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Kommentar zur IDD-Umsetzung „Die Politik wird sich feiern und Makler und Verbraucher zahlen die Zeche“

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Fünf Makler- und Vermittlerverbände haben sich kürzlich zu einer Gesprächsrunde zusammengefunden, über die Umsetzung der EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD gesprochen und ein gemeinsames Positionspapier aufgesetzt. Darin machen die Verbände vier Forderungen, was sich an IDD noch ändern muss. Versicherungsberater Christian Müller hat sich die IDD und das Positionspapier einmal angeschaut und nimmt kritisch dazu stellen. Sein Fazit: Vor allem der Gesetzgeber, aber auch die Makleverbände haben mehrere „historische Chancen“ vertan.

| , aktualisiert am 18.05.2017 09:30  Drucken

Ein Aspekt, der gar nicht beleuchtet wurde, ist das Thema Incentivierung und Produktgenehmigungsverfahren. Incentivierungen? Vertriebswettbewerbe? „Bootchen“ fahren mit der Aida? Harte Herausforderungen für Strukturvertriebe! Aber auch in den Ausschließlichkeitsorganisationen dürfte es brennen. Da ist jetzt guter Rat in der Vertriebssteuerung gefragt.

Aber nicht nur da: auch in der Produktentwicklung. Denn der Nachweis, dass ein Markt für neue Produkte und Sparten existiert, muss analytisch erbracht werden und ist genehmigungspflichtig. Na, das wird lustig in neuen und wichtigen Sparten wie Cyber-Versicherungen, bei denen eine Crux die fehlende Datenlage ist. Und beim Service? Keine Regelungen in Sicht. Ist klar, hat wieder keiner auf dem Radar. Verbraucherschutz bedeutet ja einfach nur preiswert und transparent. Beim Abschluss. Aber Betreuung? Service? Fehlanzeige.

Der Verbraucher steht im Wald

Und zu guter Letzt: der Verbraucher als schützenswertes Reh? Den, um den alles schließlich dreht? Der Hilfe, Transparenz und qualifizierte Beratung benötigt? Der versicherungstechnische Lösungen braucht? Der zum Teil finanziell ausgereizt ist? Der Service im Schadensfall benötigt? Meine Einschätzung zum Verbraucher: der steht komplett im Wald.

Die Vielfalt der Begriffe und Fantasienamen wie Honorar Versicherungsberater, Produktinformationsblätter versteht keiner. Die gesamte Architektur der IDD ist windschief. Und wird noch windschiefer in den vertikalen Rechtsrahmen übernommen. Historische Chance vertan! Das Argument der Politik, man habe aktiv etwas für den Verbraucherschutz getan, wird die Bild-Zeitung füllen. Die Zeche zahlen Makler und Verbraucher. Mit Ruhm bekleckert sich damit keiner. Der letzte Walzer auf der Titanic? Ich hoffe nur, dass ich Unrecht behalte.

Im Facebook Versicherungsmaklerforum Deutschland werden wir diese Tendenzen fachlich weiter diskutieren. Makler sind dazu herzlich eingeladen.

Christian Müller

Über den Autoren

Diplom-Kaufmann Christian Müller ist Unternehmens- und Versicherungsberater. Seit 2009 betreibt er gemeinsam mit seiner Gattin Esther Riehl Müller die RWM Group sowie den Fachliteratur Online Shop www.versicherungs-fundus.de. Die RWM Group ist spezialisiert auf Rechtsdienstleistungen zu den Themen Begleitung von privaten Berufsunfähigkeitsrenten, Cyber-Risiken und klassisches Consulting in den Branchen Versicherungen, Banken und Automotive. Ehrenamtlich ist Müller als Vorstand des BVSV für die Akademie des Verbands verantwortlich.

Pfefferminzia-Zukunftstag 2019

Durchblick – der zweite Zukunftstag für Versicherungsprofis fand dieses Mal am 21. Mai in Köln statt. Hoch über den Dächern der Rhein-Metropole tauschten sich rund 100 Teilnehmer mit namhaften Referenten und Ausstellern über Zukunftsthemen in der Assekuranz aus. Verschaffen Sie sich hier einen Eindruck von der Veranstaltung.

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