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Insurtechs Kommt das Amazon der Versicherungsbranche?

Klaus Wiener ist Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Klaus Wiener ist Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). © GDV

„Ist die Zeit reif für das Amazon der Versicherungsbranche?“, fragt man sich beim Versicherungsverband GDV – und gibt vorerst Entwarnung: „Wohl nicht“. Denn etablierte Versicherer verfügten über „beachtliche Stärken und Alleinstellungsmerkmale“, so GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener. Diese könnten von Newcomer kaum nachgebildet werden – jedenfalls nicht in kurzer Zeit. Ernst nehmen will der Verband die Insurtechs trotzdem.

20.02.2017 17:35  Drucken

Die Umwälzung sei bereits in vollem Gange, stellt der Versicherungsverband GDV fest. Seit 2011 hätten Investoren weltweit über sechs Milliarden Dollar in Insurtechs investiert. Während der deutsche Markt lange „eine eher zurückhaltende Rolle“ gespielt habe, so der Verband, erhielten Insurtechs hierzulande im vergangenen Jahr eine Finanzspritze von immerhin 82 Millionen Dollar.

Allzu große Sorgen um die Zukunft der etablierten Versicherer will sich der GDV trotzdem nicht machen. Denn die Branche verfüge über „umfassende Kenntnisse der gesamten Wertschöpfungskette“. Diese decke von der Risikobewertung bis zur Kapitalanlage das gesamte Leistungsspektrum ab – und nicht wie viele Start-ups nur Teilbereiche, so der Verband. „Auch bei der Finanzkraft, der Erfahrung mit komplexen Regulierungsvorgaben und natürlich nicht zuletzt beim Kundenvertrauen – aufgebaut über Jahrzehnte – haben sie gegenüber den Herausforderern die Nase vorn“, machen sich die GDV-Vertreter Mut.

Und dennoch hält es GDV-Chefsvolkswirt Klaus Wiener für den „völlig falschen“ Schluss, die Insurtechs nicht ernst zu nehmen. Er empfiehlt den Versicherern die Start-ups als „Türöffner zur digitalen Welt“ zu verstehen und ihre „Tugenden auch in die eigenen Prozesse einzubinden“.

GDV: Trennlinie verläuft nicht zwischen etablierten Anbietern und Insurtechs

Die Trennlinie im Versicherungsmarkt der Zukunft verlaufe nicht zwischen etablierten Anbietern und Insurtechs, so Wiener. Vielmehr entscheide der Kunden darüber, welches Unternehmen – ganz gleich, ob Start-up oder traditioneller Anbieter – überlebt – je nachdem, wer ihm die richtigen Produkte und Dienstleistungen in einer digitalen Welt anbiete.

Wie sich der GDV das künftige Nebeneinander, Miteinander und Gegeneinander aus etablierter Versicherungswirtschaft und Insurtechs vorstellt, hat der Verband in drei Thesen formuliert:

1. Insurtechs werden etablierte Anbieter auf absehbare Zeit nicht verdrängen. Sie besetzen aber wichtige Nischen: Die Anbieterlandschaft differenziert sich weiter aus.

2. Die neuen technologischen Möglichkeiten und der daraus resultierende intensivere Wettbewerb können durchaus disruptiv wirken. Nur Unternehmen, die sich an die neuen Gegebenheiten anpassen, haben eine Zukunft – egal ob Startup oder etablierter Versicherer.

3. Notwendig ist mehr denn je ein Rahmen, der einen fairen Wettbewerb gewährleistet, ein Level Playing Field gestaltet durch die Politik und Aufsicht.

Pfefferminzia HIGHNOON