Verbraucher in Lübeck sind auf dem Weg in ihr Ikea-Einrichtungshaus: Der Möbelbauer verfügt über viele Kontaktpunkte zum Kunden. © Axel Heimken/dpa
  • Von Redaktion
  • 24.03.2020 um 15:29
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Ikea wagt sich in Singapur und der Schweiz in den Versicherungsmarkt vor. Warum das auch die deutschen Versicherer etwas angeht, berichtet René Schoenauer, Direktor Produktmarketing EMEA bei Guidewire Software, in seinem Gastbeitrag.

Eine Haushaltsversicherung kennt man im deutschen Markt bislang noch nicht. Anders sieht es in Singapur und in der Schweiz aus. Hier kann man auf der Website des schwedischen Möbelhauses Ikea einen Vorgeschmack dessen bekommen, was vielleicht auch in Deutschland bald im Angebot sein dürfte: Hemsäker. Das Produkt, dessen Name sich aus „sicher“ und „Zuhause“ zusammensetzt, hat der Möbelbauer mit dem Versicherer iptiQ, einer Tochter der Swiss Re, entwickelt und wendet sich mit der Mischung aus Hausratversicherung und Privathaftpflicht nun gezielt an Kunden.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Ikea im Versicherungssektor ausprobiert. Bereits 2014 wandten sich die Schweden mit dem Produkt „Omifall“, einer Unfall- und Krankenversicherung für Kinder und Schwangere an die heimischen Kunden. Hemsäker ist demnach der zweite Versuch, eine Versicherung auf den Markt zu bringen, die die klassischen Ikea-Kunden – Singles, junge Paare und Familien mit Kindern – anspricht.

Über den Kundenzugang von Ikea lässt sich die maßgeschneiderte Hausratversicherung in Kombination mit einer Privathaftpflicht sehr schnell und einfach von jedem digitalen Gerät aus abschließen. Der Ansatz des Möbelriesen: Nutzer können einen vermeintlich komplizierten Vorgang schnell und bequem mit einem vertrauten Partner erledigen und sich dann wieder auf das eigentliche Leben konzentrieren. Ein kluger Schachzug, der gerade in den jüngeren Zielgruppen auf Interesse stoßen und die Kundenbindung weiter stärken dürfte.

Ein Versicherer, der für positive Momente im Leben steht

Was die Versicherungsbranche aktuell zusätzlich beunruhigen dürfte, ist der Zugang, den Ikea zu potenziellen Versicherungskunden hat, da die Kundenstruktur eher aus einer jüngeren Klientel besteht. Im Unterschied zu klassischen Versicherungsanbietern im Bereich Haftpflicht und Hausrat bestehen auch regelmäßige Kontaktpunkte zu den Kunden. Einmal im Jahr landet der Katalog des Möbelhauses im Briefkasten, viele Kunden sind IKEA-Clubmitglieder oder haben den Newsletter abonniert. Hinzu kommen dann noch Besuche in den Niederlassungen, die das Leben der Menschen sichtbar beeinflussen. Der neue Player im Markt hat damit genau das, was den klassischen Versicherern – die nur im Falle des Versicherungsabschlusses und dann wieder im Schadenfall sichtbar werden – fehlt: eine positive und kontinuierliche Kundenkommunikation und eine umfassende Datenbasis zu Kaufverhalten und -präferenzen.

Damit ist Ikea viel näher dran an potenziellen Versicherungsnehmern – genau wie zum Beispiel Amazon, das im letzten Jahr sein Engagement im Bereich Versicherungen auf dem britischen Markt ankündigte.

Der Versicherer mit den richtigen Ersatzteilen

Was Ikea im Gegensatz zu Amazon noch bieten kann, ist die unmittelbare Nähe zum Thema Wohnen. Das Unternehmen verfügt über ein fast komplettes Produktsortiment im Bereich Hausrat und kann über seine Lieferketten auch schnell Ersatzteile im Schadensfall anbieten – ein Alleinstellungsmerkmal, das nicht zu unterschätzen ist.

Sollte ein Versicherungsnehmer sich für eine Ikea-Versicherung entscheiden, besitzt er vermutlich bereits eine Billy-Bibliothek oder andere Produkte des schwedischen Anbieters. Es könnte damit auch naheliegen, im Falle eines Schadens seine Küche bei Ikea neu zusammenzustellen. So könnte das Unternehmen quasi doppelt profitieren.

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