Ob Friseurgeschäft oder Café: Frauen betreiben häufig Geschäfte, die von der Corona-Krise mit voller Wucht getroffen wurden. © picture alliance / empics | Victoria Jones
  • Von Achim Nixdorf
  • 15.04.2021 um 10:28
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Unter den Selbstständigen trifft die Corona-Krise Frauen erheblich stärker als Männer. Das geht aus einer Studie des DIW hervor. Danach müssen Frauen deutlich häufiger Einkommensverluste hinnehmen und leiden auch stärker unter psychischen Belastungen.

Die rund 4,2 Millionen Selbstständigen in Deutschland haben in der Corona-Pandemie häufiger Einkommenseinbußen hinnehmen müssen als abhängig Beschäftigte, die meist über das Kurzarbeitergeld abgesichert sind. Selbstständige Frauen hat es dabei nochmals härter getroffen als ihre männlichen Kollegen.

Während sich bei rund 47 Prozent der männlichen Selbstständigen das Einkommen verringerte, waren es bei den Frauen etwa 63 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Die Studie hat untersucht, inwieweit es bei den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise geschlechtsspezifische Unterschiede gibt.

„Die Pandemie trifft vor allem jene Wirtschaftszweige, die physische Nähe erfordern und bei denen deshalb die Kontaktbeschränkungen einschneidender sind. Dazu zählen beispielsweise die Kultur- und Kreativbranche, das Gastgewerbe, der Handel oder persönliche Dienstleistungen wie etwa Friseursalons. Und in diesen Branchen gibt es überproportional viele weibliche Selbstständige“, erklärt Studienautor Johannes Seebauer. „Die Eindämmungsmaßnahmen der Pandemie treffen selbstständige Frauen daher mit einer rund 60 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als selbstständige Männer.“

Frauen häufiger psychisch belastet

Die Studie zeigt aber auch, dass sich die negativen Auswirkungen der Pandemie bei Selbstständigen nicht allein auf finanzielle Einbußen beschränken, sondern auch psychisch stark belastend sein können. Und auch hier sind Frauen wieder stärker betroffen als Männer. Im Vergleich zur Situation vor der Krise hätten Depressions- und Angstsymptome bei ihnen deutlich zugenommen.

„Wir riskieren, dass sich vor allem Frauen von der Selbstständigkeit abwenden, wenn sie finanziell und psychisch so viel stärker betroffen sind – besonders wenn sie sich zugleich durch politische Maßnahmen zu wenig unterstützt fühlen“, fürchtet Alexander Kritikos, ein weiterer Autor der Studie.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe sich die Bereitschaft von Frauen zur Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit positiv entwickelt. Ihr Anteil sei von gut einem Viertel auf zuletzt 34 Prozent gestiegen. Dieser Trend könne sich nun umkehren – und vielen Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit nehmen.

„Erforderlich wäre eine verlässliche Hilfe“

Das DIW fordert daher von der Politik „ein einziges, fortlaufendes Hilfsinstrument für Selbstständige, das in Monaten mit großen Umsatzverlusten eine verbindliche und verlässliche finanzielle Unterstützung gewährt.“

Die derzeit existierende Vielzahl von Programmen empfänden viele Selbstständige als irritierend und unzureichend. Außerdem seien die meisten Hilfen auf die Erstattung fixer Betriebskosten beschränkt, was die Einkommenseinbußen nicht abfedere. „Erforderlich wäre“, so Kritikos, „gerade für die von den Pandemie-Beschränkungen stark betroffenen Bereiche und damit für viele selbstständige Frauen eine verlässliche Hilfe, die auch einen Teil der Lebenshaltungskosten mit abdeckt.“

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Achim Nixdorf

Achim Nixdorf ist seit April 2019 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

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