Der demografische Wandel hat im Jahr 2030 dazu geführt, dass der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) deutlich gestiegen ist. Gleichzeitig wurden Leistungen reduziert und Zuzahlungen für Versicherte erhöht. Auch die GKV-Beiträge für Rentner haben deutlich zugelegt. So werden inzwischen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auf alle Einnahme-Arten fällig, beispielsweise auch auf Mieteinnahmen.

Im Prinzip also beste Voraussetzungen für die private Krankenversicherung (PKV) als Alternative zur GKV. Trotzdem hat die PKV mit einem zunehmend schlechten Ruf zu kämpfen. Immer häufiger liest und hört man von unzufriedenen Kunden, die über Leistungsablehnungen klagen. Oft werden Leistungen nicht oder nur gering erstattet, die von den Krankenkassen voll übernommen oder umfangreicher erstattet werden.

Wie konnte es dazu kommen? Begonnen hatte alles im Prinzip schon Ende der 1990er Jahre. Die Versicherungsbranche hatte zunehmend mit Nachwuchssorgen zu kämpfen. Die Zahl der Versicherungsvermittler nahm immer weiter ab. Betrug die Zahl der eingetragenen Vermittler 2011 noch rund 263.000, so waren es Ende 2018 nur noch 204.000, also rund 60.000 weniger.

Immer weniger Beratungen zur PKV

Aber nicht nur das; die verbliebenen Vermittler trauten sich immer weniger an das Thema PKV heran. „Zu kompliziert, zu hohe Haftungsrisiken, die GKV ist im Rentenalter doch besser als die PKV“, lauteten nur einige der vermeintlichen Gründe, warum die PKV von immer weniger Beratern offensiv und positiv angegangen wurde.

Dieser Trend setzte sich fort. Allerdings sah man dieser Entwicklung in der Branche recht gelassen entgegen, da die Digitalisierung zu dieser Zeit massiv Einzug in den Versicherungsbereich hielt. Es wurden digitale Antrags- und Schadensprozesse und neue individuelle Versicherungsprodukte entwickelt. Einfache Versicherungen wie zum Beispiel Reisekostenversicherungen, kurzfristige Versicherungen für Surfboards, Skier, E-Bikes, konnten mit einer App mit nur drei Klicks versichert werden. Auch in der PKV hatte die Digitalisierung Einzug gehalten. Rechnungs-Apps, Telemedizin und die digitale Krankenakte erleichterten und beschleunigten Vorgänge ungemein.

Tools ersetzen den versierten Berater nicht

Nur eine Sache hatte man nicht berücksichtigt: Erklärungsbedürftige Produkte wie die PKV oder auch die Berufsunfähigkeitsversicherung konnten zwar mittels Vergleichstools korrekt verglichen werden. Auch Leistungsunterschiede wurden in Analysen optisch farblich und textlich markiert. Zusätzlich konnten die Kunden in den Online-Vergleichen weitere Erklärungen zu den Leistungsunterschieden abrufen.

In der Regel bedeutete dies aber für den Kunden, dass er sich in umfangreiche Texte einlesen musste. Zunehmend gab es zwar auch Erklärvideos – diese beinhalteten allerdings eher Themen wie beispielsweise Systemunterschiede zwischen GKV und PKV, Beitragsentwicklungen, oder sie erklärten Tarifhighlights wie Wechseloptionen, Beitragsrückerstattungen oder hohe Zahnleistungen.

Das was früher fachlich versicherte PKV-Berater konnten, vermochten die digitalen Tools allerdings nicht; nämlich Leistungsunterschiede und Kostenrisiken zwischen PKV-Tarifen den Kunden so einfach und verständlich zu erklären, dass diese erkannten, warum es sinnvoll ist, für einen hochwertigen PKV-Tarif gegebenenfalls 80 bis 100 Euro mehr im Monat zu investieren. Diese Unterschiede waren für die Kunden in den Online-Vergleichstools nicht erkennbar. So entschied sich der Kunde ohne fachliche Beratung in der Regel für einen preisgünstigen Tarif. Denn Zahnersatz, Sehhilfen, Heilpraktiker, Chefarzt und Rückerstattung boten auch diese.