Erstaunliche Entwicklung Unterschiede zwischen Arm und Reich nehmen gar nicht zu

Michael Hüther ist Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW).
Michael Hüther ist Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW). © IW

Angeblich werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Doch die Einkommensschere geht nicht weiter auf, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln festgestellt.

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Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat nachgerechnet: Nach Jahren der Lohnzurückhaltung steigen die realen Bruttolöhne in Deutschland wieder stark an. Blickt man genauer auf die Zahlen, stellt man fest, dass die Unterschiede in den Einkommen aus zwei Gründen zurückgehen: Die unteren 10 Prozent der Vollzeitbeschäftigten haben im Zeitraum 2009 bis 2013 am stärksten zugelegt: Sie konnten sich über einen Zuwachs von 6,6 Prozent ihrer Löhne freuen. Gleichzeitig stiegen die Einkommen der reichsten 10 Prozent der Bevölkerung im selben Zeitraum nur um 2,8 Prozent, so die IW-Experten.



Insgesamt haben die Löhne seit 2012 real stärker zugelegt als die Arbeitsproduktivität. Eine Entwicklung, die auch Probleme mit sich bringen kann, meint IW-Direktor Michael Hüther: „Die steigenden Kosten für die Unternehmen können die wirtschaftliche Dynamik dämpfen“.

Er erläutert das Problem folgendermaßen: Die Nettoeinkommen der Gesamtbevölkerung – also die Summe aller Erwerbs- und Kapitaleinkommen nach staatlichen Abgaben und zuzüglich Renten und Sozialtransfers – seien nahezu so gleich beziehungsweise ungleich verteilt wie 2005. Damit liegt Deutschland im Europavergleich im besseren Mittelfeld.

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Dass, anders als vielfach vermutet, die Vermögensungleichheit in Deutschland zuletzt nicht weiter zugenommen habe, dazu trug vor allem die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt bei. Seit 2006 erhöht sich der Anteil der Normalarbeitsverhältnisse an der erwerbsfähigen Bevölkerung immer weiter. Mit 46,5 Prozent lag er im vergangenen Jahr auf dem höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Der Anteil der befristet Beschäftigten liegt bei rund 10 Prozent und ist seit Jahren rückläufig.

IW-Chef Hüther sagt: „Politik und Gesellschaft sollten die positiven Seiten der wirtschaftlichen Entwicklung wahrnehmen und nicht alles schwarz malen“. Insgesamt gehe es den Deutschen inzwischen besser als noch vor zehn Jahren. „Dazu haben nicht zuletzt erfolgreiche Reformen wie die Agenda 2010 beigetragen.“
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