Gerichtsverfahren um Check24 „Diese Kritik schadet uns natürlich massiv“

 Zentrale des Vergleichsportals Check24 in München.
Zentrale des Vergleichsportals Check24 in München. © dpa/picture alliance

Neue Runde im Gerichtsverfahren um Check24. Das Landgericht München muss am Mittwoch prüfen, ob das Vergleichsportal unlauteren Wettbewerb betreibt. Check24-Chef Henrich Blase räumt inzwischen ein, dass die anhaltende Kritik und eine aktuelle Studie der Verbraucherzentralen dem Geschäft „massiv schade“.

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Es gibt eine Frage, die sich Check24-Gründer Henrich Blase regelmäßig anhören muss – von Branchenkollegen, von Verbraucherschützern und von Journalisten: Wie neutral ist sein Unternehmen eigentlich? Denn jedes Mal, wenn ein Nutzer eine der vorgeschlagenen Anbieter des Online-Vergleichsportals annimmt, kassiert Check24 eine Provision vom Anbieter. Wer nicht zahlt, wird im Ranking des Vergleichsportals gar nicht erst aufgelistet.



Die Zahlungen hätten aber keinerlei Einfluss auf das Bewertungsergebnis, beteuert Blase. Wie hoch die Provisionen sind, will er allerdings nicht sagen. Die Summen offenzulegen, wäre „völlig untypisch in der Branche“. Das erklärte der Firmenchef vor kurzem gegenüber der Augsburger Allgemeinen Zeitung (wir berichteten).

Während Check24 und andere Vergleichsportale ihren Marktanteil deutlich ausbauen, sieht es in vielen klassischen Branchen ganz anders aus. So geht zum Beispiel die Zahl der traditionellen Versicherungsvermittler in Deutschland deutlich zurück. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags waren zum 1. April rund 231.000 eingetragene Versicherungsvermittler registriert, 2010 waren es noch 256.000. Die Branche wird seit einigen Jahren stark reguliert, das bekommen viele Vertriebler zu spüren.

Anhaltende Kritik schadet dem Vergleichsportal

In diesem Verdrängungswettbewerb ist der Ärger auf die erfolgreiche Online-Konkurrenz groß. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute, kurz BVK, wirft dem Internet-Konkurrenten vor, unlauteren Wettbewerb zu betreiben. Er trete als Makler auf, suggeriere dem Verbraucher aber, uneigennützig und verbraucherfreundlich zu bewerten. Der BVK hat Check24 deshalb im vergangenen Jahr abgemahnt. Als das Vergleichsportal nicht reagierte, reichte der Verband Klage ein. Heute wird der Fall wieder vor dem Münchner Landgericht verhandelt. Der Ausgang des Prozesses könnte auch Auswirkungen auf andere Vergleichsportale haben.

Auch eine Studie der Verbraucherzentralen hat Anfang des Jahres die Vergleichsportale aufgeschreckt. In der Studie „Marktwächter Digitale Welt“ hieß es, die Internetseiten könnten zwar „eine Orientierung über die Angebote auf dem Markt geben“, die Anbieter seien aber zum Teil miteinander verbandelt und die Preise auf den Portalen seien zum Teil höher als diejenigen, die die Anbieter selbst listen.

Check24-Chef Blase räumt ein, dass diese Kritik massiv schade. Denn das Vergleichsportal wirbt damit, stets die günstigsten Tarife zu liefern. Verlieren die Verbraucher das Vertrauen in das Versprechen der Neutralität, könnte das das Geschäftsmodell empfindlich beschädigen.
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