Frank Müntefering im Interview „Wir müssen überlegen, wie die Riester-Rente besser werden kann“

SPD-Politiker Franz Müntefering.
SPD-Politiker Franz Müntefering. © dpa/picture alliance

Das Magazin Positionen des Versicherungsverbands GDV hat SPD-Politiker Franz Müntefering zum Interview geladen. Dabei ging es um Altersvorsorge, flexible Lebensarbeitszeit und mehr.

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Wenn er heute Geld zu verteilen hätte, würde er es Familien mit aufwachsenden Kindern geben – und nicht den Rentnern. Das sagt SPD-Politiker Franz Müntefering im Gespräch mit dem GDV-Magazin Positionen. Der Grund: Die Rentner seien heutzutage ziemlich gut mit Geld ausgestattet.



Der Mann bekomme in der Regel eine volle Rente, die Frau wegen ihrer in der Regel kürzeren Versicherungszeiten die Hälfte oder drei Viertel davon. Müntefering: „Und plötzlich gilt sie als arm – obwohl das Paar mehr Geld zur Verfügung hat als damals meine Eltern. Deshalb kann der Staat doch jetzt nicht noch etwas drauflegen.“

Das Schlechtgerede der Riester-Rente hält Müntefering für ungerecht. Schließlich sei die Zahl der Riester-Sparer hoch. Allerdings müsse man trotzdem überlegen, wie man das Produkt in Zeiten des Niedrigzinsniveaus anpassen könne. Eine obligatorische Riester-Rente wäre damals bei ihrer Erfindung vielleicht doch die bessere Wahl gewesen, so der SPD-Politiker: „Ich weiß nicht mehr genau, warum diese obligatorische Lösung gescheitert ist.“

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Die Rente mit 53 hält Müntefering indes für einen Fehler. Die geschenkte Zeit einer längeren Lebenserwartung müsse man nutzen. Er habe sich vor kurzem mit Müllmännern in Berlin unterhalten und sie gefragt, wie lange sie denn arbeiten könnten. Bis 50 oder 52 sei als Antwort gekommen. „Leute“, habe ich denen gesagt, „das geht nicht. Ihr könnt nicht 30 Jahre einzahlen für 40 Jahre Rente“, so Müntefering weiter. Daraufhin erwiderten die Müllmänner, man wolle ja weiter arbeiten, nur eben nicht so stark körperlich. An dieser Stelle will Müntefering daher ansetzen: „Deshalb brauchen wir die Chance, aus bestimmten Berufen vorzeitig aussteigen zu können – um etwas Neues anzufangen.“

Apropos etwas Neues anfangen: Bei der Rente, konkret der Deutschland-Rente, hält Müntefering das für falsch. Ein Hin und Her würde hier nur schaden. Um die Babyboomer abzufedern, die nun nach und nach in Rente gehen, brauche man Etabliertes wie die betriebliche Altersvorsorge und Riester.
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