Seit über zehn Jahren wurde in Brüssel an immer wieder neuen Richtlinien für den Vertrieb von Versicherungen gearbeitet. Mehr Verbraucherschutz und eine Harmonisierung der gesetzlichen Grundlagen in den Ländern der EU waren die treibenden Faktoren. Einer ersten Versicherungsvermittlerrichtlinie vom Anfang der 2000er Jahre folgten weitere Regularien und Entwürfe.

Ein mögliches Verbot von Provisionen, immer neue Vorschriften für Beratung und Verkauf  und neue Regularien zogen auf. Und bei nicht wenigen Vermittler damit auch die Angst vor drohenden schlechten Zeiten für die Zukunft der Versicherungsvermittler. Dererlei Aktivitäten wurden oft reflexartig von den Betroffenen so beurteilt, dass man von der EU nur  ähnlich Sinnfreies zu erwarten habe wie eine Norm für gerade ausgerichtete Bananen oder die Abschaffung von regionalen Spezialitäten. Spreewaldgurke, Schwarzwaldschinken und Versicherungsmakler – ade.

Verbraucher- und Kundenschutz per Dekret?

Gerade die Finanzwirtschaft  und auch die deutsche Versicherungsbranche in all ihren Facetten haben dazu beigetragen, dass es eine starke politische Strömung in unseren europäischen Ländern gibt, die das verlorene Vertrauen gegenüber Banken und Versicherungen aufgreift und die Branchen auf den Weg der Besserung bringen will. Dafür sollen nicht nur das Image dieser Institutionen aufpoliert, sondern auch die Grundlagen der Beratung und der Produkte nachhaltig verändert werden.

In diesen jahrelangen Überlegungen um mehr Schutz, Transparenz und Sicherheit für Kunden wurden viele Themen übertrieben diskutiert und auch schon mal so aufs Papier gebracht. Aber es scheint typisch für politische Entscheidungen geworden zu sein, dass man erst mal maßlos übertreiben muss, um die mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, um dann doch einzulenken.

„Das mache ich doch schon immer so“

Nun liegt mit der  Versicherungsvertriebsrichtlinie, kurz IDD (Insurance Distribution Directive), ein EU-Rahmen für die nationalen Gesetzgeber vor, der im Interesse der Kunden Schwachstellen und Krankheiten in der Beratung zu Versicherungs- und Finanzfragen für die Kunden besser machen soll. Deshalb ist es für alle Vermittler von Interesse die Grundlinien der neuen Richtlinien zu kennen und auch die eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.

Vorab: Zu den wichtigsten Regelungen, auf die ich hier noch eingehen will, wird der qualitätsorientierte Vermittler nur mit den Schulter zucken und anmerken: Das mache ich für meine Kunden schon immer so. Aber auch diese Vermittler müssen unter der Last des Stigmas leiden, egal wie gut seine Kunden ihn und seine Beratungen finden.

Provisionsverbot – ja oder nein?

Auf die Frage eines möglichen Provisionsverbotes hatte sich gerade in Deutschland monatelang die Diskussion fokussiert. Kein Wunder. Mit  über 200.000 Vermittlern von Versicherungen im Lande war mit dieser Frage auch das Thema der eigenen Existenzsicherung verbunden. Sucht man nun nach einer klaren Antwort zu den Provisionen in der IDD, dann wird man keine ganz klare Antwort finden.

Der Berliner Rechtanwalt Norman Wirth kommt nach Analyse der neuen Regelungen zu der Schlussfolgerung: „Ein Provisionsverbot ist ausdrücklich nicht in der Verordnung, obwohl dieses Thema lange diskutiert wurde. Damit ist es den EU-Mitgliedsstaaten freigestellt, ein solches Verbot einzuführen – oder auch nicht.“