Konkurrenzkampf in der GKV AOK-Chef legt sich mit Ersatzkassen an

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, teilt trotz guter Branchenzahlen kräftig gegen die interne GKV-Konkurrenz aus.
Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, teilt trotz guter Branchenzahlen kräftig gegen die interne GKV-Konkurrenz aus. © AOK

Angesichts der guten Finanzlage wächst bei der AOK das Selbstbewusstsein: „Wenn alle Kassen so wirtschaften würden wie die AOK, hätten wir jährlich rund zwei Milliarden Euro weniger Ausgaben in der GKV“, meint Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Dies entspräche einer Beitragsreduzierung um 0,2 Prozentpunkte.

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Für die 113 Krankenkassen in Deutschland könnte es dieses Jahr kaum besser laufen: Zur Jahresmitte übertrafen ihre Einnahmen die Ausgaben um 1,4 Milliarden Euro – das entspricht fast einer Verdoppelung gegenüber dem ersten Quartal.

Auch die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKs) profitieren von der guten Konjunktur in Deutschland: Für das zweite Quartal lag deren Überschuss bei 650 Millionen, nach 361 Millionen im ersten Quartal. Zum Vergleich: Das zweite Quartal des Vorjahres schlossen die AOKs mit einem vergleichsweise bescheidenen Plus von nur 125 Millionen Euro ab.

Friede, Freude, Eierkuchen in der GKV? Von wegen.

Friede, Freude, Eierkuchen also in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)? Eher nicht. Stattdessen teilt AOK-Bundesverband-Chef Martin Litsch kräftig gegen die Konkurrenz im GKV-Lager aus – genauer gesagt gegen die Ersatzkassen. Zu ihnen gehören die Barmer, die TK, die DAK-Gesundheit, die KKH, die hkk sowie die HEK. Zusammen weisen die sechs Kassen rund 22 Millionen Mitglieder auf und versichern nahezu 28 Millionen Menschen, wie Zahlen des Verbandes der Ersatzkassen zeigen.

„Wenn alle Kassen so wirtschaften würden wie die AOK, hätten wir jährlich rund zwei Milliarden Euro weniger Ausgaben in der GKV. Das sind rund 0,2 Prozent Beitragssatzpunkte“, wird Litsch in einer Mitteilung des AOK-Bundesverbandes zitiert. Während die Ersatzkassen Litsch zufolge aktuell Versichertenzuwächse von einem Prozent und Ausgabensteigerungen von über drei Prozent auswiesen, sei dieses Verhältnis bei der AOK „genau umgekehrt“.

AOKs geben rund 200 Millionen Euro aus – pro Tag

Demnach verzeichneten die AOKs „seit Jahren einen unterdurchschnittlichen Anstieg der Leistungsausgaben, der auch im zweiten Quartal mit nur einem Prozent pro Versicherten weit unter Branchendurchschnitt rangiert“, berichtet der Verbandschef. Zudem hätten die AOKs im ersten Halbjahr 2017 mit 3,4 Prozent überdurchschnittlich viele Versicherte hinzugewonnen, dabei vor allem auch jüngere Menschen.

Der AOK-Gemeinschaft stellt Litsch ein exzellentes Zeugnis aus: Über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg sei man effizient aufgestellt – von den Arzneimittelrabattverträgen über die Abrechnungsprüfung im Krankenhaus bis hin zum Leistungsmanagement. Auf diese Weise habe man sich „kontinuierlich deutliche Wettbewerbsvorteile“ erarbeitet.

Etwas Bescheidenheit hat sich der Verbandschef dann doch noch verordnet: „Bedenkt man gleichzeitig, dass die AOKs rund 200 Millionen Euro pro Tag für die Gesundheitsversorgung ihrer Versicherten ausgeben, relativiere sich der Überschuss von 650 Millionen Euro wieder“, räumt Litsch ein.

Neben den Allgemeinen Ortskrankenkassen und den Ersatzkassen gibt es als weitere Kassenarten die Betriebskrankenkassen, die Innungskrankenkassen, die Knappschaft und die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau.

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