Versicherungsmakler und Biometrie-Experte Philip Wenzel. © Doris Köhler
  • Von Philip Wenzel
  • 13.04.2022 um 10:54
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Es gibt viele Möglichkeiten, die eigene Arbeitskraft abzusichern. Entscheidend ist dabei, welchen Beruf man ausübt. So sollten insbesondere Handwerker über die die Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) als Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nachdenken, findet der Biometrieexperte Philip Wenzel. Warum, das erklärt er Ihnen in seinem neuesten Gastbeitrag.

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich was zur Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) lese. Denn die hässliche Schwester der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist viel besser als ihr Ruf. Und wenn wir uns nicht beeilen, gibt es da bald keinen Anbieter mehr. Denn 2022 ist es schon wieder einer weniger geworden.

Aber der Reihe nach: Die BU ist voll toll und jeder sollte eine haben. Dummerweise ist die Versicherung aber für viele zu teuer – und mindestens genauso viele sind gar nicht erst nicht ohne Ausschluss versicherbar. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen denken, die BU würde erst dann leisten, wenn sie überhaupt nicht mehr arbeiten können. Und das ist mit den meisten auch okay. Denn wenn ich mal in meinen Beruf nicht mehr arbeiten kann, dann schule ich um. Hab ich auch schon gemacht, ohne nachweislich krank zu sein.

Und viele Handwerker wissen, dass sie irgendwann mal den Meister machen müssen, weil sie nicht bis 67 so hart körperlich arbeiten können. Deshalb wäre es hier, bei Handwerkern, doch angebracht, mal über eine Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung zu reden. Eine Versicherung, die erst dann leistet, wenn du dich nicht mehr umschulen lassen kannst. Also, wenn du in keinem Beruf am Arbeitsmarkt mehr arbeiten kannst. Da die Transferleistung während einer Umschulung nicht gezahlt wird, ist die EU schon mal günstiger als die BU. Das Geld kann der Versicherte auf die Seite legen, um die Umschulung dann auch finanziell tragen zu können.

Die Sache mit der Berufsgruppendifferenzierung

Der zweite Punkt, warum die Erwerbsunfähigkeitsversicherung günstiger ist als eine Berufsunfähigkeitsversicherung, ist die Berufsgruppendifferenzierung. Diese hat die BU für Handwerker in den vergangenen Jahren stetig teurer gemacht, während die Absicherung für Akademiker immer billiger wurde.

Erinnert ihr auch noch an die Rechnungszinssenkung und die 8 Prozent, die die BU teurer werden sollte? War dann am Ende dann doch nicht so. Hat nur die Handwerker getroffen, aber für Akademiker ist es doch wieder günstiger geworden. Naja, und in der EU gibt es nur zwei bis vier Berufsgruppen, weshalb es hier für die Handwerker allein durchs System günstiger sind.

Und dann wären da ja noch die psychischen Erkrankungen, die mittlerweile zwischen 30 bis 40 Prozent aller Leistungsfälle ausmachen. Diese sind bei der EU voll abgedeckt. In gut 99 Prozent der Fälle bin ich bei psychischen Erkrankungen überhaupt nicht mehr in der Lage zu arbeiten – und nur in den wenigsten Fällen gibt es einen Bezug zu meinem speziellen Arbeitsplatz.

Warum auch die Zahlen für eine EU sprechen

Zu guter Letzt sprechen auch die Zahlen für die Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Zum einen kann ich den Bedarf hier sehr gut berechnen, weil ich die gesetzliche Erwerbsminderungsrente einberechnen kann. Auf der anderen Seite kann ich an der Deutschen Rentenversicherung auch sehen, dass jedes Jahr gut 170.000 Menschen in Deutschland voll erwerbsgemindert werden. Und die meisten davon arbeiten in handwerklichen Berufen.

Ich hab das mittlerweile echt schon oft geschrieben, und mir ist am Ende auch egal, welcher Tarif wo wie geratet wurde. Aber im Sinne eurer Kunden solltet ihr neben einer BU-Versicherung, die sauteuer ist und dem Handwerker vielleicht nur für die Zeit der Umschulung eine Rente zahlt, auch mal die Erwerbsunfähigkeitsversicherung anbieten, die jeden Monat günstiger ist, aber erst leistet, wenn die versicherte Person überhaupt nicht mehr arbeiten kann.

Und am Ende darf, wie immer, der Kunde entscheiden, bei welcher Absicherung er sich besser versichert fühlt. Wir dokumentieren dann nur noch seine Entscheidung.

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Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und Experte für biometrische Risiken. Er ist außerdem als Autor tätig. Regelmäßige Blog-Beiträge finden Sie beispielsweise hier: https://bsc-gmbh.com/philipwenzel/ oder hier https://www.worksurance.de/.

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