Lebensversicherer in der Kritik Teure Kredite für Töchter = niedrige Überschüsse für Kunden?

Von der Generali Leben verlangt die Konzernmutter für die ersten zehn Jahre 6,5 Prozent Zinsen jährlich.
Von der Generali Leben verlangt die Konzernmutter für die ersten zehn Jahre 6,5 Prozent Zinsen jährlich. © dpa/picture alliance

Das Niedrigzinsumfeld macht Lebensversicherern zu schaffen. Gesellschaften, die ihre Ausschüttungen an Kunden zurückhalten, um ihre Garantien langfristig erfüllen zu können, dürfen auch keine Zahlungen an Eigentümer leisten. Wie Gesellschaften dieses Verbot ganz legal umgehen – und wie sich das auf Kunden auswirkt.

| , aktualisiert am 29.09.2017 19:39  Drucken

In Zeiten extrem niedriger Zinsen fürchten viele Versicherer, ihren Garantieverpflichtungen irgendwann nicht mehr nachkommen zu können. Um das zu vermeiden, erlaubt der Gesetzgeber den Gesellschaften, die Ausschüttungen an die Kunden zurückzuhalten, um einen Finanzpolster für künftige Garantiezahlungen zu bilden. In diesem Fall darf aber auch kein Geld an die Eigentümer fließen.

So weit, so logisch. Doch die Versicherer haben nun einen Weg gefunden, die Ausschüttungsperre an die Eigentümer zu umgehen. Denn die Konzernmütter vergeben an ihre Lebensversicherungstöchter Kredite zu Wucherzinsen. Das berichtet die Wirtschaftswoche.

Das Blatt hat stichprobenartig konzerninterne Kredite untersucht und mehrere Beispiele für Darlehen zu Zinsen, die weit über den marktüblichen liegen entdeckt.

Bis zu 6,5 Prozent Zinsen

Beispiel Generali Deutschland Holding: Für die 382 Millionen Euro, die sie ihrer Tochter Generali Leben im Jahr 2012 für 30 Jahre geliehen hat, verlangt die Konzernmutter zunächst 6,5 Prozent Zinsen jährlich. Nach zehn Jahren tritt ein variabler Zins in Kraft.

HDI Leben muss der Muttergesellschaft Talanx jedes Jahr 6 Prozent auf die geliehenen 51 Millionen Euro zahlen, so das Ergebnis der Recherchen. Die Swiss Life lieh ihrer Deutschland-Tochter unbefristet 100 Millionen Euro – zu einem Zinssatz von 4,3 Prozent. Die Lebensversicherung Provinzial Rheinland zahlt für den 125-Millionen-Euro-Kredit mit einer Laufzeit von zehn Jahren 3,7 Prozent jährlich.

BdV-Chef: Eine hohe Überschussbeteiligung ist bei Versicherern mit hohen Darlehen nicht zu erwarten

Im Schnitt liegen die Zinsen bei konzerninternen Krediten zwischen 4 und 6 Prozent. Das hat zwar seinen Grund: Bei solchen Darlehen handelt es sich um nachrangige Kredite, die im Fall einer Insolvenz des Kreditnehmers zuletzt bedient werden. Doch die Lebensversicherer seien derzeit nicht in der Lage, so hohe Zinsen zu erwirtschaften, zitier die Wiwo Gerhard Schick, finanzpolitischen Sprecher von Bündnis 90/ Die Grünen. Auch Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten (BdV) kritisiert die „nennenswerte Summen, die da abfließen“.

Denn ob Nachragdarlehen oder nicht: Solange der Kreditnehmer zahlungsfähig ist, muss er seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen. Eine hohe Überschussbeteiligung sei daher bei Versicherern mit hohen Darlehen nicht zu erwarten, warnt Kleinlein.

Schulden wirken wie Eigenkapital

Die Versicherungsbranche widerspricht dieser Darstellung. Sie weist darauf hin, dass die Finanzaufsicht nachrangige Kredite als Eigenkapital anerkennt. Damit würden Schulden in der Unternehmensbewertung als Eigenkapital wirken – und die Versicherungstochter stabilisieren, so ihr Argument.

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