Interview mit Eckhard Sauren „Große Teile der Altersvorsorge sind in Gefahr“

Eckhard Sauren
Eckhard Sauren © Jo Schwartz / joschwartz.com

Dachfonds-Pionier Eckhard Sauren hat ein Buch geschrieben, das Anleger aufrütteln soll. Wir sprachen mit ihm über „Die Zinsfalle“, ihre katastrophalen Auswirkungen auf die Versicherungen, Auswege daraus und sichere Bankeinlagen.

| , aktualisiert um 19:54  Drucken
Dieses Interview durften wir uns netterweise von unserem Schwestermagazin DAS INVESTMENT ausleihen.

In Ihrem Buch warnen Sie vor einer Zinsfalle, in der wir alle stecken. Man könnte glatt behaupten, Sie  wollen Angst machen und Ihre eigenen Produkte verkaufen.

Eckhard Sauren: Unser Hauptanliegen ist es, auf die gravierende Situation hinzuweisen, denn der Großteil der Anleger hat sich damit noch nicht beschäftigt. In dem Buch steht nirgendwo: „Die Lösung ist ein Sauren-Dachfonds.“ Wir haben bewusst darauf geachtet, sauber und analytisch vorzugehen und Propaganda und Panikmacherei zu vermeiden.

Wie lautet die wichtigste Aussage?

Fast jeder Deutsche steckt in der Zinsfalle. Das gilt auch für viele, die es gar nicht glauben. Sie sagen sich: „Ich habe ja nur etwas Geld bei der Bank und in Lebensversicherungen, und deshalb betrifft mich das gar nicht.“ Deshalb schauen wir in dem Buch, wie der Deutsche im Durchschnitt investiert ist, und gehen die Anlageklassen Schritt für Schritt durch. Dabei gewinnt man teils bedrohliche Erkenntnisse. Die Zinsfalle wird in der breiten Öffentlichkeit unterschätzt.

Die Zentralbank will mit den niedrigen Zinsen der Wirtschaft helfen. Sollte das nicht in unser aller Interesse sein?

Wenn die Maßnahmen schnell wirken, wäre das in Ordnung. Aber je länger die Zinsen niedrig bleiben, desto stärker wirken die negativen Faktoren. Ich will in dem Buch auch gar nicht die Zentralbank kritisieren, sondern nur die Folgen ihrer Politik zeigen.

Was richtet die Zinsfalle konkret an?

Zurzeit noch nichts. Denn Anleger können sich bislang über Kursgewinne bei Anleihen freuen. Das sorgt für eine trügerische Sicherheit. Wir sind jetzt aber auf einem Niveau angelangt, auf dem Anleger ihr Kapital ohne zusätzliche Risiken nicht einmal mehr erhalten können. Die Zinsmarge der Banken sinkt, und für Versicherungen ist das alles sogar eine Katastrophe. Wenn das noch fünf oder sechs Jahre so weitergeht, sind große Teile der Altersvorsorge in Gefahr.

Im Buch zeigen Sie Auswege.

Das geht beim Geldmarkt schon los. Zum Beispiel sollte sich jemand, der Geld auf einem Konto anlegt, immer fragen, ob er der Bank überhaupt einen Kredit geben will. Ob die Bank und die Einlagensicherung sicher und solide genug sind. Und bei Beträgen jenseits der 100.000 Euro sollte man darüber nachdenken, das Risiko zu streuen und das Geld über mehrere Banken zu verteilen.

Wie soll denn ein normaler Anleger die Solidität einer Bank prüfen?

Über Hilfsmittel wie Credit Default Swaps, mit denen der Markt Banken fortlaufend auf ihre Schuldnerqualität prüft. Die sind recht einfach zu verfolgen. Und sie zeigen, dass Anleger die Bankrisiken kolossal unterschätzen. So liegt der Default Swap der Deutschen Bank bei 0,65 Prozent. Wer also 0,5 Prozent Zinsen bekommt, wird unterbezahlt, denn das Risiko liegt schon 0,15  Prozentpunkte höher.

Die Bundesregierung sagt, dass die Einlagen sicher seien.

Sie muss das sagen, und es ist in Deutschland auch höchstwahrscheinlich richtig. Aber wenn es wirklich einmal hart auf hart kommt, ist das alles nicht mehr viel wert.

Trotzdem empfehlen Sie in Ihrem Buch unter anderem den Geldmarkt.

Damit meinen wir klassische Tages- und Festgelder bei Banken. Wobei uns aufgefallen ist, dass dort viel zu viel Geld liegt. Das Vermögen hat sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt, obwohl die Zinsen stark gesunken sind. Hier sollten sich Anleger überlegen, was sie davon in den kommenden fünf Jahren nicht brauchen, und sich Alternativen überlegen.

Die da wären?

Konservative, flexible Rentenfonds und Absolute-Return-Strategien. Sie bringen zwar etwas höhere Schwankungen mit sich, lassen aber Erträge über 3 Prozent zu.

Viele Absolute-Return-Manager sind eine Zeit lang erfolgreich und stürzen plötzlich ab, ohne dass man noch reagieren kann.

So etwas kann man nie ganz vermeiden. Hier hilft es nur, das Geld auf 10 bis 20 verschiedene Strategien zu verteilen. Dann funktioniert es.

Ein Manager soll in einem Umfeld mit niedrigsten Zinsen unter geringen Schwankungen 3 Prozent einfahren? Das klingt, als solle er aus Kuhmist Gold machen.

Zunächst würde ich 3 Prozent nicht als Gold bezeichnen, aber so ganz einfach ist auch das in der Tat nicht zu erreichen. Aber wenn ein Manager richtig gut ist und nicht zu viel Geld verwaltet, dann kann er genau die Gelegenheiten am Markt finden, die ihm die gewünschte Rendite liefern.

Sie kennen ja inzwischen viele, die es können, und viele, die es nicht können. Was haben die einen, was die anderen nicht haben?

Sie können durch genaue Analyse bessere Möglichkeiten finden. Zum Beispiel können sie die Bilanz einer Bank detaillierter lesen und herausfinden, welche Papiere besser sind als die anderen. Nehmen wir mal an, die Deutsche Bank hat 100 Anleihen aufgelegt. Die unterliegen den Regularien verschiedener Länder und haben unterschiedliche Sicherheiten und Nebenbedingungen. Ein guter Manager findet in einem 200-seitigen Anleiheprospekt Ineffizienzen, die der Markt noch nicht entdeckt hat. Das ist echtes Spezialistentum, worin sich Manager gravierend unterscheiden.

Wozu brauchen wir eigentlich noch Renditen? Die Inflation liegt knapp über null oder sogar darunter.

Versicherungen brauchen sie allein wegen ihrer Mindestverzinsung und Renditeversprechen. Aber auch Anleger und deren Berater werden auf Dauer unglücklich sein, wenn sie keine Erträge haben. Man will ja das Geld doch irgendwie vermehren.

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