ESMA-Chef Steven Maijoor. © picture alliance / dpa | Olivier Hoslet
  • Von Juliana Demski
  • 29.09.2020 um 11:55
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Derzeit steht die Finanzmarktrichtlinie Mifid II aus dem Jahr 2018 auf dem Prüfstand. In einem Interview gab der Chef der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), Steven Maijoor, Einblicke in den Stand der Dinge. Unter anderem sei auch ein „generelles Provisionsverbot“ nicht auszuschließen, sagt er .

Seit dem 3. Januar 2018 gibt es die Finanzmarktrichtlinie Midif II nun schon – doch seit März dieses Jahres kümmert sich die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtbehörde (ESMA) um eine Überarbeitung der Vorschriften. Dabei gehe es unter anderem darum, „die Kommunikation zwischen Beratern und Anlegern“ zu verbessern, erklärte kürzlich ESMA-Chef, Steven Maijoor, dem Finanzmagazin „Fonds professionell“.

Bislang mussten Finanzberater ihre Kundengespräche nur in Papierform dokumentieren und zur Verfügung stellen. Laut Maijoor soll das bald anders werden: „Wir haben nun vorgeschlagen, dass künftig so viele Informationen wie möglich rein elektronisch dokumentiert und übermittelt werden sollen“, so der ESMA-Chef gegenüber dem Magazin.

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„Darüber hinaus sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Anlegern im Fall von telefonischen Transaktionen die Ex-ante-Kosteninformation auch während des Gesprächs oder zügig nach dem Telefonat übermittelt werden darf“, fügte er hinzu. Auch hier gebe es Spielraum für eine weitere Mifid-II-Verbesserung.

Zudem sprach er im Interview an, vor allem in Deutschland immer wieder zu hören, „dass die Aufzeichnungspflicht das größte Problem ist, das Mifid II mit sich gebracht hat.“ In anderen EU-Staaten würden die Menschen das sogenannte Taping weitaus weniger kritisieren.

„Es ist wichtig, zu verstehen, dass das Taping einen echten Nutzen hat“, kommentiert Maijoor im Interview. Nur so sei es wirklich möglich, auch nach einem Beratungsgespräch noch nachzuvollziehen, was beide Parteien genau gesagt und vereinbart hätten. Auch könnten die Bänder im Zusammenhang mit Untersuchungen wegen Marktmissbrauchs verwendet werden, so der ESMA-Chef weiter.  

Zum Thema Provisionen sagte Maijoor im Gespräch mit „Fonds professionell“:

„Ein generelles Provisionsverbot ist auf jeden Fall eine Option, die in Erwägung zu ziehen ist.“ Denn: Ein Vertriebsmodell, das Provisionen nicht verbiete, bei dem Banken und Berater jedoch nachweisen müssten, ob und wie sie im Rahmen einer Verbesserung der Servicequalität verwendet würden, verursache ein Vielfaches an Verwaltungsaufwand. Auch falle auf, „dass die Länder, in denen Provisionen bereits verboten sind, typischerweise auch die sind, in denen Kunden über effiziente Finanzprodukte verfügen, die mit niedrigeren Kosten belastet sind“, so Maijoor weiter.

„Daher haben wir der EU-Kommission empfohlen, eine detaillierte Studie zu diesem Thema zu erstellen“, kündigte der ESMA-Chef im Interview an. Bis die Mifid-II-Evaluation vollständig abgeschlossen sei, werde es aber noch eine Weile dauern. Zwar sei die ESMA mit Teilen der Richtlinie bezüglich des Anlegerschutzes bereits fertig. Der weitaus größere Teil der Vorschriften, die den Kapitalmarkt beträfen, stünde allerdings noch aus. Maijoor: „Sie fragen, wann die Änderungen in Kraft treten? Nun, das muss die Kommission entscheiden.“

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Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

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