Klaus Hermann ist Autor des Buches „Ich bin kein Klinkenputzer – Eine Liebeserklärung an die Versicherungsbranche“. © Klaus Hermann
  • Von Oliver Lepold
  • 24.06.2020 um 15:37
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Der Beruf des Versicherungsvermittlers hat in der Öffentlichkeit keinen besonders guten Ruf. Warum eigentlich? Wir sprachen darüber mit Klaus Hermann, Autor des Buches „Ich bin kein Klinkenputzer – Eine Liebeserklärung an die Versicherungsbranche“.

Pfefferminzia: Was ist das schlimmste Klischee über Versicherungsvermittler? Und was ist das lustigste, das Ihnen begegnet ist?

Klaus Hermann: Als „Klinkenputzer“ oder „Treppenterrier“ bezeichnet zu werden, finde ich einfach nur nervig. Humor bezüglich unserer Branche ist dagegen durch die TV-Serie „Stromberg“ etabliert worden, weil die Figur so herrlich überzeichnet ist.

Der Berufsstand des Vermittlers belegt bei Studien zum Image von Berufsgruppen regelmäßig einen der hintersten Plätze. Warum sterben die alten Vorurteile nicht aus?

Weil wir dem als Branche nicht energisch und selbstbewusst genug entgegenwirken. Außerdem sollten wir Vermittler damit aufhören, beim Kunden die Arbeit des Kollegen schlecht zu reden und lieber die eigenen Stärken und Vorteile herausstellen.

Was können Versicherer und Vermittler Ihrer Ansicht nach dagegen unternehmen? Haben Sie ein Beispiel für eine gelungene Aktion aus der Branche?

Mir gefallen der Auftritt und die Machart von „Die Versicherer“ sehr gut. Wenn wir als Branche mit den Klischees kokettieren und unser Image in der Werbung stark übertreiben, dann wird es meiner Meinung nach weniger interessant, die Versicherungsbranche zu „bashen“.

Anderes Beispiel: Die Stadt Bielefeld musste sich jahrzehntelang anhören, dass es sie nicht gibt. Im Jahr 2019 hat der Oberbürgermeister dann medienwirksam eine Million Euro für einen entsprechenden Beweis ausgelobt. Seitdem lächeln die Menschen, wenn man über Bielefeld redet. Einen ähnlichen Ansatz sollten wir auch wählen. Schließlich ist das Image nicht mehr begründet und 80 Prozent der Kunden sind mit ihrem Vermittler zufrieden.

Ihr Buch würdigt die Branche auf unterhaltsame Art. Was ist toll an der Assekuranz?

Toll ist, dass ich jeden Tag Lösungen für neue, andere Probleme und Situationen finden darf, unterschiedlichste Menschen kennenlerne und es wirklich nur selten langweilig wird. Außerdem sind meine Produkte auch in 100 Jahren noch gefragt. Speziell ist, dass wir so viele positiv Verrückte und interessante Persönlichkeiten völlig unterschiedlicher Art in der Branche haben.

Welche Effekte hat die Regulierung des Berufsstands in den vergangenen 15 Jahren aus Ihrer Sicht auf den Beruf und die Eigenwahrnehmung vieler Berater gehabt?

Die Beratungsqualität hat deutlich zugenommen. Die Reduzierung von fast 100.000 Vermittlern war gleichbedeutend mit einer Konzentration der Qualität. Jetzt ist es allerdings auch mal gut. Wir brauchen keinen Provisionsdeckel und erst recht keine obligatorische Honorarberatung.

Unter jungen Menschen gilt der Beruf des Versicherungsvermittlers nicht unbedingt als erstrebenswert. Wie kann die Branche den Nachwuchs begeistern? Brauchen wir neue Zugangswege, eventuell auch akademische?

Auf jeden Fall! Vielen jungen Menschen dürfte gar nicht klar sein, welch mannigfaltige Karriere- und Entwicklungschancen die Assekuranz bietet. Allerdings sollten die Gesellschaften die teilweise komplett konträre Auffassung zum Status quo und Erwartungshaltung der jungen Menschen an die Arbeitswelt auch zulassen. Zu viele Strukturen in der Versicherungsindustrie sind immer noch viel zu eingefahren und unflexibel. Wir müssen lockerer und mutiger für Neuerungen sein.

Sie sind seit 30 Jahren in der Branche und waren langjährig in der Ausschließlichkeit tätig. Was hat Sie bewogen, erst kürzlich den Umstieg zum Makler vorzunehmen?

Ich möchte mich sehr stark für ein besseres Ansehen und Image der Versicherungsbranche einsetzen. Das geht nur, wenn ich komplett unabhängig unterwegs bin. Es war somit keine Entscheidung gegen die Ausschließlichkeit, sondern eine für einen veränderten Lebensweg.

Sie sind auch Entertainer und Comedian und haben aus Ihren Erfahrungen ein Bühnenprogramm gestaltet. Welche Aha-Erlebnisse nehmen Ihre Besucher mit?

Meine Vorträge zur Versicherungsbranche beschäftigen sich über eine Mischung aus Humor und Tiefgang mit den Aktualitäten der Assekuranz. Darüber hinaus gebe ich konkrete Handlungsempfehlungen und Rezepte zu den nötigen Veränderungsprozessen der Branche. Nicht belehrend und immer mit einem Augenzwinkern. Die Zuhörer sehen mich als einen von ihnen, der weiß, wovon er spricht und nach dem Motto handelt: „Nicht vorlesen, sondern vorleben“. Das kommt an.

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Oliver Lepold

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Das Investment, Pfefferminzia und private banking magazin.

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