Jahrhundertthema Pflege Jetzt die tickende Zeitbombe entschärfen

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Mehr als drei Viertel der Deutschen befürchten, dass die gesetzliche Pflegeversicherung zur Finanzierung des eigenen Pflegefalls nicht ausreichen wird. Private Vorsorge für diesen „Störfall“ im Leben ist daher ein Muss. Pfefferminzia hat eine aktuelle Bestandsaufnahme in einem nach wie vor unterschätzten Marktumfeld vorgenommen.

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Das hat vor allem mit der personellen Ausstattung und den damit verbundenen Personalkosten zu tun: So ist laut PKV-Verband zum Beispiel in Berlin eine Vollkraft für durchschnittlich 3,9 Pflegebedürftige in Pflegegrad 2 zuständig, in Schleswig- Holstein aber für 5,4. Die Folge: Während die private Finanzierungslücke etwa für einen Kieler bei unterdurchschnittlichen 1.471 Euro im Monat liegt, schlagen in der Hauptstadt im Mittel satte 1.805 Euro zu Buche. Insgesamt reicht die Spanne beim Eigenanteil von monatlich rund 1.130 Euro in Sachsen-Anhalt bis zu über 2.250 Euro in Nordrhein-Westfalen.

Es geht immer auch um Würde

Um die private Finanzierungslücke zu schließen, können Verbraucher eine private Pflegezusatzversicherung abschließen – zumal die eigene Rente oder das Ersparte oft nicht ausreichen, um die Eigenbeteiligung dauerhaft selbst zu finanzieren. „Im Zweifel droht die Abhängigkeit vom Sozialamt und damit verbunden eine mögliche Heranziehung der Kinder zur Finanzierung“, warnt der PKV-Verband.

Immerhin: Dass letzteres Risiko eintritt, will die Große Koalition minimieren. So dürfen die Pflegekassen künftig erst ab einem Bruttoverdienst von 100.000 Euro im Jahr bei den Kindern anklopfen. Der Leitsatz „Kinder haften für Ihre Eltern“ dürfte Versicherungsmaklern in Beratungsgesprächen also nicht mehr ganz so leicht über die Lippen gehen.

Aber wäre das überhaupt klug? Angst sei kein guter Ratgeber, sagt Wiltrud Pekarek, Mitglied des Vorstands der Halleschen Krankenversicherung. „Aus unserer Sicht ist die wichtigste Frage: Wie kann man auch im Pflegefall seine Würde behalten? Das gelingt nur mit ausreichenden finanziellen Mitteln“, so Pekarek. Doch damit im Ernstfall die finanziellen Mittel vorhanden sind, muss zunächst die Einsicht für die Problematik vorhanden sein – Umfragen legen das auch nahe (siehe Grafik). Aber: „In der Realität haben weniger als 4 Prozent der Deutschen eine private Pflegezusatzpolice abgeschlossen“, sagt DFV-Chef Knoll,„und das, obwohl bereits 2015 gesetzliche Pflege, Rente und Vermögen bei jedem vierten Pflegebedürftigen nicht mehr gereicht haben, um die Kosten zu tragen.“

Swiss-Life-Manager Wald gibt sich trotzdem optimistisch: „Die Pflege gehört eindeutig zu den Wachstumssparten, wenngleich noch nicht mit der eigentlich möglichen Dynamik, die dieser Bereich bietet.“ Kurzfristig glaube er aber nicht an einen Durchbruch, gibt Wald zu bedenken. Und wie sollten Makler mit dieser unbefriedigenden Situation umgehen? Vielleicht so: „Oft hilft im Kundengespräch bereits die offene Frage: ‚Wie haben Sie dieses Thema für sich gelöst?‘“, sagt Wald. Damit sei häufig die erste Hürde genommen. Immerhin.

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