Grüne Renten Insurtech setzt auf nachhaltige Geldanlagen

Windkraftanlagen bei Berlin.
Windkraftanlagen bei Berlin. © dpa/picture alliance

Das Unternehmen Fibur investiert in eine grüne Zukunft. Die Münsteraner bieten grüne Finanzprodukte zur Altersvorsorge an. Die Produkte sind staatlich gefördert und mit garantierten 1,25 Prozent verzinst. Ein Porträt.

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Gründer Ben Urbanke hat sich mit seinem Start-up Fibur auf eine nachhaltige, staatlich geförderte Altersvorsorge spezialisiert. Abschluss und Beratung laufen fast ausschließlich digital. Noch besteht Fibur aus nur vier Mitarbeitern. Sie sitzen in Münster und Berlin, ein richtiges Büro gibt es nicht. Die Arbeit wird von einem Coworking-Space aus erledigt. Urbanke sagt: „Wir wollen Kunden in ganz Deutschland denselben Service bieten. Das geht nur, wenn wir unsere Beratung online anbieten.“

Geschäft mit grünen Produkten ist bei anderen Anbietern nur marginal

Auf dem Portal Gründerszene erklärt der studierte Wirtschaftswissenschaftler seine Beweggründe: „Banken investieren das Geld, das sie von den Anlegern bekommen in die Rüstungsindustrie, in Atomkraft oder spekulieren auf Nahrungsmittelpreise. Das Geld jedes Einzelnen kann so gesehen viel Unheil anrichten“, sagt der Gründer. „Große Versicherungsgesellschaften bieten auch grüne Produkte an. „Doch das Kerngeschäft wird dort woanders gemacht.“ Die Anbieter von staatlich geförderten Renten sind per Gesetz zum Kapitalerhalt verpflichtet. Deswegen fließt der Großteil des Geldes in den Deckungsstock der Versicherer oder in Garantiefonds – und beides ist nicht sonderlich „grün“. Nur rund 30 bis 50 Prozent des eingezahlten Geldes würde laut Stiftung Warentest nach ökologischen und ethischen Kriterien investiert.

„Das ist so ähnlich, wie einen Ökostromtarif beim Atomstromriesen E.ON abzuschließen“, sagt Urbanke gegenüber Gründerszene. „Das Geschäft mit den grünen Produkten ist für diese Anbieter so marginal, dass sie gar nicht die Kapazitäten hätten, komplett umzusatteln.“

Ein enger Markt

Der Blick auf die Angebote der Versicherer zeigt: Mittlerweile gibt es zwar eine größere Angebots-Vielfalt für grüne Produkte. Werden die Kriterien für Nachhaltigkeit jedoch eng abgesteckt, kommen nur ziemlich wenige Anlageziele in Betracht und die Geldanlage wird dementsprechend gering gestreut. Im Ergebnis steigt das Verlustrisiko, was grüne Anlagen für Versicherer mitunter unattraktiv macht.

Auch Fibur hat dieses Problem: Es gibt zu wenig Firmen, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen und in die die Versicherung investieren kann. Denn das Geld darf nicht direkt im Ausland angelegt werden, zum Beispiel in Solarparks in den USA oder Biogasanlagen in Afrika. Solche Direktinvestitionen verbietet der Staat als zu riskant. Deshalb investiert das Start-up auch in neutrale Unternehmen, die zumindest keines der Ausschlusskriterien, wie Investitionen in Kinderarbeit, Rüstungsindustrie oder Atomenergie erfüllen.

20 bis 30 Prozent Wachstum pro Jahr

„Alle Investitionen werden regelmäßig überprüft“, so Urbanke. Wenn beispielsweise wie bei Siemens vor zwei Jahren herauskommt, dass mit dem Tochterunternehmen Financial Services die Produktion von Streubomben gefördert wird, wird das Geld in andere Anlagen umgeschichtet. Zusätzlich will Fibur nur maximal 10 Prozent in Fonds investieren.

Inzwischen vertrauen rund 20.000 Versicherte Fibur ihr Geld an. 20 bis 30 Prozent kommen nach eigenen Angaben im Schnitt jährlich dazu.
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