Gefahren der Deutschland-Rente Wenn der Staat den Rentenfonds plündert

Auch die Mehrheit der Deutschen hätte bei einer Deutschland-Rente die Sorge, dass der Staat das Vermögen zweckentfremden könnte. Quelle: GDV
Auch die Mehrheit der Deutschen hätte bei einer Deutschland-Rente die Sorge, dass der Staat das Vermögen zweckentfremden könnte. Quelle: GDV © GDV

In der aktuellen Rentendebatte haben Grünen-Politiker aus Hessen auch die Idee einer „Deutschland-Rente“ in den Ring geworfen. Das Konstrukt: Jeder Bürger zahlt automatisch in das Produkt ein, der Staat verwaltet das Geld. Warum diese Idee aber nach hinten losgehen kann, zeigen Beispiele aus dem Ausland.

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Das Konzept der Deutschland-Rente sieht vor, dass Arbeitnehmer automatisch Beiträge in einen „Deutschlandfonds“ überweisen, in dem das Geld nach gesetzlichen Vorgaben verwaltet wird. Raus aus der Nummer kommt nur, wer das ausdrücklich beantragt (Opt-out).



Taugt der Staat aber als Vermögensverwalter? Der Versicherungsverband GDV hat einige Beispiele aus dem europäischen Ausland gesammelt, die nicht gerade optimistisch stimmen.

Beispiel Nummer 1: Irland

2001 gründete Irland den staatlichen Topf „National Pensions Reserve Funds“ (NPFR). Ein Prozent des Bruttonationaleinkommens floss pro Jahr in das Produkt, um mit den Erträgen die steigenden Pensionslasten ab 2025 abfedern zu können. Zu 80 Prozent bestand der Topf aus Aktien, den Rest machten Anleihen aus. Bis 2007 ging das Konzept auf: Der Fonds schaffte eine Rendite von im Schnitt 6 Prozent jährlich.

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Dann aber brachen die Märkte im Verlauf der Finanzkrise 2008 ein. Das Minus beim NPFR: rund 30 Prozent. Außerdem zapft die Regierung den Fonds an, um marode Banken zu retten. Seit 2009 schöpfte die Regierung rund 20,7 Milliarden Euro aus dem Fonds für die Bankenrettung ab. Insgesamt verursachte die Aktion einen Verlust von 3,4 Milliarden Euro bis Ende 2014.

Beispiel Nummer 2: Spanien

Auch Spanien begann im Jahr 2000 damit, mit den Überschüssen aus der Sozialversicherung einen kapitalgedeckten Reservefonds aufzubauen. Doch auch hier sorgte die Finanzkrise für eine Zweckentfremdung des Geldes. 2012 lancierte die Regierung ein Gesetz, das es ihr erlaubt, Geld aus dem Fonds abzuzwacken. Und das tut sie auch fleißig. Von den eingezahlten 53,8 Milliarden Euro hat sie knapp 34 Milliarden Euro wieder entnommen.

Auch in der Anlagepolitik macht sich der politische Einfluss laut GDV bemerkbar. So muss der Fonds mindestens 45 Prozent des Portfolios in spanische Anleihen investieren. Mittlerweile besteht das Vermögen aber nur noch aus spanischen Wertpapieren. Von Risikostreuung kann man hier nicht mehr sprechen.
Pfefferminzia HIGHNOON