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Karriere-Kolumne von Hans Steup Die Sache mit dem Jugendwahn

Hans Steup: Der Betreiber des Portals „Versicherungskarrieren“ spricht sich gegen zu viel Jugendwahn bei der Mitarbeitersuche aus.
Hans Steup: Der Betreiber des Portals „Versicherungskarrieren“ spricht sich gegen zu viel Jugendwahn bei der Mitarbeitersuche aus. © Hans Steup

Immer wieder begegnet Karriere-Spezialist Hans Steup dem Wunsch vieler Personaler nach „jungen“ und „hungrigen“ Menschen als künftige Mitarbeiter. Alles Quatsch, meint der Betreiber des Portals „Versicherungskarrieren“. Warum das Alter bei der Mitarbeitersuche nie eine Rolle spielen sollte, erklärt er in seiner Kolumne.

| , aktualisiert am 28.09.2017 08:35  Drucken

Jung, dynamisch, hungrig. Unternehmerisch denkend und vertriebsstark. Diese Anforderungen an Bewerber fallen spätestens im dritten Satz, wenn ich mit Arbeitgebern spreche. In der Stellenausschreibung ist die Bezeichnung „jung“ schon mal tabu. Mit etwas Pech mahnt ein gelangweilter Anwalt Sie dafür wegen Diskriminierung ab.

Woher sollen all die jungen, dynamischen, hungrigen, unternehmerisch denkenden und vertriebsstarken Menschen (Männer) kommen, die Sie und alle Ihre Mitbewerber haben wollen?

Leute, die ihren Job kündigen und bei Ihnen als selbstständige Untervermittler oder Insurtech-Telefonverkäufer neu starten sollen. Die Maschmeyers dieser Welt haben einen Job. Und denen fällt im Traum nicht ein, genau diesen Job aufzugeben.

Warum auch?

Um bei Ihnen für dieselbe Tätigkeit zwei Drittel der Kohle zu kriegen? Gehen Sie davon aus, dass jemand nur dann zu Ihnen wechselt, wenn Sie ihm etwas geben, das erheblich besser ist als bei seinem jetzigen Job. Das kann Geld sein, ein professionelles Backoffice, nettere Kollegen, mit denen er sich austauschen kann, eine Kita um die Ecke und vieles mehr.

Was erwarten Sie von ihm als Gegenleistung? Dass er Ahnung von Versicherungen hat, vielleicht Spezialwissen. Dass er gut mit Kunden und Kollegen kann. Dass er komplizierte Dinge einfach erklären kann. Dass er menschenorientiert ist. Dass er vor allem auch Bock auf Versicherungen hat und keiner der Typen ist, die sich hinter einer Fantasie-Bezeichnung verstecken.

Jugend spielt da erst mal keine Rolle.

Warum fallen Ihnen also „jung und dynamisch“ zuerst ein? Bei manchen Insurtechs ist Alter verpönt. Selbst die „Senior Officers“ für Hassenichgesehen sind unter 30.

Senior unter 30?

Ich kann verstehen, dass junge Teams keine alten Säcke haben wollen. Aber wie wäre es mit ein bisschen Erfahrung? In manchen Personalabteilungen herrscht eine gepflegte Ahnungslosigkeit. Ich würde nicht darauf wetten, dass man dort den Unterschied zwischen Versicherungsvertreter, -makler und -berater kennt.

Umso überraschter war ich, dass eines der jungen wilden Unternehmen jetzt einen 62-jährigen Vertriebsleiter einstellt.

Glückwunsch!

Mein Rat damals und jetzt auch an Sie, wenn Sie Leute suchen: Machen Sie sich den Spaß und schauen Sie NICHT auf das Alter der Bewerber. Nie. Schauen Sie darauf, ob er oder sie den Job machen will und kann, den er machen soll. Fertig.

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