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Kolumne Die dunkle Seite der Niedrigzinsen

Ein Arbeiter legt an der Fracking-Bohranlage „Tekton Energy“ in Colorado, USA, Rohre bereit: Die Fracking-Industrie in den USA freut sich über das billige Geld, dass die Banken zur Verfügung stellen.
Ein Arbeiter legt an der Fracking-Bohranlage „Tekton Energy“ in Colorado, USA, Rohre bereit: Die Fracking-Industrie in den USA freut sich über das billige Geld, dass die Banken zur Verfügung stellen. © dpa/picture alliance

Das anhaltende Nullzinsniveau ist günstig für Immobilienfinanzierer, können sie sich doch gerade günstige Konditionen zu langen Laufzeiten sichern. Aber es gibt natürlich auch eine dunkle Seite der Niedrigzinsen. So können sie etwa zu Spekulationsblasen und turbulenten Märkten führen, schreibt Vertriebsexperte Tobias Haff in seiner Kolumne.

| , aktualisiert um 11:11  Drucken
Auf vierzig Jahre fest vereinbarte Baufinanzierungszinsen – das sollte zu denken geben. Die Versicherungsgesellschaft freut sich über so viel Planungssicherheit. Der Kunde auch. Der eine hat seinen Deckungsstock auf lange Zeit gut angelegt, der Häuslebauer historisch niedrige Zinsen über Jahrzehnte sicher. Höhere Niveaus sind nicht in Sicht. Der Markt wird weiter mit Geld geflutet, die Europäische Zentralbank ist ganz vorn mit dabei, wenn es um die Versorgung mit billigem Geld geht.

Es gibt seit Kurzem Theorien und Expertenmeinungen, die Inflation und hohe Zinsen als Erscheinungen der Vergangenheit erklären oder deren Rückkehr erst in vielen Jahren sehen. Trotz steigender Geldmengen soll sich die Preisentwicklung nur moderat entwickeln, die Zinsen auf geringen Werten verharren.



Das Internet und die zunehmende elektronische, weltweite Vernetzung der Wirtschaft sind der Grund dafür, sagen diese Experten. Mehr Effizienz im Wirtschaftsleben, mehr Dienstleistungen und weniger Industrie reduzieren den Bedarf an Investitionen und damit an Sparkapital. Damit sinkt der Preis dafür: der Zins.

Dies fördert Marktverwerfungen und neue Spekulationsblasen. Die Banken in Brasilien sind mit den Folgen eines kreditfinanzierten Konsumwohlstands der Mittelschicht konfrontiert. In Großbritannien steigen die Hauspreise um ein Vielfaches schneller als die Löhne. Hauskauf wird dort mit Niedrigstzinsen und kurzen Festschreibungen von teilweise nur zwei Jahren angepriesen.

In den Vereinigten Staaten lebt die Öl-Fracking-Industrie davon, dass die Banken billiges Geld zur Verfügung stellen. Ein laxes Insolvenzrecht unterstützt es, dass neue Blasen entstehen.

Ausbaden werden es Sparer und Vermittler

Diese Trends können lange Zeit anhalten. Je länger sie dauern, umso heftiger werden am Ende die Auswirkungen sein. Das hat die Lehman-Krise im Jahr 2009 eindrucksvoll gezeigt. Am Ende sorgt die neue Informationsgeschwindigkeit durch elektronische Medien für die schnelle Ausbreitung schlechter Nachrichten auf der ganzen Welt.

Ausbaden darf am Ende alles der Kunde. Der Einzelne, der sparen oder für sein Alter Geld zurücklegen will. Ihn trifft es, da er einen langen Horizont für seine Geldanlage haben soll. Und es trifft seinen Berater, der ihn auf diesem Weg unterstützt.

Auch wenn das Umfeld für den Immobilienerwerb derzeit sehr günstig erscheint – Altersvorsorge ist sehr vielfältig. Die Freude über günstigste Immobilienfinanzierungszinsen sollte dabei nicht alles überstrahlen. Es kann an den Märkten auch schnell turbulent werden.
Zur Person
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TobiasHaff

Tobias Haff ist Betriebsgeschäftsführer des B2B-Insurtech-Unternehmens massUp.

Davor hat er Procheck24, den B2B-Bereich des Vergleichsportals Check24, aufgebaut. Bereits seit 1997 entwickelt er Internet-Projekte mit dem Fokus auf Finanzdienstleistungen.
Experten-Kolumnen von Tobias Haff