Psychische Probleme machen den Pfefferminzia-Lesern am meisten zu schaffen, wenn es darum geht, ihre Kunden in Sachen Biometrie zu versichern. © Pixabay
  • Von Joachim Haid
  • 26.04.2021 um 17:07
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Welche Vorerkrankungen im Antragsprozess für Biometrieprodukte machen Ihnen als Vermittler das Leben schwer? Das wollten wir im März im Rahmen einer Kurz-Umfrage von Ihnen wissen. Am häufigsten nannten Sie dabei psychische Erkrankungen/Stress, gefolgt von Rücken- und Skelettproblemen, Übergewicht und Allergien. In einer neuen Serie nimmt Gesundheitsexperte und angehender Heilpraktiker, Joachim Haid, Stellung, wie diese Herausforderungen abgemildert werden können.

Ist das nicht interessant, dass der Anstieg eines Hormons, statt ausschließlich mit Medikamenten, auch durch gezielte Nahrungsergänzung möglich sein kann? Eine direkte Zufuhr von Serotonin ist diesbezüglich übrigens nicht zielführend, da es nicht durch die Blut-Hirn-Schranke kommt. Tryptophan schon. Dafür benötigt es jedoch eine Art Transporter, der auch von anderen Aminosäuren, wie beispielsweise den verzweigtkettigen (BCAA) genutzt wird. Ist der Transporter mit den konkurrierenden Aminosäuren besetzt, gelangt Tryptophan leider nicht ausreichend ins Gehirn.

Um das zu verhindern, gibt es einen kleinen Trick. Bevor Tryptophan zugeführt wird, idealerweise abends, vor dem Schlafengehen, isst man etwas Süßes, was den Blutzuckerspiegel und damit den Insulinspiegel ansteigen lässt. Ein Stück Schokolade reicht da schon, es muss keine ganze Tafel sein.

Dadurch werden die konkurrierenden Aminosäuren in die Muskelzellen umgeleitet, und das Tryptophan hat einen freien Weg ins Gehirn. Das funktioniert natürlich nur, solange die Muskelzellen auf Insulin normal ansprechen, als noch keine Insulinresistenz vorliegt, wie es bei Typ-II-Diabetes die Regel ist.

Übrigens: Vitamin D verbessert die Verfügbarkeit von Serotonin im Gehirn zusätzlich.

Darm-Hirn-Achse

Apropos Tryptophan und Serotonin. Das meiste dieses Hormons, nämlich 90 bis 95 Prozent, wird im Darm gebildet. Liegt dort eine Fehlbesiedlung vor, kann es beispielsweise zu einer Überbesiedlung mit Oscillibacter, einem Darmkeim, kommen. Dieser produziert Valeriansäure, welche an die GABA-Rezeptoren binden kann. Bei GABA (Gamma-Aminobuttersäure) handelt es sich um einen Neurotransmitter, der dabei hilft, die innere Balance halten zu können und beruhigend auf die Amygdala einwirkt. Dabei handelt es sich um eine evolutionär sehr alte Gehirnregion (Limbisches System).

Die Aufgabe der Amygdala ist es unter anderem, instinktiv Schutzhandlungen zu veranlassen, ohne, dass wir darüber nachdenken müssen. Entdecken wir etwas Gefährliches (das kann schon ein Insekt sein), erschrecken wir und zucken regelrecht zusammen. Erst unsere Ratio schätzt die Situation anschließend ein. Erkennen wir im nächsten Schritt, dass es sich nicht um eine gefährliche Giftschlange, sondern nur um eine Blindschleiche handelt, beruhigt sich das System wieder. Dafür ist unter anderem GABA notwendig.

Sind nun jedoch die Rezeptoren besetzt, oder verfügen wir, da unsere Amygdala den ganzen Tag über Monate hinweg mit schlechten Nachrichten, zum Beispiel zu Corona, getriggert wird, über zu wenig dieses Neurotransmitters, so fällt es uns immer schwerer, Risiken rational einzuschätzen. Wir befinden uns praktisch in einem Dauer-Panikmodus (Ängste, Gedankenkreisen). Das kann bis zu Angst- und Panikstörungen gehen. Es hat seine Gründe, weshalb seit der Corona-Krise psychische Erkrankungen deutlich zugenommen haben.

Auch in diesem Zusammenhang wieder ein Hinweis zu Vitamin D: Das Hormon kann die Empfindlichkeit und die Erregbarkeit von Rezeptoren gegenüber Neurotransmittern wie GABA modulieren.

Ein anderer, ebenfalls eher unbekannter Darm-Keim, Alistipes, kann bei vorliegender Überbesiedlung die Tryptophanverfügbarkeit beeinträchtigen. Eine Überbesiedlung mit Clostridien kann zu einer gesteigerten Ausschüttung von Histamin führen. Ein erhöhter Histamin-Spiegel steht unter anderem im Zusammenhang mit Erschöpfung, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schlafstörungen. Also typischen Symptomen, wie sie auch bei erhöhter psychischer Belastung vorliegen können. Weitere Informationen über Stuhl-Tests und deren Bedeutung finden Sie hier in meiner kleinen Reihe dazu:

I.) Was ein Stuhltest alles über die Gesundheit verrät

II.) Der PH-Wert

III.) LPS-tragende Bakterien

IV.) Verdauungsrückstände Fett und Eiweiß im Stuhl

V.) Verdauungsrückstände Stärke und Zucker im Stuhl

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Joachim Haid

Joachim Haid ist Gründer des Gesundheitsprogramms PaleoMental®, zudem Gesundheitscoach und Heilpraktiker in Ausbildung.

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