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Holpriger Start für digitalen Krankenversicherer Ottonova hat seit Juni 2017 nur 31.000 Euro eingenommen

Roman Rittweger: Der Gründer und Chef von Ottonova sieht sein Unternehmen trotz eines schwierigen Starts auf einem guten Weg.
Roman Rittweger: Der Gründer und Chef von Ottonova sieht sein Unternehmen trotz eines schwierigen Starts auf einem guten Weg. © Ottonova

Der digitale Krankenversicherer Ottonova hat seit seinem Start im Juni 2017 nur 31.000 Euro an Beitragseinnahmen erzielt. Unter dem Strich steht ein dickes Minus. Lediglich das Minimal-Ziel konnte das Insurtech laut eigenen Angaben erreichen: eine dreistellige Kundenzahl.

| , aktualisiert am 30.07.2018 11:12  Drucken

„Wir hatten einen verhaltenen Start“, räumt Gründer von Ottonova, Roman Rittweger, im Gespräch mit dem Portal Gruenderszene.de ein. Nach dem Markeintritt im Juni 2017 konnte der digitale Krankenversicherer Bruttobeitragseinnahmen in Höhe von lediglich 31.000 Euro verbuchen. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten Bericht über Solvabilität und Finanzlage (SFCR) hervor.

Zieht man von den Beitragseinnahmen den Anteil der Rückversicherer in Höhe von 12.000 Euro ab, verbleiben Netto-Einnahmen von 19.000 Euro. Dem stehen unter anderem Aufwendungen für Versicherungsfälle von 302.000 Euro sowie Aufwendungen für Versicherungsabschlüsse von 250.000 Euro gegenüber. Letztere umfassen neben Provisionen an sogenannte Tippgeber, auch Teile des Marketings, des Personals und andere Kosten. Die Verwaltungskosten liegen demnach bei 143.000 Euro.

Verluste „im geplanten Bereich“

Unterm Strich vermeldet Ottonova ein versicherungstechnisches Ergebnis von minus 728.000 Euro. Dies sei für eine neugegründete Krankenversicherung aber ganz normal, teilt Ottonova mit, da sich das Unternehmen im Aufbau befinde. Für diese Anfangsverluste habe man einen Organisationsfonds in Höhe von 8 Millionen Euro eingerichtet, wie es die Finanzaufsicht Bafin gefordert hat. Die Verluste für 2017 liegen demnach „im geplanten Bereich“.

Gründer Roman Rittweger sieht das Insurtech auf dem richtigen Weg. Man habe in den vergangenen Monaten „ganz gut gelernt“. So seien die Marketing-Ausgaben pro Kunde inzwischen stark reduziert worden. In den Anfangsmonaten hätten die Kosten, neue Abschlüsse zu gewinnen, mitunter bei 10.000 Euro pro Kunde gelegen, berichtet Gruenderszene.de unter Berufung auf Marketing-Chef Maximilian Rast.

Werbekosten sollen auf 1.500 Euro pro Kunden gedrückt werden

Mittlerweile sei dieser Wert unter das branchenübliche Niveau bei Offline-Abschlüssen gesunken, heißt es. Das liege bei mehreren tausend Euro. Mittelfristig wolle das Start-up die Kunden für 1.500 Euro an Werbemitteln einkaufen, so Rast. Die Summe sei gerechtfertigt, denn die Erträge, die ein Kunde erbringen könne, kann laut dem Marketing-Chef im sechsstelligen Bereich liegen.

Mittlerweile habe das Startup weit mehr als 200 Kunden, heißt es, vierstellig sei die Kundenzahl allerdings noch nicht. Genaue Zahlen wollte Ottonova-Chef Rittweger dem Bericht zufolge nicht nennen.

Ottonova bietet neben einer privaten Krankenvollversicherung für Angestellte und Selbstständige auch einen Volltarif für Beamte und Beihilfeberechtigte an. Hinzu kommen Zusatzversicherungen in den Bereichen Zahn und Klinik.

Üppige Eigenmittelausstattung

Insgesamt konnte das Insurtech bislang 40 Millionen Euro von Investoren wie Holtzbrinck Ventures und Tengelmann einsammeln. Im kommenden Jahr wolle Ottonova wieder auf die Suche nach neuen Millionen gehen, so der Bericht.

Dass Ottonova in punkto Kapitalstärke auch heute schon keinerlei Sorgen plagen, zeigt der Blick auf die Eigenmittel: Diese liegen laut Geschäftsbericht bei 10,3 Millionen Euro, das ergab für Ende 2017 eine Solvenzquote (auch SCR-Quote oder Bedeckungsquote genannt) von satten 1.198 Prozent.

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