Finanzplanerin gibt Tipps So legt man 200 Euro am besten an

Eine Mitarbeiterin eines Goldhändlers holt Goldbarren aus dem Tresor.
Eine Mitarbeiterin eines Goldhändlers holt Goldbarren aus dem Tresor. © dpa/picture alliance

Geldanlage ist heutzutage schwierig geworden. Vielen Menschen steht der Sinn nach Sicherheit, nur gibt es wegen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank für sicherer Anlagen kaum noch Rendite. Finanzplanerin Stefanie Kühn aus Grafing erklärt, wie man trotzdem 200 Euro im Monat gut anlegen kann.

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Im Interview mit OVB Online erklärt Finanzplanerin Stefanie Kühn, wie man 200 Euro monatlich am besten anlegt. Ihr erster Tipp: Sollten 200 Euro am Monatsende übrig bleiben, sollte man das Geld nicht gleich komplett in die Altersvorsorge investieren. Auch das Aufbauen eines Notfallpolsters, an das man jederzeit herankommt, sei wichtig. „Das sollten drei bis fünf Netto-Monatsgehälter sein.“ Geparkt werden sie auf einem Tagesgeldkonto bei einer Direktbank. Kühn: „Da hat man zumindest den Inflationsausgleich und braucht sich keine Gedanken darüber zu machen, dass das Geld womöglich weniger wert wird.“



Der zweite Tipp: Hat jemand Wohneigentum, sollte man erstmal schauen, ob in Sachen Darlehen alles gut gelöst ist. Sondertilgungen seien gut, gerade wenn man einen älteren Kreditvertrag mit höheren Zinsen zu bezahlen habe. „Da geht der Schuldenabbau immer vor. Gerade, wenn jemand sicherheitsorientiert ist“, sagt Kühn.

Geht es dann an die langfristige Kapitalanlage kommen für Kühn vor allem Aktienfonds ins Spiel, „weil man mit denen noch Rendite erzielen kann“. Sieben Jahre Anlagehorizont sollten es dabei aber mindestens sein, sonst seien Aktien keine gute Anlage. 5 bis 7 Prozent Rendite könnten dann drin sein. „Das Problem bei Aktien ist, man darf sich zwischendurch nicht verrückt machen lassen, wenn die Kurse auch mal nach unten gehen. Das muss man erst einmal lernen“, erklärt Kühn.

Will jemand unbedingt in Renten investieren, empfiehlt die Finanzplanerin Renten-ETFs. „Es gibt Euro-Staatsanleihen-ETFs oder Unternehmensanleihen-ETFs. Das ist besser, als bei relativ kleinen Summen mit einzelnen Anleihen anzufangen.“

Gold als Krisenanlage

Ob denn auch Immobilienfonds sinnvoll seien, fragt die OVB-Journalistin als nächstes. Kühn: „Von geschlossenen Immobilienfonds rate ich dem Kleinanleger grundsätzlich ab. Offene Immobilienfonds sind zwar sehr beliebt, aber ich bin kein Fan davon. Ich stehe ihnen skeptisch gegenüber, weil ich glaube, die Bewertungen der Immobilien haben einen sehr großen Spielraum. Und danach bemisst sich ja letztlich der Preis. Ich halte die Renditen in Relation zum Risiko aber immer noch für zu mau.“

Gold empfiehlt die Finanzplanerin als Beimischung zum Gesamtvermögen. Auch der Kleinsparer könne Gold kaufen, meint sie. mit seinen 200 Euro braucht auf Gold nicht zu verzichten. „Man könnte überlegen, sich einmal im Jahr eine Viertelunze zu kaufen, das wären so 250 bis 300 Euro. Das kann man einige Jahre lang machen, um einen kleinen Bestand aufzubauen.“ Hierbei gehe es aber nicht um die Rendite, sondern nur um eine Absicherung für Krisenzeiten.

Riester für Kinderreiche sehr gut geeignet

Bei Riester-Renten ist Kühn geteilter Meinung. Eine Mutter mit drei Kindern, die nicht erwerbstätig ist oder nur einen 450-Euro-Job hat, sei mit Riester sehr gut bedient. „Diese Mutter bekommt alle Zulagen für die Kinder und bezahlt selbst nur 60 Euro. Es wäre schön blöd, das in diesem Fall nicht zu machen.“ Für alle anderen, sei riestern aber eine Wette auf ein langes Leben und die Rendite sei oft nur mittelmäßig.

Klassische Rentenversicherungen sieht die Finanzplanerin skeptisch: „Die haben alle das gleiche Problem wie private Anleger. In der Niedrigzinszeit ist man in der Klemme, wenn man Sicherheit anbietet.“ Kühn empfiehlt, diesen Bereich zu meiden.
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