Menschen orientieren sich oft an der Lebensdauer ihrer Eltern oder Großeltern. Doch der Vergleich führe in die Irre, meint die GDV-Initiative "7 Jahre länger". © Initiative "7 Jahre länger" - GDV
  • Von Lorenz Klein
  • 09.09.2019 um 10:00
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Wenn ihre private Rentenversicherung fällig wird, wählen laut Umfragen zwei Drittel der Kunden eine Einmalzahlung statt eine lebenslange Rente. Die Verrentung sei zu Unrecht verpönt, meint die Initiative „7 Jahre länger“, die vom Versicherungsverband GDV getragen wird. Warum man dort von einer baldigen Sinneswandel ausgeht, erfahren Sie hier.

Eine private Rentenversicherung zahlt so lange, wie der Kunde lebt, auch wenn das ersparte Guthaben rechnerisch betrachtet bereits aufgebracht wäre. „Möglich wird das durch die Absicherung des Todesfallrisikos im Kollektiv“, erklärt die Initiative „7 Jahre länger“, die vom Versicherungsverband GDV getragen wird. Ein Versicherer kalkuliere die monatliche Rente für seine Kunden auf Basis der geschätzten mittleren Lebenserwartung. Die sei zwar nur ein Mittelwert, und es gebe „etliche Versicherte, die länger leben“, so die Initiative, doch umgekehrt gebe es Menschen, die früher sterben als der Durchschnitt. „Das dadurch frei werdende Vermögen nutzt der Versicherer, um die Renten für die besonders Langlebigen zu finanzieren“, heißt es weiter.

Doch das Konzept scheint viele Kunden nicht recht zu überzeugen. Warum dem so ist, führt der Finanzwissenschaftler Jochen Ruß unter anderem darauf zurück, dass viele Policeninhabern ihren Angehörigen im Falle des Todes etwas vererben wollen. Das jedoch sei bei der Rentenversicherung nur begrenzt möglich, wird Ruß zitiert. Zwar lasse sich in den Verträgen eine Todesfallleistung für die Hinterbliebenen vereinbaren, im Kern diene das Produkt aber der finanziellen Absicherung des eigenen Ruhestands. „Die Rentenversicherung ist, wie der Name schon sagt, eine Versicherung – und zwar gegen das Risiko, länger zu leben, als das Geld reicht“, betont Ruß gegenüber der Initiative.

Hinzu komme, dass die Deutschen ihre Lebenserwartung, je nach Quelle um fünf bis sieben Jahre unterschätzten, weil sie sich oft zu Unrecht an der Lebensdauer ihrer Eltern oder Großeltern orientierten. „Jede Generation lebt im Schnitt etwa fünf Jahre länger als die vorherige“, wird GDV-Funktionär Peter Schwark zitiert. Ein heute 60-jähriger Mann habe immerhin eine Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent, noch seinen 90. Geburtstag zu feiern, heißt es weiter im Bericht der Initiative.

Verrentung in Zukunft wichtiger?

Die Versicherungswirtschaft geht immerhin davon aus, dass die Verrentung in Zukunft noch wichtiger werde aufgrund der demografischen Entwicklung. Diese setze die Sozialsysteme unter Druck. Das Rentenniveau – das Verhältnis von Durchschnittsrente zu Durchschnittsverdienst – sei seit 2000 bereits von 53 auf 48 Prozent gefallen, und „dürfte langfristig weiter sinken“, so die Annahme.

Daraus folge, dass dem Sparen fürs Alter eine andere Bedeutung zukomme. „Private Altersvorsorge wird in Zukunft von vielen nicht mehr für die Finanzierung von Extras, sondern zur Sicherung des gewünschten Lebensstandards im Alter benötigt“, wird Wissenschaftler Ruß zitiert. Es gehe dann eher darum, das Geld für Miete, Nahrungsmittel, Kleidung oder den kleinen Urlaub zu haben. Und das dauerhaft. „Jeder Mensch, der lebenslange Ausgaben hat, braucht ein lebenslanges Einkommen“, so Ruß gegenüber der Initiative.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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