Ungerechtigkeit im Job führt bei jedem fünften Mitarbeiter zu Lustlosigkeit und Erschöpfung. © picture alliance/ Zoonar/ Robert Kneschke
  • Von Manila Klafack
  • 02.10.2020 um 12:28
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Empfinden die Mitarbeiter ihren Vorgesetzten als gerecht, fehlen sie seltener bei der Arbeit. Zudem sind sie seltener krank, fühlen sich dem Unternehmen eher verbunden und empfehlen den Arbeitgeber weiter. So lauten die Kernaussagen des „Fehlzeiten-Reports 2020“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOKs (Wido).

Wer sich bei der Arbeit gerecht behandelt fühlt, fehlt seltener im Unternehmen. Zu diesem Fazit kommt der „Fehlzeiten-Report 2020“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOKs (Wido). Bei denjenigen, die ihrem Vorgesetzten die besten Noten für Fairness geben, sind es im Durchschnitt 12,7 Krankentage pro Jahr. Diejenigen, die ihren Chef als ungerecht empfinden, fehlen durchschnittlich 15 Tage.

Nahezu ein Viertel der Beschäftigten, die sich von ihrem Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlen, berichtet demnach über Gefühle der Gereiztheit wie Wut und Ärger (23,3 Prozent), rund jeder Fünfte über Lustlosigkeit (21,2 Prozent), Erschöpfung (19,7 Prozent) oder Schlafstörungen (18,1 Prozent).

Sogar körperliche Beschwerden wie Rücken- und Gelenkschmerzen (25,8 Prozent) oder Kopfschmerzen (10,2 Prozent) kommen laut der Studie häufiger vor. Im Mittel über alle Beschwerden berichteten immerhin 13,0 Prozent dieser Beschäftigten über eine höhere Betroffenheit. Demgegenüber treten diese Beschwerden in der Gruppe, die ihre Führungskraft als fair bewerten, deutlich seltener auf (3,4 Prozent), heißt es weiter.

„Das Handeln von Führungskräften und ihr Umgang mit Beschäftigten beeinflussen das Gerechtigkeitsempfinden der Arbeitnehmerinnen sowie Arbeitnehmer und damit auch deren gesundheitliche Verfassung,“ fasst Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, die Ergebnisse zusammen. Daher seien die Chefs die Zielgruppe im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Bindung an das Unternehmen ist bei Fairness höher

Die Befragung zeige zudem, dass empfundene Fairness des Unternehmens und der Führungskraft mit einer hohen Bindung des Beschäftigten an das Unternehmen einhergehe – sie würden sich gut aufgehoben und dem Betrieb stark verbunden fühlen. Ferne würden sie ihr Unternehmen als Arbeitgeber weiterempfehlen. Das sei in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiges Ergebnis, heißt es weiter. So gelinge es fairen Betrieben eher, hochqualifizierte, selbstständig arbeitende, zufriedene und gesunde Beschäftigte auch dauerhaft an das Unternehmen zu binden.

So seien es eben nicht nur monetäre Aspekte, die Berufstätige dazu bewegen, ihrem Arbeitsplatz die Treue zu halten. Anerkennung, Vertrauen und eine faire Streitkultur seien wichtiger. Doch genau hier haben, so die Studie, viele Unternehmen Nachholbedarf. Jedem zweiten Beschäftigten (46 Prozent) fehlt es derzeit an gerechten Konfliktlösungen. Wertschätzung im Job vermissen 41 Prozent und ein Drittel (33 Prozent) der Befragten bemängelt, dass das Unternehmen nicht hinter dem Personal steht.

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Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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