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„Erkenntnislage ist nicht besser geworden“ Ideal-Chef Jacobus wünscht sich „Abspeckkur“ für Solvency II

Rainer Jacobus ist seit 2004 Vorstandsvorsitzender der Ideal Versicherungsgruppe. Im Interview mit dem Wissenschaftler Fred Wagner kritisiert er die Auswirkungen von Solvency II auf kleine und mittlere Versicherer.
Rainer Jacobus ist seit 2004 Vorstandsvorsitzender der Ideal Versicherungsgruppe. Im Interview mit dem Wissenschaftler Fred Wagner kritisiert er die Auswirkungen von Solvency II auf kleine und mittlere Versicherer. © Screenshot insurance-tv.de

Wie teuer ist Solvency II für einen mittelständischen Versicherer? Dient das EU-Finanzregelwerk eher der Unternehmenssteuerung oder dem Verbraucherschutz? Und können die Vorstände ihren Pflichten überhaupt nachkommen? Rainer M. Jacobus, Vorstandsvorsitzender der Ideal Versicherung, hat da so manche Zweifel, wie ein aktuelles Interview mit dem gewohnt meinungsstarken Manager zeigt.

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Wer Rainer M. Jacobus kennt, weiß dessen Unterhaltungswert zu schätzen. Der Vorstandsvorsitzender der Ideal Versicherungsgruppe ist in Gesprächsrunden zur Versicherungswirtschaft ein regelmäßiger und gern gesehener Gast, so beispielsweise auch in der alljährlichen „Elefantenrunde“ der DKM.

Vor allem beim Thema Regulatorik kann Jacobus ausgiebig und zugleich eloquent auf Ärgernisse, Fehler und Versäumnisse hinweisen ohne dabei nörgelig zu klingen. Das zeigte sich zuletzt in einem Gespräch mit Fred Wagner, Professor am Institut für Versicherungslehre an der Universität Leipzig. In Wagners neuer Interviewreihe „#fredwagner“ nahm sich der Manager die Ausgestaltung von Solvency II in der Praxis vor (Hier geht es zum Video).

Das seit Januar 2016 geltende Aufsichtssystem für Versicherungsunternehmen belaste in seiner bestehenden Komplexität und Intensität besonders kleine und mittlere Versicherer, kritisiert Jacobus und fordert entsprechende Vereinfachungen.

Solvency II müsse für kleinere Versicherer dringend „abgespeckt“ werden, fordert Jacobus

Zudem verfehle das Regime mit den Berichtspflichten das Ziel, für mehr Transparenz gegenüber dem Verbraucher zu sorgen, findet der Manager.

„Aus dem neuen Aufsichtsregime sollten für die Versicherer neue Erkenntnisgewinne erwachsen, man sollte Unternehmen damit besser steuern können als vorher. Doch die Erkenntnislage durch Solvency II ist nicht besser geworden.“

Jacobus schlägt alternativ vor, die Vorgaben bei den Berichtspflichten und den Governance-Funktionen, insbesondere für kleine und mittelständische Versicherer, zu lockern. Dazu verweist er im Interview auf einige Beispiele, bei denen für mittlere und national tätige Versicherer die Anforderungen von Solvency II nachjustiert werden sollte.

Und er spart das eigene Haus dabei nicht aus: Bei der Ideal Versicherungsgruppe gingen rund 8 Prozent der Personalkosten auf das Konto des europäischen Aufsichtsregimes, sagt der Manager und warnt davor, dass Solvency II zu einer Marktkonsolidierung bei den kleinen und mittleren Unternehmen führen werde, da diese sich die weiter steigenden Kosten für die Aufsichtsvorgaben nicht leisten könnten. „Das Proportionalitätsprinzip, das mittelständische Versicherer schützen soll, wird de facto nicht angewandt“, so die Kritik des Ideal-Chefs.

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