Fabian von Löbbecke ist Vorstandsvorsitzender der HDI Pensionsmanagement und im Vorstand der HDI Lebensversicherung verantwortlich für den Bereich Produkte und Neugeschäft Leben. © HDI
  • Von Lorenz Klein
  • 10.06.2022 um 13:29
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„Wir brauchen liberalere Vorgaben für die betriebliche Altersversorgung“, fordert HDI-Leben-Vorstand Fabian von Löbbecke im Interview mit Pfefferminzia. Außerdem sagt er, ob das Sozialpartnermodell noch eine Zukunft hat, warum eine harte Bruttobeitragsgarantie „real Geld vernichtet“, wie die bAV nachhaltiger werden kann und wie Vermittler ihre bAV-Beratung erfolgreich gestalten können.

Was raten Sie Vermittlerinnen und Vermittlern, die in diesen unsicheren Zeiten – die zugleich mit einem wachsenden Fachkräftemangel einhergehen – das Gespräch mit den bAV-Verantwortlichen in den Firmen suchen?

Dieses soeben von mir geschilderte Potpourri aus Renditehebeln und Vorteilen sollte jede Vermittlerin und jeder Vermittler nutzen, um Arbeitgebern, Personalern und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von der Effizienz einer bAV zu überzeugen. Gerade in Zeiten des spürbaren Fachkräftemangels zeigt sich die bAV als probates Mittel, um das Firmenimage zu pushen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzuwerben, zu motivieren und natürlich auch zu halten.

Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft aus 2021 bringt es auf den Punkt: Die Fachkräftelücke hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Der steigende Fachkräftemangel trifft der Untersuchung zufolge den gesamten Arbeitsmarkt. Gleichermaßen genießt die bAV bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ein hohes Ansehen, so eine repräsentative Studie des Beratungsunternehmens Deloitte. Für rund 55 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist sie sogar ein entscheidendes Kriterium bei einem Jobwechsel. Ergo: Eine clever gestaltete bAV kann viel Gutes bewirken und ist immer ein Gespräch wert.   

Ein anderes Thema, über das viel diskutiert wird, ist der nachhaltige Umbau unseres Wirtschaftssystems. Ihre Branchenkollegin Henriette Meissner erklärte im vergangenen Herbst, dass sie problematisch fände, dass eine betriebliche Altersversorgung „nicht als nachhaltig gelabelt werden könne, weil der seit Jahren aufgebaute Kapitalstock noch nicht in vollem Umfang nachhaltig sei“. Teilen Sie diese Kritik und was müsste gegebenenfalls passieren, so dass auch die bAV „grüner“ werden kann?

Eine wichtige Rolle spielt die Glaubwürdigkeit des Nachhaltigkeitsansatzes und seine Einbettung in die Anlagestrategie. Bei unserem neuen Investmentangebot, unserer fondsgebundenen HDI SafeInvest Direktversicherung, die zum 1. Januar dieses Jahres gestartet ist, bieten wir mit dem Rendite Plus Portfolio Nachhaltigkeit ein nachhaltiges Investmentportfolio an. Innerhalb dieses Portfolios investiert beispielsweise der terrAssisi Aktienfonds nach den ethischen Grundsätzen des Franziskanerordens und legt dafür besonderen Wert auf die Erfüllung verschiedener Umwelt- und Sozialkriterien. Ein anderes Beispiel ist der M&G Positive Impact Fonds. Hier werden Aktien von Unternehmen ausgewählt, die einen positiven gesellschaftlichen oder ökologischen Beitrag leisten.

Im Rahmen unserer Unternehmensstrategie ist es unser Ziel, unsere Geschäftstätigkeit mit ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Einklang zu bringen. Wir streben an, Nachhaltigkeitsaspekte langfristig bei Kapitalanlagen, Versicherungsprodukten und Dienstleistungen zu berücksichtigen. Themen wie Transparenz, verständliche Aufklärung und faire Beratung spielen dabei eine wichtige Rolle. In unserem jährlich erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht machen wir transparent, wo wir in den verschiedenen Dimensionen bei der Umsetzung unserer Ziele stehen.

Und wie können sich Vermittler in Sachen Nachhaltigkeit besser orientieren?

Um in diesem sehr dynamischen Umfeld, Anlagemöglichkeiten mit einer authentischen Nachhaltigkeitsstrategie ausfindig zu machen, sind verschiedene Merkmale zu berücksichtigen. Dies können externe Nachhaltigkeitsbewertungen sein, die die nachhaltige Ausrichtung eines Fonds beurteilen, wie beispielsweise das FNG-Label. Auch die Klassifizierung eines Fonds im Sinne der Artikel 8 und 9 der EU-Offenlegungsverordnung (Verordnung (EU) 2019/2088) bietet Anhaltspunkte, wie es um die „grüne“ Ausgestaltung eine Anlagestrategie bestellt ist.

Und: wir sehen klar die Renditevorteile bei nachhaltigen Anlagen. Neben dem starken politischen und gesellschaftlichen Einfluss, der zu einer immer stärker werdenden Nachfrage nach nachhaltigen Investmentmöglichkeiten führt, gehen wir davon aus, dass die weitere wirtschaftliche und technologische Entwicklung in diese Richtung fortschreitet. Unternehmen, die nachhaltige Innovationen und Lösungen am Markt anbieten, werden davon profitieren. An grünen Investments geht daher kein Weg vorbei.

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Lorenz

Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

kommentare
Wilfried Strassnig Versicherungsmakler
Vor 3 Wochen

Will man die Bürger korrekt beraten und die Chance auf lebenslang adäquate Vorsorge bieten, sind seit Draghi die BAV, Versorgungswerke, Metall-Klinikrente, berufsbezogene Gruppenverträge etc. sichere Verlustbringer und aktuell nach allen Kosten, auch aus evtl. Haftungsgründen, sehr riskant.
Weshalb sonst ist das Versorgungswerk der Steuerberater in Schleswig-Holstein in Insolvenz und Riester nicht rentabel, eigentlich ein gutes, sozial gerechtes Modell, von der Politik zerstört.
Natürlich nicht von den Versicherern zu verantworten-vom Verbraucherschutz gefordert, der EU und in D umgesetzt, aber es wird mit Gewinnversprechen verkauft, die bisher und noch lange NICHT mehr zutreffen.
Ich kann alles Digital, mit dem besten Finanzplan und diversen Absicherungskonzepten erstellen, ausreichende Versorgung, wird man aktuell garantiert nur mit sehr hoher Rendite erzielen.
Der Staat ist völlig ungeeignet, für Zusatzversorgungen, sollte aber diese Innovation übernehmen und kann damit die aktuell unfinanzierbare Rentenversorgung sicherstellen.

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Wilfried Strassnig Versicherungsmakler
Vor 3 Wochen

Will man die Bürger korrekt beraten und die Chance auf lebenslang adäquate Vorsorge bieten, sind seit Draghi die BAV, Versorgungswerke, Metall-Klinikrente, berufsbezogene Gruppenverträge etc. sichere Verlustbringer und aktuell nach allen Kosten, auch aus evtl. Haftungsgründen, sehr riskant.
Weshalb sonst ist das Versorgungswerk der Steuerberater in Schleswig-Holstein in Insolvenz und Riester nicht rentabel, eigentlich ein gutes, sozial gerechtes Modell, von der Politik zerstört.
Natürlich nicht von den Versicherern zu verantworten-vom Verbraucherschutz gefordert, der EU und in D umgesetzt, aber es wird mit Gewinnversprechen verkauft, die bisher und noch lange NICHT mehr zutreffen.
Ich kann alles Digital, mit dem besten Finanzplan und diversen Absicherungskonzepten erstellen, ausreichende Versorgung, wird man aktuell garantiert nur mit sehr hoher Rendite erzielen.
Der Staat ist völlig ungeeignet, für Zusatzversorgungen, sollte aber diese Innovation übernehmen und kann damit die aktuell unfinanzierbare Rentenversorgung sicherstellen.

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