Durch neue Technologien sollen die Versicherungsprodukte selbst oder verbundene Leistungen vereinfacht werden © Pixabay
  • Von Manila Klafack
  • 18.12.2019 um 09:19
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lesedauer Lesedauer: ca. 02:25 Min

Die digitale Revolution ist auch in der Versicherungsbranche angekommen. Nach den Fintechs in der Bankenwelt rütteln die Insurtechs die Versicherungsbranche auf. Wie diese Modelle funktionieren, wo ihre Vorteile liegen und welche Schwächen sie haben, erfahren Sie hier.

Zu den wohl bekanntesten Insurtechs in Deutschland und Europa zählt die DFV Deutsche Familienversicherung. Die Idee des 2006 gegründeten Unternehmens beruhte auf der Erkenntnis, dass die Digitalisierung beim Produkt beginnen müsse. Einfach und verständlich sollte es sein. Mittlerweile können die Internet-affinen Kunden für den Abschluss einer Police Amazon Echo oder Google Home nutzen. Das Bezahlen funktioniert ebenso unkompliziert über das Amazon-Konto oder mit Paypal.

Dieses Konzept scheint bei den Kunden gut anzukommen. Kurz nach der Gründung der DFV im Jahr 2007 lagen die Jahresbruttobeiträge noch bei 0,5 Millionen Euro, zehn Jahre später bereits bei 72 Millionen Euro. Im Dezember 2018 ist das Unternehmen an die Börse gegangen – und ist damit das erste börsennotierte Insurtech Europas.

Die entscheidende Grundlage aller Insurtechs bilden neue Technologien. Damit sollen die Versicherungsprodukte selbst oder verbundene Leistungen vereinfacht werden. Adressaten dieser Angebote sind neben den privaten auch gewerbliche Endkunden sowie Makler. Vor allem zukunftsträchtige Segmente bieten diesen jungen Unternehmen viel Potenzial.

Digitalversicherer suchen sich zukunftsträchtige Segmente

Der Digitalversicherer andsafe zum Beispiel will mit seinem Angebot die Zielgruppe der kleinen Gewerbetreibenden, insbesondere auch Existenzgründer, mit speziellen Angeboten erobern. Mit Betriebshaftpflicht- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen ist das Tochterunternehmen der Provinzial Nordwest in Münster seit Frühsommer 2019 am Markt.

Einfache und stark standardisierte Produkte bei Versicherungssumme und Selbstbeteiligung stehen dabei im Mittelpunkt. „Dabei unterscheiden wir uns technisch von anderen Insurtechs“, sagt Marcus Ruske, Lead Architect Digital Operations bei andsafe. „Wir setzen im Gegensatz zu den meisten anderen nicht auf ein klassisches IT-Rechenzentrum, sondern beziehen alle erforderlichen Dienste aus der Cloud. Das bringt uns eine neue Entwicklungsgeschwindigkeit“, so Ruske.

Einige Monate vor andsafe, im Herbst 2018, ging ein Berliner Start-up namens Coya ins Rennen um die Gunst der privaten Versicherungskunden. „Vergiss Papierkram“ lautet seine Aufforderung an die vornehmlich junge Zielgruppe. Die Produkte: Hausrat-, private Haftpflicht-, Hundehalterhaftplicht-, Fahrrad- sowie E-Bike-Versicherung. In wenigen Minuten soll der Versicherungsschutz abgeschlossen sein. Und ebenso schnell funktioniert laut Versprechen die Zahlung im Schadenfall. Auch eine lange Bindung an den Versicherungsvertrag gibt’s hier nicht. Jederzeit kann die Police wieder gekündigt werden.

„Grundsätzlich liegen die Vorteile aller Start-ups in der hohen Technisierung und in den schlanken Prozessen“, erklärt andsafe-Experte Ruske „Während die bisher auf Papier basierenden Geschäftsabläufe der traditionellen Versicherungsunternehmen oft erst so umgebaut werden müssen, damit sie digital funktionieren, können wir unsere Prozesse von Beginn an für die digitale Abwicklung gestalten.“

Zu den Nachteilen zählt allerdings, dass die potenziellen Kunden beispielsweise die Seriosität oft nicht beurteilen können. Auch eine mangelnde Erfahrung des Unternehmens insgesamt und speziell bei der Regulierung von Schäden kann von den Interessenten einer Police als problematisch angesehen werden.

Digitale Plattformen zentrales Thema in allen Branchen

Doch nicht nur digitale Versicherer, wie die DFV oder andsafe, erobern zunehmend den Versicherungsmarkt. Denn der Begriff „Insurtech“ meint mehr als digitale Versicherungen. Auch Neugründungen für den Vertrieb, den Produktvergleich oder für die Verwaltung von Policen, vor allem auch von branchenfremden Start-ups und Plattformen, kennzeichnen die Insurtech-Szene.

Ein Erfolgsmodell dafür ist etwa Check24. Das Vorläufer-Unternehmen des Online-Vergleichsportals aus München, das Henrich Blase bereits 1999 gründete, verglich Kfz-Versicherungen. Heute hat Check24 sich als Vergleichsportal nicht nur für viele Versicherungsbereiche, sondern etwa auch für Energie und Urlaubsreisen etabliert.

Diese digitalen Plattformen bestimmen jedoch nicht nur die Welt der Versicherer. Vielmehr werden sie quer durch alle Branchen zum zentralen Thema. Das jedenfalls zeigt eine Umfrage des F.A.Z.-Instituts im Auftrag von Sopra Steria Consulting.  Dort wurden Entscheider und Manager aus Unternehmen der Branchen Banken, Versicherungen, Energie- und Wasserversorgung, Telekommunikation und Medien, öffentliche Verwaltung, Automotive sowie sonstiges verarbeitendes Gewerbe im Frühjahr 2019 befragt. Das Ergebnis: Die Unternehmen können die komplexen Herausforderungen der Digitalisierung nicht mehr allein meistern.

Partnerschaften sind hier nach Einschätzung von Experten der Schlüssel zum weiteren Erfolg. Daher wird das Angebot von gemeinsamen Produkten und Dienstleistungen auf Plattformen immer relevanter. Die Kehrseite: Es kann eine gefährliche Abhängigkeit von der Plattform entstehen und der Draht zum Kunden verloren gehen.

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Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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