gestützt wird der Nachhaltigkeitstrend nicht nur vom wachsenden Bewusstsein der Bevölkerung für den Klimawandel und globale Ungleichheiten. Der eigentliche Treiber ist viel profaner: „Eine Mehrheit der Befragten für unseren Marktbericht sieht die Politik als maßgeblichen Treiber für ESG-Trends“, sagt FNG-Geschäftsführerin McClellan. 2018 legte die EU ihren Aktionsplan Finanzierung nachhaltigen Wachstums vor, der Unternehmen, aber auch Asset Manager, die bislang nicht viel von Nachhaltigkeit hielten, unter starken Druck setzt.

Ein zentrales Element ist die EU-Taxonomie, ein Klassifizierungssystem, das dabei helfen soll zu beurteilen, wie nachhaltig ein Unternehmen ist. In der ersten Stufe, die schon recht weit gediehen ist, enthält die Taxonomie aber nur umweltbezogene Kriterien. Soziale Faktoren sollen später folgen. Berater sollten dabei nicht damit rechnen, dass eine Taxonomie ihnen abnimmt, sich mit den einzelnen Strategien auseinander zu setzen, um die passende für den Kunden zu finden.

Ganz davor drücken können sie sich ohnehin bald nicht mehr. „Voraussichtlich ab dem 3. Quartal 2021 muss der Privatkunde im Beratungsgespräch verpflichtend nach seinen Nachhaltigkeitspräferenzen gefragt werden. Das gilt auch für den Versicherungsvertrieb und damit für Fondspolicen“, sagt McClellan. Denn nicht nur Mifid II, sondern auch die Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD wurde um Nachhaltigkeit ergänzt. „Hierdurch erwarten wir ein weiteres enormes Nachfragewachstum bei den privaten Anlegern nach nachhaltigen Geldanlagen“, so McClellan.

 

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Sabine Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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