Das Wasser für unterwegs am besten in eine Glasflasche umfüllen - alternative in eine BPS-freie Plastikflasche. © picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose
  • Von Manila Klafack
  • 23.07.2021 um 08:32
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Plastik ist nicht nur problematisch, wenn es weggeworfen wird. Auch wenn wir es nutzen, zum Beispiel aus einer Plastikflasche trinken, können wir Schadstoffe aufnehmen. Die enthaltenen Weichmacher etwa wirken wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen – und das kann unterschiedliche Folgen haben.

Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel und bereits vormittags zeigt das Thermometer über 20 Grad. Der Strand ruft. So machen sich viele Urlauber an Nord- und Ostsee oder am Mittelmeer mit ihren Flip-Flops auf den Weg. Am Wasser angekommen, werden die Kinder mit Schwimmflügeln, Taucherbrille und Luftmatratze versorgt und ab geht’s ins kühlende Meer.

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Zum Trinken zwischendurch gibt es Wasser aus der Plastikflasche und zum Mittag gehört auch schon mal ein Bier dazu – gerne aus dem Plastikbecher. Für viele ist das der perfekte Urlaubstag. „Dabei lauern in all dem Plastik, das wir hier nutzen, unterschätzte Gefahren“, sagt Gesundheitsexperte Joachim Haid. Denn das Plastik enthält meist Weichmacher, die sogenannten Phthalate, vor allem das Bisphenol A (BPA) ist vielen ein Begriff. Was ist daran nun problematisch? Diese chemische Verbindung wirkt bereits in geringen Mengen auf den Körper ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen.

Weichmacher wirken östrogenartig im Körper

„Diese Weichmacher bringen das körpereigene Hormonsystem durcheinander. Das kann fatale Folgen haben“, warnt Haid. Der Hormonspiegel beim Mann verschiebe sich vom eher männlichen Hormon Testosteron hin zu mehr Östrogen. „Wenn der Mann zusätzlich zu vielen Weichmachern auch noch gern und regelmäßig ein Bier trinkt, nimmt er über den darin enthaltenen Hopfen weitere östrogenartig wirkende Substanzen auf“, so Haid.

Bei Frauen sei der Testosteron-Gehalt zwar grundsätzlich geringer, aber ein weiterer Östrogenüberschuss wirke sich auch bei ihnen negativ aus. „Wenn Frauen sich antriebslos und müde fühlen und die notwendige Motivation fehlt, kann das an einem Testosteronmangel, verursacht durch Phthalate liegen“, erklärt der angehende Heilpraktiker.

Bei Mädchen kann das zu einer früheren ersten Periode führen

Das sei unter anderem ein Grund dafür, dass bei Mädchen heutzutage die erste Periode viel eher einsetze als früher, so Haid. Bereits mit 10 oder 11 Jahren statt noch vor wenigen Jahrzehnten mit 13 oder 14 Jahren tritt immer häufiger die erste Monatsblutung auf. „In dem Zusammenhang forschen Wissenschaftler daran, ob beziehungsweise inwiefern eine Kausalität zu einem erhöhten Risiko besteht, an Eierstockkrebs zu erkranken“, sagt Joachim Haid.

Zusätzlich zum Plastik nehmen wir über Lebensmittel Phytoöstrogene, etwa über Produkte mit Soja sowie über das Leitungswasser zusätzlich Rückstände von Hormonen auf. Über den Wasserkreislauf gelangen sie zudem in die Gewässer – und darüber wieder in unsere Lebensmittel. So summieren sich die vielen kleinen Einheiten schnell.

Tipps zum Vermeiden von der Aufnahme von zu viel Weichmachern

„Ganz vermeiden, lässt sich die Aufnahme der Weichmacher durch unsere Nahrung und unseren Lebensstil nicht. Doch wir können zumindest weniger aufnehmen“, betont Haid. Dazu gehöre, wenn möglich, Glasflaschen für die Getränke zu verwenden. Das wiederum ist vor allem bei Auslandsreisen nicht ganz einfach.

„Wenn ich zum Beispiel im Urlaub in Italien oder in der Türkei nicht darum herumkomme, das Wasser aus einer Plastikflasche zu trinken, empfehle ich, es für unterwegs in andere Flaschen, entweder Glas oder Plastik, das BPA-frei ist, umzufüllen“, rät Haid. Getränkeflaschen sollten grundsätzlich nicht im Auto gelassen und nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden.

Plastik nicht in die Sonne stellen

„Beim Erwärmen der Flasche können sich Partikel aus der Flasche lösen und ins Wasser gelangen. Ähnliches gilt für das UV-Licht“, begründet Haid, der auch auf Ernährungsberatung spezialisiert ist. Das sicherste sei hier die Glasflasche. „Wenn sich bei Getränkeflaschen die Kunststoffteilchen in Wärme und unter Sonnenlicht in das Getränk ablösen können, geschieht das auch bei Flip-Flops, die wir den ganzen Tag tragen oder bei der Luftmatratze, auf der wir liegen“, sagt der Gesundheitsexperte. Sein Rat lautet daher, auf entsprechend schadstofffreie Produkte zu achten. 

Und noch einen Tipp für Camper oder Selbstversorger in der Ferienwohnung hat der Münchener parat: „Die innere Beschichtung in Konserven kann sich durch den Kontakt mit dem Inhalt ablösen. Bei Nahrungsmitteln aus der Dose ist es ratsam, sie wenn möglich in einem Sieb mit reichlich Wasser abzuwaschen.“

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Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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