Krankenversicherung „Eine ambulante Zusatzversicherung kann wertvoll für die Gesundheit sein“

Eine junge Frau bekommt eine Impfung: Ambulante Zusatztarife können zu einer höheren Bereitschaft der Menschen führen zu Vorsorgeuntersuchungen & Co. zu gehen.
Eine junge Frau bekommt eine Impfung: Ambulante Zusatztarife können zu einer höheren Bereitschaft der Menschen führen zu Vorsorgeuntersuchungen & Co. zu gehen. © picture alliance/Carsten Rehder/dpa

Bei stationären Krankenzusatzversicherungen oder Zahnzusatzpolicen ist die Meinung recht einhellig: lohnt sich für gesetzlich Krankenversicherte. Bei den ambulanten Zusatzversicherungen sind die Meinungen geteilter: Teurer Schnickschnack sagen die einen, sinnvoller Schutz die anderen. Wir sprachen darüber mit Thomas Gnann, PKV-Experte und Geschäftsführer der Gnann Management-Vorsorge GmbH aus Sigmaringen.

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Pfefferminzia: Für wen lohnen sich in Ihren Augen ambulante Krankenzusatzversicherungen?

Thomas Gnann:Im ambulanten Bereich gibt es in der gesetzlichen Krankenversicherung, kurz GKV, sehr viele Lücken – von der Übernahme von Vorsorgebehandlungen über Heilpraktiker-Leistungen bis hin zur Kostenerstattung für Sehhilfen. Eine Krankenzusatzversicherung lohnt sich für Personen, die Interesse an diesen Leistungen haben, welche die GKV nicht abdeckt. Eine solche Versicherung kann dann sehr wertvoll für die Gesundheit des Kunden sein. Bleiben wir beim Beispiel der Vorsorgeuntersuchungen. Dadurch, dass sich der Versicherte keinen Kopf über die Kosten dieser Untersuchungen machen muss, nutzt er dieses Angebot vielleicht öfter. Wenn dabei eine Krankheit in einem frühen Stadium erkannt wird und bekämpft werden kann, verhilft das dem Versicherten unter Umständen zu einem längeren Leben. Ein anderes Beispiel sind Sehhilfen. Viele Menschen tragen seit Jahren die gleiche Brille, obwohl die Sehstärke sich stark verändert hat. Das wirkt sich natürlich negativ auf die Lebensqualität aus. Übernimmt eine Police die Kosten für neue Sehhilfen, lässt sich auch dieses Problem leicht lösen.

In den Augen vieler Verbraucherschützer sind die ambulanten Tarife voll „teuren Schnickschnacks“, den man gar nicht brauche und die sinnvolleren Leistungen dann meist begrenzt. Stimmen Sie dieser Kritik zu?

In der heutigen Tarifvielfalt kann man von den Leistungen her immer besser auf den Kunden und seine Wünsche eingehen. Dabei gibt es natürlich auch Decklungen in vielen Tarifen, wobei die Höhen mittlerweile recht kundenfreundlich sind. Nehmen wir als Beispiel einen 30-jährigen Kunden, der Interesse an den Leistungen Sehhilfen und Heilpraktiker-Behandlung hat. Ein Tarif sieht hier etwa Sehhilfen mit Sehstärke über 375 Euro alle zwei Kalenderjahre vor – ohne Klauseln, die Heilpraktiker-Rechnungen werden bis 750 Euro je Kalenderjahr gezahlt, GKV-Zuzahlungen in Höhe von 250 Euro pro Kalenderjahr erstattet und vieles mehr – und das für unter 24 Euro im Monat mit Altersrückstellungen, ohne Wartezeiten und ohne zusätzlichen Staffeln am Anfang. Ich denke, das ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als fair. Hier ist das Wichtigste, dass der Kunde richtig aufgeklärt ist, welche Leistungen ein Tarif enthält – und auch welche Begrenzungen und Wartezeiten.

Welche Leistungen sollte ein guter Tarif Ihrer Meinung nach beinhalten?

Die Frage sollte anders gestellt sein. Vielmehr geht es darum, welche Wünsche und Lücken eine gesetzlich krankenversicherte Person im ambulanten Bereich hat. Danach kann auf diese Lücken eingegangen werden. Wenn wichtige Bereiche wie gesetzliche Zuzahlungen, zusätzliche Hilfsmittel und die Auslandskrankenversicherung in einem Tarif aber schon mal enthalten sind, ist das von enormem Vorteil. Denn hier gibt es oft Lücken, die dem Kunden nicht richtig bewusst sind.

An welchen Stellen kommt es im Bereich der ambulanten Zusatzversicherung immer wieder zu Missverständnissen oder Stolperfallen?

Missverständnisse können sehr schnell auch bei den ganz einfachen Dingen aufkommen, wenn man hier nicht genau darauf achtet. Beispiel Wartezeiten. Viele Tarife verzichten mittlerweile auf Wartezeiten, andere wiederum haben unterschiedliche Wartezeiten im Tarif. Auch auf die Begrenzungen in den einzelnen Bereichen in den Anfangsjahren sollte geachtet werden, das ist bei Anbietern oft sehr unterschiedlich. Natürlich sind auch Dinge wie die Zahl der Sehhilfen im Absicherungsbetrag wichtig: wird eine Sehhilfe erstattet oder sind auch mehrere erlaubt? Bei Heilpraktiker-Leistungen geht es sogar noch mehr ins Detail, hier kommt es darauf an, welche Methoden alle im Schutz enthalten sind.

Sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern groß?

Ja, da jeder Anbieter unterschiedliche Pakete anbietet und auch oft die Prioritäten im Tarif variieren. Wichtig ist, dass auf die Bedürfnisse des Kunden eingegangen wird und nach seinen Wünschen auch der entsprechende Tarif mit den Prioritäten ausgesucht wird. Auch das Alter spielt im Vergleich eine große Rolle, da jeder Anbieter seine Stärken hat. Das Schöne ist, dass es fast immer Lösungen gibt – auch wenn gesundheitlich nicht immer alles optimal ist. Das ist vielen Kunden nicht bewusst.

Pfefferminzia-Zukunftstag 2019

Durchblick – der zweite Zukunftstag für Versicherungsprofis fand dieses Mal am 21. Mai in Köln statt. Hoch über den Dächern der Rhein-Metropole tauschten sich rund 100 Teilnehmer mit namhaften Referenten und Ausstellern über Zukunftsthemen in der Assekuranz aus. Verschaffen Sie sich hier einen Eindruck von der Veranstaltung.

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