Hochbetrieb in Praxen Deutsche unzufriedener mit Gesundheitssystem

Viel Zeit im Wartezimmer, wenig beim Arzt - das ist der Alltag bei niedergelassenen Ärzten.
Viel Zeit im Wartezimmer, wenig beim Arzt - das ist der Alltag bei niedergelassenen Ärzten. © dpa/picture alliance

Mehr als jeder zweite Deutsche (55 Prozent) zählt das Gesundheitswesen hierzulande zu den drei besten der Welt, wie eine aktuelle Umfrage zeigt – allerdings lag die Zustimmung vor einem Jahr noch bei 59 Prozent und vor zwei Jahren sogar bei 64 Prozent. Hauptkritikpunkt: Ärzte hätten wenig Zeit und die Praxen müssten flexibler geöffnet sein. Auch die zögerliche Digitalisierung ist ein Manko.

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Die Zufriedenheit mit dem deutschen Gesundheitssystem nimmt einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Cooper (PwC) zufolge spürbar ab.

„Deutschland hat noch immer eine medizinische Versorgung auf sehr hohem Niveau“, stellt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC, fest. Allerdings wächst der Unmut unter den Patienten: Insbesondere Zeitmangel (40 Prozent), die Öffnungszeiten der Ärzte (24 Prozent) sowie ein Gefühl vom Arzt und seinen Angestellten nicht ernst genommen zu werden (22 Prozent), geben die Befragten als Gründe für die Unzufriedenheit an. Rundum zufrieden mit der ärztlichen Behandlung sind 33 Prozent der Bürger.

„Die Erwartungen an Zuwendung und Service sind deutlich gestiegen. Dem steht die Zeitknappheit entgegen, die sich zu einem zentralen Problem in unserem Gesundheitssystem entwickelt hat“, kommentierte Burkhart. Sie wirke sich inzwischen negativ auf das Verhältnis zwischen Arzt und Patient aus.

Technologische Möglichkeiten kaum genutzt

Die stationäre Versorgung im Krankenhaus empfindet mehr als jeder zweite Deutsche als gut oder sehr gut. Frauen äußern sich in der Befragung zu dem Thema allerdings etwas kritischer als Männer. Bei den Frauen zeigen sich 47 Prozent zufrieden, während es 56 Prozent bei den Männern sind.

Außerdem liege Deutschland im internationalen Vergleich in der technologischen Entwicklung weit zurück. „In anderen Ländern ist die elektronische Patientenakte, die zeitlich flexible Wertemessung per App oder die ortsunabhängige Behandlung per Videochat längst Wirklichkeit, in Deutschland kommen digitale Technologien erst langsam beim Patienten an. Ich führe die sinkende Zufriedenheit auch darauf zurück, dass wir beim Zukunftsthema E-Health kaum vorankommen“, sagt Burkhart. 

Gegenüber einer Anfrage des Deutschen Ärzteblattes bestätigte die Kassenärztliche Bundesvereinigung das Problem der hohen Auslastung der Praxen, infolge dessen es zu dem Zeitmangel komme. Durchschnittlich rund 52 Prozent würden die niedergelassenen Ärzte arbeite. Viel Zeit beanspruche die Bürokratie und stehe damit nicht für den Patienten zur Verfügung.

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