Ein Laufband, auf dem man sich bewegt und gleichzeitig arbeitet: Eingeführt im April 2022 im Rahmen des Studentischen Gesundheitsmanagements an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Auch immer mehr Firmen achten auf das Wohlbefinden ihrer Belegschaft. © picture alliance/dpa | Martin Schutt
  • Von Lorenz Klein
  • 13.10.2022 um 15:18
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Beschäftigte, die ihr Unternehmen als besonders verantwortungsvoll empfinden, sind leistungsbereiter, zufriedener und gesünder. Zu dieser Erkenntnis kommt die AOK-Studie „Fehlzeiten-Report 2022“. Die Autoren fordern daher, das betriebliche Gesundheitsmanagement in den Unternehmen auszubauen. Wie es um die Fehlzeiten in der Versicherungsbranche bestellt ist, erfahren Sie hier.

Je verantwortungsvoller die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr Unternehmen empfinden, desto positiver bewerten sie ihre eigene Arbeitsmotivation und Gesundheit. Zu diesem Kernergebnis kommt der aktuelle „Fehlzeiten-Report 2022“. Für die repräsentative Studie befragte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Februar und März 2022 rund 2.500 Erwerbstätige.

Bei Beschäftigten, die ihrem Unternehmen eine besonders hohe Unternehmensverantwortung bescheinigen, geht dies laut der Autoren bei rund 97 Prozent mit einer hohen Leistungsbereitschaft einher. Bei 96 Prozent aus dieser Gruppe ist zudem eine hohe Verbundenheit mit dem Unternehmen sowie bei fast 97 Prozent eine hohe Arbeitszufriedenheit festzustellen.

Umgekehrt sieht man in der Beschäftigtengruppe, die in ihrem Unternehmen eine niedrige Unternehmensverantwortung wahrnehmen, nur bei knapp 77 Prozent eine hohe Leistungsbereitschaft, bei rund 61 Prozent eine hohe Unternehmensverbundenheit und bei 70 Prozent eine hohe Arbeitszufriedenheit.

Weniger Wut und Erschöpfung = weniger Fehlzeiten

Ähnlich eindeutig sind demnach die Zusammenhänge mit Blick auf gesundheitliche Beschwerden. Die Beschäftigtengruppe, die eine hohe Unternehmensverantwortung wahrnimmt, berichtet gleichzeitig über weniger emotionale Belastungen. So empfinden 86 Prozent dieser Gruppe keine oder nur ganz selten Wut und Verärgerung im Arbeitsleben. In der Beschäftigtengruppe, die ihren Unternehmen eine niedrige Verantwortung attestiert, sind es dagegen nur 45 Prozent – ein Unterschied von 41 Prozentpunkten.

Bei psychosomatischen Beschwerden seien die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen ähnlich groß: bei Erschöpfung 30 Prozentpunkte und bei Schlafstörungen 26 Prozentpunkte. „Bei den körperlichen Beschwerden ist die Differenz nicht ganz so extrem, gleichwohl noch deutlich“, teilen die Autoren weiter mit. Bei Rücken- und Gelenkbeschwerden ergibt sich den Daten zufolge ein Unterschied von 21, bei Kopfschmerzen von 20 Prozentpunkten.

Das macht sich auch an den Fehltagen bemerkbar: Beschäftigte, die die Unternehmensverantwortung als gut bewerteten, fehlten in den letzten 12 Monaten krankheitsbedingt 9,7 Tage. Beschäftigte, die die Unternehmensverantwortung als schlecht einstuften, waren dagegen 14,2 Tage krankheitsbedingt arbeitsunfähig.

Das gleiche Bild zeigt sich bei den Auskünften zum Präsentismus: Beschäftigte, die die Unternehmensverantwortung positiv bewerten, arbeiten deutlich seltener gegen den ärztlichen Rat als Beschäftigte, die ihr Unternehmen diesbezüglich negativ bewerten.

Es kommt auf die Führungskräfte an

„Soziale Unternehmensverantwortung beginnt bei den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, deshalb spielen Führungskräfte eine Schlüsselrolle“, stellen die Autoren klar. Dementsprechend bescheinige die Beschäftigtengruppe, die ihrem Unternehmen die höchsten Werte für gesellschaftliches Engagement und fairen Umgang zumisst, auch ihrer Führungskraft mehr positiven Umgang, Stresssensibilität und Gesundheitsorientierung als in der Vergleichsgruppe.

Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO, empfiehlt Unternehmen deshalb, das betriebliche Gesundheitsmanagement zu intensivieren. Ein weiteres Motiv für mehr betriebliche Gesundheitsförderung liefere der Fachkräftemangel. Unternehmen, die ihre soziale Verantwortung nach innen und außen leben, hätten nicht nur in punkto Arbeitsbedingungen, sondern auch ökonomisch die besseren Karten – ein klarer Wettbewerbsvorteil, wie Schröder betont.

Krankenstand in der Versicherungsbranche deutlich unterm Schnitt

Schaut man sich die krankheitsbedingten Fehlzeiten nach Branchen im Jahr 2021 an, so zeigt sich, dass die Branche „Banken und Versicherungen“ unterdurchschnittliche Fehlzeiten aufweist. Hier lagen die Arbeitsunfähigkeiten je 100 AOK-Mitglieder bei 116,0 Fällen – über alle Wirtschaftsbranchen betrachtet sind es 148,9 (siehe Tabelle). Betrachtet man allein die Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen (ohne Sozialversicherung) sind es sogar nur 101,0 Fälle.

Weitere Kennzahlen zum Krankenstand in der Versicherungsbranche und wie sich diese im Laufe der Jahre entwickelt hat, sind hier abrufbar.

Quelle: Fehlzeiten-Report 2022

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

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