Ratings liefern Anhaltspunkte, um ein Unternehmen und dessen Produkte einzuordnen. Doch Rating ist nicht gleich Rating – es gibt große Unterschiede. Bei Ratings zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist etwa darauf zu achten, ob regionale und bundesweite Krankenkassen miteinander verglichen oder separat betrachtet werden. Als Beispiel werden die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mal getrennt und mal zusammengefasst aufgeführt.

Unterschiede gibt es oft auch dabei, wie detailliert Teilbereiche wie Wahltarife abgedeckt werden. „Wirft man einen genauen Blick in manche Ergebnislisten, so erkennt man, dass unter ‚Zusatzleistungen’ oft eine Fülle an Leistungen aufgeführt ist, die aber gar nicht oder nur unter unklaren Kriterien in das Rating-Ergebnis einbezogen werden“, sagt Michael Kietzmann, Leiter Produktmanagement der Knappschaft. „Unser Wahltarif Kostenerstattung etwa taucht in den meisten Ratings gar nicht auf.“ Sei es, weil der Fragenkatalog der Ratingagenturen dies oftmals gar nicht vorsieht, oder alle Wahltarife lediglich in deren Gesamtheit gleichbehandelt abgefragt werden. Dabei gibt es alleine bei den Wahltarifen inhaltlich schon sehr große Unterschiede. Von diesem Wissen können Makler profitieren, da sie hier oftmals ihre Produkte mit denen der GKV sehr gut kombinieren und ergänzen können.

Konzept des Ratings muss stimmen

Besonders wichtig ist die Verlässlichkeit der Bewertungsgrundlagen. „Darum stellen die immer gleichen abgefragten Punkte ein Qualitätsmerkmal dar“, meint Gerhard Reichl, leitender Krankenversicherungsanalyst bei der Rating-Agentur Assekurata. „Wenn diese Punkte von Rating zu Rating variierten, wären die Ergebnisse nicht vergleichbar. Darauf sollte ein Makler bei Ratings immer achten.“

In der Regel fließen Informationen aus den Geschäftsberichten, aus den Allgemeinen Versicherungsbedingungen, den Leistungs- und Servicedaten der Unternehmen sowie aus den Prämien in die Methodik ein. Diese Betrachtung beruht stets auf historischen Daten. Nicht immer passt die bewertete Leistung jedoch zum tatsächlichen Bedarf des Kunden, Ratings können daher nur ein Faktor für die Entscheidung für eine Krankenkasse sein.

Assekurata bietet für gesetzliche Krankenkassen die Möglichkeit eines interaktiven Ratings. „Das Interesse seitens der Kassen ist jedoch nicht allzu groß“, sagt Reichl. „Vermutlich liegt es daran, dass sich der Versicherte einer privaten Krankenversicherung meist auf Lebenszeit an das Unternehmen bindet, während in der GKV ein Wechsel viel leichter möglich ist. Die Leistungen und Beiträge unterscheiden sich nicht so gravierend wie bei der privaten Krankenversicherung und über Alterungsrückstellungen muss sich erst recht niemand Gedanken machen.“