Rückgang der Rendite erfordert höhere Sparleistung

Warum das keine gute Entwicklung ist, erklärt GDV-Chefvolkswirt Wiener: „Bei einem Rückgang der Rendite um nur einen Prozentpunkt müsste die Sparleistung um rund 15 Prozent steigen, nur um bei Renteneintritt das gleiche Versorgungsniveau zu erreichen.“ Eine Studie der Deutschen Bundesbank zeigt aber, dass nur ein Prozent der Privathaushalte mehr spart, weil die Zinsen niedrig sind.

„Das verschärft die Situation für viele Sparer extrem“, sagt auch Frank Breiting, Leiter Vertrieb Private Altersvorsorge & Versicherungen Deutschland bei der Deutschen Asset Management (ehemals DWS Investments). „Vielen Menschen ist immer noch nicht bewusst, dass sie mit ihrer gesetzlichen Rente gerade einmal Hartz-IV-Niveau oder weniger erreichen werden. Wenn dann auch noch die private Vorsorge aufgrund der Niedrigzinspolitik und der staatlichen Restriktionen so gut wie keinen Ertrag mehr abwirft, wird es für viele Menschen sehr schwierig.“

Zahl der armen Rentner steigt

Das zeigen die Zahlen heute schon, meint Frank Kettnaker, Vorstand Vertrieb und Marketing der Alten Leipziger Lebensversicherung. „Die Zahl der Rentner, die Grundsicherungsleistungen beantragen, hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, sagt er. Waren es 2003 rund 258.000 Personen, deren Rente nicht zur Existenzsicherung reichte, kletterte diese Zahl 2014 schon auf 536.000 Personen.

Die Menschen müssen also endlich umdenken, wollen sie später nicht mit Sicherheit in der Altersarmut landen. Mehr Mut, heißt die Devise. „Kunden und Berater müssen sich daran gewöhnen, risikoreichere Anlagen für die Altersvorsorge zu nutzen, um der Altersarmut zu entgehen“, sagt Guntram Overbeck, Leiter Produktmanagement bei der Helvetia in Deutschland.

Schützenhilfe bekommt er von Wolfgang Hanssmann, Vorstandsvorsitzender der HDI Vertriebs AG. Der Erfolg einer Altersvorsorge hängt seiner Ansicht nach von drei Faktoren ab: der regelmäßigen Sparrate, der Spardauer und der Rendite der Anlage. Die Sparrate sei durch das zur Verfügung stehende Netto-Haushaltseinkommen begrenzt. Die Spardauer zu verlängern würde bedeuten, später in Rente zu gehen – auch das sei für viele Kunden keine Option. Hanssmann: „Die Rendite hingegen lässt sich durch eine kluge Anlagestrategie steigern.“