Fonds-Experte André Haertel © Privat
  • Von Oliver Lepold
  • 24.09.2019 um 09:37
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Der Erfolg einer fondsgebundenen Rentenversicherung steht und fällt mit der Auswahl der Fonds – und ihrem rechtzeitigen Austausch. André Haertel, Director Head of Liquid Investments bei Scope, erläutert, wie eine zielführende Auswahl mit langfristigem Folge-Service aussehen sollte.

Pfefferminzia: Wie hat sich das Angebot von Fonds für Fondspolicen entwickelt?

Andre Haertel: In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Misch- und Multi-Asset-Fonds in die Fondspolicen der Versicherer aufgenommen. Gleichzeit hat das Angebot an Portfolios mit unterschiedlichen Risikoprofilen zugenommen. Große Trends sind natürlich auch passive Investments, allen voran ETFs, und das Thema Nachhaltigkeit. Beide Trends prägen zunehmend das Angebot sowohl an Einzelfonds als auch die Portfolioebene.

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Welche Fehler machen Vermittler und Kunden, wenn Sie Fonds selbst aussuchen?

Wir denken, dass bei der Fondsauswahl der Fokus zum Teil zu stark auf die vergangene Performance gelegt wird. Wird diese dann in der Folgezeit nicht mehr erreicht, führt das häufig zu Enttäuschungen. Aus diesem Grund ist das Monitoring der selektierten Fonds so wichtig.

Wie viele Fonds sollte eine Fondspalette enthalten?

Aus unserer Sicht sollte eine Fondspalette für Fondspolicen auf einem breiten Spektrum von Aktien-, Renten- und Mischfonds basieren und aus 50 bis 100 Fonds bestehen. Eine Kombination aus aktiv gemanagten Fonds und passiven Produkten ist dabei sinnvoll.

Für welche Werte ist welches Konzept anzuraten?

Aktives Management bevorzugen wir zum Beispiel bei europäischen oder deutschen Aktien, da die Wahrscheinlichkeit einer Outperformance hier vergleichsweise hoch ist. Dagegen würden wir ETFs für US-Aktien und zunehmend auch aufgrund des Niedrigzinsumfeldes auf der Rentenseite einsetzen. Darüber hinaus beobachten wir einen starken Trend in Richtung nachhaltige beziehungsweise verantwortungsvolle Geldanlagen. Um wettbewerbs- und zukunftsfähig zu sein, empfehlen wir Versicherern daher, parallel zu einem konventionellen Produkt stets auch eine nachhaltige Variante anzubieten.

Was macht einen ausgezeichneten Fonds aus?

Wir haben bei Scope für die Auswahl von Fonds einen mehrstufigen Analyse- und Bewertungsprozess definiert. Dieser Prozess umfasst sowohl eine quantitative Vorauswahl als auch eine qualitative Analyse. Im ersten Schritt gehen wir rein quantitativ vor und trennen die Spreu vom Weizen anhand der Fonds-Ratings. ,Gut‘ bezieht sich in diesem Schritt also ausschließlich auf Performance- und Risikokennzahlen. Im nächsten Schritt werden die quantitativ guten Fonds dann mittels qualitativer Kriterien detailliert analysiert. Dabei betrachten unsere Analysten die Fondsgesellschaft, das Portfolio-Management, den Investment-Prozess und die Kosten.

Wie sollte ein Folge-Service für die Fondsanlage aussehen?

Einmal jährlich sollte die Fondsauswahl mindestens überprüft werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass Fonds automatisch getauscht werden. In dieser Kontrollphase wird vielmehr geprüft, ob ein Fonds noch allen definierten Anforderungen entspricht. Gleichzeitig wird unter anderem kontrolliert, wie sich das Fondsvolumen entwickelt hat und ob durch Abflüsse die Gefahr besteht, dass der Fonds geschlossen wird. Wir stehen zu diesen Fragestellungen permanent in sehr engem Kontakt mit den Asset Managern, sodass wir die benötigten Informationen stets aus erster Hand erhalten.

Wann sollten Fonds ausgetauscht werden?

Grundsätzlich ist eine dauerhaft schwache Performance eines Fonds Hauptanlass für einen Tausch. Aber auch ein Manager-Wechsel kann einen Austausch zur Folge haben. Darüber hinaus können auch kontinuierliche Mittelabflüsse ein Grund sein, dass der Fonds nicht mehr effizient gemanagt werden kann und die Gefahr einer Schließung droht. In diesem Fall raten wir auch zu einem Tausch.

Inwieweit sind gemanagte Varianten für Fondspolicen vorzuziehen, da dort der Folge-Service automatisch erfolgt und die Vermittler somit entlastet sind?

Grundsätzlich sehen wir ein gemanagtes Portfolio als eine sehr gute Lösung für Vermittler und Kunden an. Nach Festlegung des Risikoprofils des Kunden durch den Vermittler erfolgt das Management und Monitoring durch den verantwortlichen Portfolio-Manager. Dabei kommt es zu regelmäßigen Anpassungen und einer Optimierung des Portfolios, was schlussendlich zu einem guten Performance-Ergebnis führen sollte.

Wo können Vermittler praktische Hilfe für Fonds-Monitorings und -vergleiche finden?

Unsere Fonds-Ratings finden Sie auf zahlreichen Finanzplattformen wie Onvista, faz.net oder auch Comdirect. Zudem bieten wir professionellen Investoren und Vermittlern Zugang zu unserem gesamten Analyse-Kosmos auf dem Scope-Fondsportal. Darüber hinaus entwickeln wir derzeit eine neuartige Plattform, die unsere Fondsanalysen und Ratings einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und innovative Fondsvergleiche ermöglichen wird.

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Oliver Lepold

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Das Investment, Pfefferminzia und private banking magazin.

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