Sven Putfarken ist Geschäftsführer der MPV Finanzgruppe in Hamburg und des Instituts für Finanz- und Nachfolgeplanung IFNP. © Sven Putfarken
  • Von Oliver Lepold
  • 26.11.2020 um 10:31
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Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Finanzplanung? Sven Putfarken, Geschäftsführer der MPV Finanzgruppe in Hamburg und des Instituts für Finanz- und Nachfolgeplanung IFNP, über neue Beratungschancen in der Pandemie.

Pfefferminzia: Wie haben Finanzplaner generell auf die Corona-Krise reagiert?

Sven Putfarken: Mit aktiver Kommunikation. So gut wie jeder aus unserem Netzwerk hat seine Kunden proaktiv mit Newslettern informiert, als die Märkte im März begannen, sich volatiler zu verhalten und massiv eingebrochen sind. Wir hatten bereits 2018 Digitalisierungsmaßnahmen im Rahmen der Telefonie umgesetzt und im vergangenen Jahr CRM und Netzwerklaufwerke in die Cloud überführt. Dadurch konnten wir vom ersten Tag an komplett digitalisiert arbeiten. Die Pandemie hat natürlich zu neuem Planungsaufwand geführt. Viele Mandanten haben das Thema Finanzplanung unter den neuen Gegebenheiten der Corona-Krise aktiv nachgefragt. Wir haben dadurch sehr viel frisches Geld in die Vermögensverwaltung bekommen.

Welche Frage hatten Ihre Kunden?

Vermögensverwaltungskunden, deren Depot um 15 Prozent reduziert wurde, wollten natürlich wissen, was sie tun sollten. Nachkaufen wenn möglich war unsere Antwort, denn bei vielen Werten passten die gefallenen Kurse zu den Buchwerten der Unternehmen. Häufig waren auch Fragen nach den Auswirkungen auf das Immobilienvermögen, ob Immobilien jetzt nicht mehr krisenfest seien oder die Krise auf den Bankensektor überschwappen könnte. Es ging generell viel um Vermögensallokation. Die Risikoabsicherung wurde weniger nachgefragt, denn die meisten Mandanten wissen, dass Krankheiten oder persönliche Schicksalsschläge unabhängig von Finanzkrisen geschehen.

Die Krise demnach als Chance für neues Investieren?

Aufgrund der massiven Expansion der Geldpolitik durch die Zentralbanken in Europa und den USA haben sich die Märke rasch wieder erholt und die Immobilienpreise sind auf breiter Front gestiegen. Der Buchwert der Unternehmen im Dax stand im Frühjahr bei knapp 8.000 und hat sich seitdem nicht groß verändert. In Aktien zu investieren ist die einzige vernünftige Chance nachhaltig Geld zu verdienen. Gut positionierte Finanzplaner sind definitiv Gewinner der Krise. Wir merken auch, dass unsere Mandanten zu Investoren geworden sind. Nur ein Kunde hat seine Werte liquidiert, alle anderen sind unserer Empfehlung gefolgt und investiert geblieben, viele haben nachgekauft. Sie haben verstanden, dass Marktschwankungen zum Investieren dazugehören. Diese Weiterentwicklung der Mandanten zu sehen ist sehr spannend, das hatte ich so stark nicht erwartet.

Wie beurteilen Sie die Maßnahmen der Versicherer, bei Stundungen von Beitragszahlungen und Stornos kulant zu reagieren?

Das hat der gesamten Branche sehr geholfen. Gerade neuen Maklerkollegen, die noch wenige Rücklagen haben, tut es weh, wenn einem 20.000 Euro Storno aufgrund von Beitragsfreistellungen verloren gehen. Standard Life und die Alte Leipziger zum Beispiel haben Maklern die Möglichkeit eingeräumt, diese Summen zinslos bis Jahresende zu stunden. Und Canada Life hat eine Videoberatung subventioniert. Mittlerweile sehen wir, dass Kunden Beitragsfreistellungen auch wieder zurücknehmen. Finanzplaner waren weniger betroffen, weil sie grundsätzlich gegen Honorar beraten. Auch in der Vermögensverwaltung werden sie über Honorare aus den Kundenbeständen bezahlt und im Versicherungsgeschäft verfügen wir als Beispiel über reichlich Bestandspflegeprovisionen und sind nicht auf Abschlussprovisionen angewiesen. So kann man solche Krisen auch mal aussitzen.

Wird die Pandemie zu Veränderung bei Produkten führen?

Es gibt Verbesserungsvorschläge im Bereich der Versicherungsbedingungen, weil viele Versicherer eine Leistung wegen der Pandemie abgelehnt haben. Covid-19 wurde explizit nicht als Ausschluss genannt, weil es bei Abschluss noch unbekannt war. Vor Gericht sind die Versicherer meist unterlegen. Bedingungsseitig wird es daher sicher Anpassungen geben. Ich könnte mir vorstellen, dass es eine spezielle Pandemie-Versicherung etwa für Gastronomen und Clubbesitzer geben könnte, die klare Ausschlüsse und Leistungsszenarien darstellt. Einige unserer Kunden haben schon im März speziell danach gefragt.

Welche Erwartungen haben Sie für das Jahr 2021?

Wir sehen sehr positiv in die Zukunft, denn wir werden Strategien finden, wie wir dauerhaft einen normalen Alltag mit Covid-19 gestalten können. Financial Planning ist dazu sehr gut aufgestellt, weil es eine Dienstleistung ist, die sowohl persönlich als auch digital ablaufen kann. Unsere Kunden begrüßen, dass wir digital mit ihnen deren Planung durchgehen können und alle möglichen Szenarien simulieren können. Wir können etwa schauen, was passiert, wenn Einkommensquellen oder Immobilienrenditen wegbrechen oder die Immobilienwerte weitersteigen und wann es sinnvoll ist, eine Immobilie zu liquidieren. Financial Planning wird auch in Zukunft für den Kunden einen tollen Mehrwert leisten – digital und physisch.

 

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Oliver Lepold

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Das Investment, Pfefferminzia und private banking magazin.

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