Herausforderung und Chance liegen oft dicht beieinander – das ist auf dem deutschen Altersvorsorgemarkt nicht anders. Viele herausfordernde Trends können Vermittler in Beratungschancen ummünzen. © rawpixel.com / Freepik.com
  • Von Karen Schmidt
  • 30.08.2021 um 09:10
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Die Senkung des Rechnungszinses, der Auftrieb nachhaltiger Geldanlagen und die Corona-Pandemie wirken sich deutlich auf den Markt für Altersvorsorgeprodukte und die Beratung in diesem Bereich aus. Das zeigt die aktuelle Pfefferminzia-Leserumfrage.

Aktuell wirken viele verschiedene Effekte und Trends auf den Altersvorsorgemarkt hierzulande ein. Und das hinterlässt seine Spuren, wie die Ergebnisse der Umfrage unter unseren Lesern zeigen. Knapp 100 Vermittler und Makler machten mit und beantworteten unsere 16 Fragen rund um das Thema Altersvorsorge.  

Grob kann man diese Effekte in drei Bereiche einteilen. Da ist erstens die Senkung des Höchstrechnungszinses zum 1. Januar 2022. Das Bundesfinanzministerium hat auf Anraten der Deutschen Aktuarvereinigung beschlossen, dass dieser Zins im neuen Jahr für Neuverträge von aktuell 0,9 auf dann 0,25 Prozent heruntergeschraubt werden soll. Damit reagiert die Politik erneut auf das nun schon mehr als ein Jahrzehnt anhaltende Niedrigzinsumfeld, das es unter anderem den Versicherungsgesellschaften hierzulande schwer macht, rentierlich in sichere Anlagen zu investieren. So weit, so nachvollziehbar.  

Dieser Schritt wird aber eben Folgen für den Markt haben, glauben unsere Leser. So geben rund 71 Prozent der Befragten an, dass die Politik mit diesem Schritt das Ende der 100-prozentigen Beitragsgarantie einläuten wird. Und nicht nur das. Produkte, bei denen eine solche Garantie Pflicht ist – nämlich bei der Riester-Rente und in Teilen der betrieblichen Altersversorgung (bAV) –, könnten als Folge vom Markt verschwinden. Auch hier glauben gut 71 Prozent unserer Leser, dass Riester und die bAV vor erheblichen Problemen stehen werden, wenn der Gesetzgeber die Garantien nicht noch lockert. Die ersten Versicherer haben schon angekündigt, sich aus diesen Produkten zurückzuziehen. 

1) Mehrfachnennungen möglich 2) Altersversorgung 3) Rentenversicherung Quelle: Pfefferminzia-Leserumfrage 2021; Illustrationen: Freepik / www.flaticon.com, Freepik, rawpixel.com / Freepik

Andere Produkte werden durch die Garantiezinssenkung dagegen wohl einen weiteren Schub bekommen. Die Fondspolice etwa. Fast drei Viertel unserer Leser erwarten, dass sie noch einmal mehr in den Fokus der Menschen rücken wird. Das scheint auch nicht verwunderlich, wir fragten unsere Leser nämlich auch, welche Kriterien ihren Kunden bei einem Altersvorsorgeprodukt besonders wichtig seien. An erster Stelle liegt unangefochten mit rund 82 Prozent die gute Rendite beziehungsweise Verzinsung. An zweiter Stelle folgt Flexibilität mit knapp 65 Prozent vor der Beitragsgarantie auf Platz 3 mit rund 49 Prozent. Wie beraten Vermittler Kunden, die sich Garantien in ihren Altersvorsorgeprodukten wünschen? Nun, knapp 60 Prozent unserer Leser weisen ihre Kunden darauf hin, dass sie mit Garantiepolicen ihre Anlageziele meist nicht erreichen können. 55 Prozent beachten die gesetzliche Vorgabe des Versicherungsvertragsgesetzes, wonach sie den Kunden nach dessen Anlageziel und Risikotoleranz beraten müssen. Da dies im aktuellen Zinsumfeld nicht wirklich funktioniert, muss der Kunde sich in der Beratung dann zwischen Anlageziel oder Risikotoleranz entscheiden. Rund 41 Prozent vermitteln dem Kunden eine Garantiepolice, wenn er eine haben möchte; und rund ein Drittel versucht, den Kunden auf renditeträchtigere Produkte hinzuweisen.

Der zweite wichtige Effekt, der momentan auf die Altersvorsorge wirkt, ist die Corona-Pandemie. Und diese hat durchaus positive Effekte. So stellt fast die Hälfte der befragten Leser fest, dass sich durch die Pandemie der Bedarf an Beratung erhöht hat. Und 34 Prozent geben an, dass sich die Kunden nun mehr Gedanken um ihre Altersvorsorge machen. Haben Kunden reihenweise ihre Verträge gekündigt während der Pandemie? Auch das ist bei unseren Lesern mehrheitlich nicht der Fall. Gut 62 Prozent antworten auf diese Frage mit „Nein“, rund 16 Prozent mit „Ja“ – beim Rest bewegen sich die Kündigungen im sonst üblichen Ausmaß. 

 

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Karen Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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