Sven Putfarken ist auch Co-Organisator des Financial Planner Forums in Berlin © MPV Finanzgruppe
  • Von Oliver Lepold
  • 06.02.2020 um 11:02
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 02:35 Min

Für den lebensbegleitenden Beratungsansatz der Finanzplanung gibt es viele Zugangswege. Pfefferminzia befragte Sven Putfarken, Co-Organisator des Financial Planner Forum in Berlin, zur Nachwuchsförderung und der Attraktivität für versicherungsorientierte Berater.

Pfefferminzia: Wie beurteilen Sie den Status quo der Finanzplaner in Deutschland?

Sven Putfarken: Der zertifizierte Finanzplaner (CFP) ist ein sehr anerkannter Titel und eine der höchsten Branchenqualifikationen. Beim Endkunden ist das Thema jedoch noch nicht so bekannt. Wir haben daher eine Studie an der Macromedia Universität in München in Auftrag gegeben. Die Studenten entwickeln für uns eine Kampagne, mit der wir den Endkunden die Finanzplanung zeitgemäß näherbringen können. Der Konsument muss wissen, dass Finanzplanung Lebensplanung ist und längst nicht so kompliziert und teuer, wie oft gedacht. Jeder braucht Finanzplanung.

Wie viele der rund 1.500 als CFP zertifizierten Finanzplaner in Deutschland stehen für private Kunden zur Verfügung?

Anders als früher stehen sehr viele auch dem freien Markt zur Verfügung. Denn während der Arbeitsmarkt für Finanzplaner bei Banken auf niedrigem Niveau stabil ist, wird der Ansatz für den freien Markt immer interessanter. Freie Vermögensberater mit KWG-Lizenz, 34f-Berater, 34d-Berater und Versicherungsmakler, teils auch Immobilienmakler, lassen sich nun häufiger zum Finanzplaner ausbilden.

Vom klassischen Versicherungsmakler zum Finanzplaner?

Die Zugangswege, die früher fast nur aus den Banken heraus bestanden, sind offener und vielfältiger geworden. Versicherungsmakler, die ganzheitlich beraten möchten, können sich problemlos in der Finanzplanung zertifizieren oder zumindest ausbilden lassen. Ich selbst komme auch aus dem Versicherungsbereich und wollte mich nach zehn Jahren im Beruf weiterentwickeln. Ich habe das Financial-Planner-Studium an der Frankfurt School of Management absolviert und später die Zertifizierung zum CFP. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und Hochschulreife. Falls Letztere nicht vorliegt, gelingt der Zugang über eine Eingangsprüfung.

Aber die Finanzplaner-Ausbildung ist doch langwierig und teuer?

Und anstrengend. Sie brauchen knapp zwei Jahre, mit Vorbereitung drei Jahre. Allein die Kosten für den Kurs liegt bei 12.000 bis 14.000 Euro, mit Reise- und Übernachtungskosten kommen rund 20.000 Euro zusammen. Und die Zeit, die dadurch zur Beratung fehlt, ist noch nicht eingerechnet. Wir vom Network Financial Planner haben erkannt, dass diese Hürde für viele zu hoch liegt, daher arbeiten wir gemeinsam mit der IHK Frankfurt an einer neuen Finanzplaner-Weiterbildung, die ab Sommer 2020 angeboten werden soll. Wir wollen diesen Kurs für vergleichsweise günstige 5.000 Euro anbieten.

Ist das IHK-Angebot dann „Finanzplanung light“?

Nein, die Kenntnisse, die vermittelt werden, sind vertiefend. Es handelt sich um den Einstieg in die Finanzplanung auf dem Level eines Financial Consultant zu fairen Preisen, auf das man dann weiter aufbauen kann. Wir brauchen in Deutschland einen günstigen Zugang zum Finanzplaner und einen modularen Aufbau. Es wird zweimal im Jahr IHK-Prüfungen geben, der Kurs besteht aus einer Mischung aus Präsenztagen und einem hohen Anteil an E-Learning, wie das heute zeitgemäß ist. Wir hoffen, dass wir mit unserem Konzept auch für die CFP-Ausbildung Impulse geben können, sich mehr an die Digitalisierung anzupassen.

Was genau soll Ihre eingangs erwähnte Kampagne erreichen?

Die Studenten der Macromedia Universität fragen bei Konsumenten, Experten und Produktpartnern ab, inwieweit sie Finanzplanung kennen und wie sie definiert und zur Finanzberatung abgegrenzt wird. Auf Basis der Ergebnisse wird die Kampagne entwickelt. Ende Januar erhalten wir die Endpräsentation. Das Network Financial Planner wird die Kampagne seinen Mitgliedern zur Verfügung stellen. Es geht uns sowohl um das Recruiting, die Akquise neuer Kundenschichten und vor allem darum, die Finanzplanung hip zu machen. Denn noch gilt der Begriff Finanzplanung bei vielen als eingestaubt.

In welchen Bereichen wird es konkrete Empfehlungen geben?

Wie sollen wir unseren Social-Media-Auftritt einrichten? Wie oft sollen wir posten, auf welchen Kanälen sollen wir posten? Und wie sollen wir die Homepage überarbeiten, bewegte Bilder und mehr Emotionen hineinbringen? Wenn wir die Studie Anfang 2020 bekommen, können wir das Thema Finanzplanung im Markt neu angehen und ins digitale Zeitalter überführen. Wir reagieren damit auch auf das demographische Problem. Denn derzeit verzeichnen wir netto kein nennenswertes Wachstum. Das muss sich ändern.

Information zur Veranstaltung des Network Financial Planner

Das Financial Planner Forum fand Ende November zum 15. Mal in Berlin statt und gilt als das Klassentreffen der Finanzplanung in Deutschland. Gestartet im Jahr 2004 mit 70 Teilnehmern und zwei Ausstellern an einem Tag, findet der Kongress heute über zwei Tage mit rund 500 Teilnehmern aus ganz Deutschland und 42 Ausstellern statt. Für die komplette Veranstaltung erhalten Teilnehmer 12,5 CFD-Credits (Weiterbildungspunkte) für die Finanzplaner. Zertifizierte Finanzplaner benötigen alle zwei Jahre den Nachweis über 30 CFD-Credits, um ihren Status zu erhalten.

autorAutor
Oliver

Oliver Lepold

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Das Investment, Pfefferminzia und private banking magazin.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

smiley-icon

achtung: Sie nutzen einen veraltete Version des Internet Explorer und daher kann es eventuell zu fehlerhaften Darstellungen kommen. Wir empfehlen den Internet Explorer zu aktualisieren oder Google Chrome zu nutzen.

verstanden!