Pfefferminzia: Herr Riester, die Riester-Rente wurde eingeführt, um das sinkende Niveau der gesetzlichen Rente auszugleichen. Kann sie das überhaupt schaffen?

Walter Riester: Ich wollte sie immer als ergänzende Rente verstanden wissen. Neben dem demografischen Problem gibt es viel stärkere Einflüsse auf das Rentenniveau. Es sind die veränderten Arbeitszeiten der Menschen. Fast 40 Prozent sind teilzeitbeschäftigt. Das bedeutet: Nur ein wesentlich geringerer Teil als früher erhält volle Rentenzahlungen. Wir werden in 10 bis 15 Jahren einen Umbruch im Rentensystem erleben, den die Riester-Rente nicht ausgleichen kann. Aber eines ist sicher, wer ergänzend und staatlich gefördert vorsorgt, hat später mehr, als derjenige, der sich nur auf die staatliche Rente verlässt.


Eine Besonderheit der Riester-Rente ist die Beitragsgarantie. Das macht sie teuer. Und für kürzere Laufzeiten ist sie eigentlich gar nicht mehr zu schaffen. Sollte man diese Garantie aufweichen?

Die Debatte ist bei genauer Betrachtung völlig falsch. In der Riester-Rente ist nur die Garantie der eingezahlten Beiträge plus die staatliche Förderung vorgesehen. Es gibt in der Riester-Rente keine Renditegarantie. Und deshalb sollte sie nicht als Renditeprodukt verkauft werden. Die Leistung des Produktes ist, dass ich durch die Versichertengemeinschaft bis zum Ende meines Lebens eine Rente bekomme.

Für viele ist die Riester-Rente zu kompliziert. Wie könnte man das Produkt vereinfachen?

Die Menschen sind verschieden. Junge Leute können in risikoreichere Produkte einsteigen, weil sie 30 oder 35 Jahre lang sparen und über die Zeit das Risiko ausgleichen. Andere kommen erst mit 55 auf die Idee, fürs Alter zu sparen. Denen würde ich keine risikoreichen Produkte empfehlen. Der Bedarf für unterschiedliche Produkte ist da. Es gibt auch nur wenige, die sich darüber aufregen, dass man zwischen mehr als zwei Hosenmodellen oder drei verschiedenen Autotypen auswählen kann. Vereinfachung ja, aber in der Politik ist man auf Mehrheiten angewiesen, sonst gibt es gar kein Ergebnis.

Rente und Altersvorsorge in Deutschland sind Wahlkampfthemen. Es gibt etwa Vorschläge für eine Deutschlandrente, einer staatlich organisierten einheitlichen Rente. Was halten Sie davon?

Ich bin sehr dafür, dass über das Thema gesprochen wird, aber dagegen, dass es für Wahlkampfzwecke missbraucht wird. Wir sehen im US-Wahlkampf, wie sehr Themen über Empfindungen und Meinungen gesteuert werden und nicht mehr über Fakten. Eine staatlich verwaltete Rente wie die Deutschlandrente wird nicht zum Nulltarif zu haben sein. Sie verursacht Kosten, die von der Gemeinschaft der Rentenversicherten und Steuerpflichtigen getragen werden müssen. Außerdem gibt es ausreichend Vorsorgeprodukte.