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Ergo-Deutschlandchef über Run-off-Pläne Kassow lehnt „schnellen Deal“ ab

Achim Kassow ist Vorsitzender des Vorstands der Ergo Deutschland: „Noch gibt es keine Entscheidung“, betont der promovierte Wirtschaftswissenschaftler im Interview mit dem Handelsblatt.
Achim Kassow ist Vorsitzender des Vorstands der Ergo Deutschland: „Noch gibt es keine Entscheidung“, betont der promovierte Wirtschaftswissenschaftler im Interview mit dem Handelsblatt. © Ergo

„Herausfordernd, schwierig, komplex“ – für Ergo-Deutschlandchef Achim Kassow erweist sich der mögliche Verkauf der Konzerntöchter Ergo Leben und Victoria als Feuerprobe. Erstmals hat er sich in einem ausführlichen Interview zu Risiken und Nebenwirkungen eines künftigen Run-off-Deals geäußert. Darin wirbt er bei Kunden und Belegschaft um Geduld und Verständnis – und stellt klar, dass es keinen Verkauf um jeden Preis geben werde.

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Seitdem die Ergo Versicherung Ende September angekündigt hat, einen Verkauf von sechs Millionen Lebensversicherungsverträgen der Ergo Leben und der Victoria in Erwägung zu ziehen, ist die deutsche Versicherungsbranche gehörig in Aufruhr. So warnen etwa Verbraucherschützer vor einem Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Institution Lebensversicherung.

Für Ergo-Deutschlandchef Achim Kassow ist und den Düsseldorfer Versicherungskonzern sei dies „eine herausfordernde Zeit“, wie er in einem aktuellen Interview mit dem Handelsblatt einräumt. Darin ist er sichtlich darum bemüht, die Wogen zu glätten – bleibt zugleich aber im Ungefähren.  „Wir sind in einer Phase, in der wir nachdenken, aber nichts Belastbares sagen können, außer: Natürlich werden wir den Interessen von Kunden, Eigentümern, Mitarbeitern und Vertriebspartnern bestmöglich bei unserer Entscheidung Rechnung tragen.“

Kassow geht es nicht um einen „schnellen Deal“

Damit geht Kassow auf den Unmut ein, der sich im Zuge der Run-off-Diskussion unter der Belegschaft breit gemacht hat. So haben manche Arbeitnehmer ihren Unwillen über das Management in einer Petition zum Ausdruck gebracht. Im Interview tritt der Deutschlandchef nun einem „grundsätzlichen Vorwurf“ entgegen, der ihm bei der Diskussion immer wieder begegne, so Kassow. Dieser laute, dass man doch die langfristigen Kundenbeziehungen „nicht für einen schnellen Deal aufs Spiel setzen“ dürfe. „Das tun wir auch nicht“, stellte der Manager klar – und fügte hinzu: Wenn man zu der Erkenntnis komme, „dass die Hürden zu hoch sind, werden wir es nicht machen“. Allerdings könne das Management auch „nicht die Augen zumachen und sagen, wir sehen nicht, was da kommt.“

„Noch gibt es keine Entscheidung“

Auf die Frage, ob man es notfalls mit den Arbeitnehmern im Aufsichtsrat auf eine Kraftprobe ankommen lasse, gab sich Kassow abwartend. Erst einmal müsse man „das Ergebnis von Phase eins betrachten“, dann sehe man weiter. „Noch gibt es keine Entscheidung“, ergänzte der promovierte Wirtschaftswissenschaftler.

Dabei hält es der Ergo-Manager auch für möglich, einen Verkauf zu verwerfen. „Dann ist das auch ein klares Statement“, so Kassow. Die Prüfung, ob man den Verkaufsprozess „mit einigen ernsthaften Interessenten“ weiterverfolgen werde, soll demnach „voraussichtlich mindestens bis Ende November dauern“. Ob man aber tatsächlich in eine „Transaktionssituation“ hineinkomme, so der Manager, werde länger brauchen. „Hierzu würden wir auch einen intensiven Dialog mit der Aufsicht führen“, sagte Kassow.

Es gehe dabei auch darum, zu erwägen, wie eine solche Transaktion dem Kunden zu vermitteln wäre. So spiele es für den Kunden „eine zentrale Rolle, wer ein möglicher neuer Eigentümer sein wird und welche Interessen er verfolgt. Das muss man sorgfältig analysieren und bewerten“, erklärte der Ergo-Deutschlandchef.

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