Bei der Finanzaufsicht änderte sich im Zuge des Wirecard-Skandals vieles: Präsident Felix Hufeld verließ im März 2021 die Behörde, nachdem er für den Umgang mit dem Skandal vielfach kritisiert wurde. Nachfolger Mark Branson fährt nun einen deutlich härteren Kurs. © picture all. / Zumapress.com | Pavlo Gonchar
  • Von Lorenz Klein
  • 21.12.2022 um 10:53
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Die Finanzaufsicht Bafin plant, die Namen von Versicherern öffentlich zu machen, wenn diese in ihrer Geschäftsorganisation einschließlich der IT schwerwiegende Mängel aufweisen. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ). Damit würde sich die sonst so verschwiegene Bafin am Prinzip des „naming and shaming“ der britischen Finanzaufsicht orientieren, folgert die SZ.

Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwochsausgabe mit Bezahlschranke) zufolge will die Finanzaufsicht Bafin gegenüber Versicherern einen härteren Kurs einschlagen. Versicherer, die in der Geschäftsorganisation einschließlich der IT schwerwiegende Mängel aufweisen, werden laut SZ künftig von der Bafin öffentlich genannt und müssen diese Information auch selbst publik machen.

Die Zeitung beruft sich dazu auf Gespräche mit Bafin-Verantwortlichen, darunter Jörg Krause, der unter anderem für große Versicherungsgruppen zuständig sei. Das fehlerhafte Verhalten von Unternehmen öffentlich anzuprangern, erinnert die SZ an das Vorgehen der britischen Aufsicht, die gerne nach dem Prinzip „naming and shaming“ verfahre. Hierzulande vermieden es die Aufseher bislang hingegen, einzelne Versicherer für alle sichtbar abzuwatschen – Motto: „Zu Einzelfällen können wir nicht Stellung nehmen.“

„Die IT-Systeme sind oft riskanter als gedacht“

Damit nicht genug, verlangt die Bafin künftig von Gesellschaften Risikoaufschläge, wenn die Prüfer bei ihnen große Mängel in der IT oder der Geschäftsorganisation feststellen. „Wir planen Kapitalaufschläge, die das erhöhte Risiko reflektieren“, wird Bafin-Mann Krause im Bericht zitiert. Die Aufsicht habe bereits erste Fälle identifiziert, in denen sie solche Aufschläge verhängen will, heißt es. Geldstrafen, wie in Großbritannien üblich, soll es allerdings nicht geben.

Exekutivdirektor Frank Grund, der 2023 in den Ruhestand geht, hatte die Branche bereits ermahnt, sich stärker anzustrengen, um das IT-Management auf Vordermann zu bringen. „Die IT-Systeme sind oft riskanter als gedacht“, sagte Bafin-Mann Krause der Zeitung und verwies beispielhaft auf schlecht vergebene Nutzungsrechte. Zugleich betonte Krause, dass die zusätzlichen Eigenmittel, die laut SZ im einstelligen Prozentbereich liegen könnten, nicht als Strafmaßnahme zu verstehen seien. „Wir wollen den Instrumentenkasten des Aufsichtsregimes Solvency II stärker nutzen“, so Krause.

Bafin will Liquiditätsprobleme frühzeitig aufspüren

Neben der operativen Sicherheit nehme die Bafin auch die Liquidität der Branche verstärkt unter die Lupe – etwa für den Fall, dass eine Kündigungswelle drohe, weil die Kunden wegen der Inflation ihre Ausgaben einschränken. Zwar sehe die Aufsicht hier keine akute Gefahr, denn bislang sei noch kein Versicherer wegen möglicher Liquiditätsprobleme auffällig geworden. Die Behörde wolle aber die Entwicklung genau beobachten, ein Monitoring der Liquidität bei „ausgewählten Versicherern“ sei vorbereitet.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

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