Dramatische Unterversorgung an Pflegepersonal „Bis 2030 werden 500.000 Pflegekräfte fehlen“

Andreas Westerfellhaus ist Präsident des Deutschen Pflegerats.
Andreas Westerfellhaus ist Präsident des Deutschen Pflegerats. © Deutscher Pflegerat

Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerats, spricht im Interview über die neue Pflegereform und die katastrophale Situation in Krankenhäusern und Altenheimen.

| , aktualisiert am 17.12.2015 17:07  Drucken
Die neuerliche Pflegereform hält Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerats, prinzipiell für gelungen. Im Interview mit dem Deutschlandradio betont er, dass der Paradigmenwechsel von einer Defizitorientierung hin zu einer Ressourcenorientierung genau der richtige Ansatz sei. Jetzt stehe im Vordergrund, was der Mensch noch kann und wie man ihn am besten fördert.

Dass im Zuge der Reform der Pflegebeitrag um 2,5 beziehungsweise 2,8 Prozent steigen wird, hält der Experte für richtig. „Ich glaube, wir müssen in einer Gesellschaft, in der man damit konfrontiert wird, immer mehr Menschen vorzufinden, die eine Pflegebedürftigkeit haben, diese Unterstützung benötigen, auch die Frage beantworten: Was ist uns das wert und wie wollen wir das finanzieren?“ Spätestens derjenige, der von dieser Situation betroffen sei, sei auch bereit, dieses Geld zu bezahlen.

Viel zu wenig Pflegepersonal

Was Westerfellhaus allerdings kritisiert ist, dass es nicht genügend qualifiziertes Personal gebe, um den Mehraufwand an Pflege durch die Reform zu decken. „Wie wollen wir eigentlich in der Zukunft mit dem sowieso schon bestehenden Fachkräftemangel umgehen? Und wer bitte soll diese Leistungen erbringen? Wenn wir diese Frage aus der Politik nicht beantwortet bekommen, dann ist die Enttäuschung über diese Reform vorprogrammiert“, so der Pflegerats-Präsident.

Und weiter: „Wenn ich Menschen erkläre, sie müssen für eine zukünftige Leistung mehr Geld bezahlen über die Pflegeversicherung und sie haben einen Rechtsanspruch auf eine andere Form von Einstufung und auch auf Leistung – ihnen dann allerdings erklären muss, dass das Personal leider Gottes dafür fehlt, dann ist das aus meiner Sicht eine Bankrotterklärung.“

25 statt 17 Patienten pro Tag

Analysen würden zeigen, dass bis zum Jahr 2030 in der Pflegeversorgung bis zu 500.000 Menschen fehlen könnten, so der Experte. Heute seien es schon 30.000 Altenpfleger zu wenig. Vor zwölf Jahren habe eine ambulante Pflegekraft pro Tag im Schnitt 17 Patienten besucht, heute seien es schon 25.

Westerfellhaus: „Es kann doch nicht sein, dass diejenigen, die dafür eintreten, für diese verantwortungsvolle Leistung in der Gesellschaft, letztendlich selbst diejenigen sind, die abstürzen und krank werden.“
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