Philip Wenzel ist Versicherungsmakler und Biometrie-Experte. © Doris Köhler
  • Von Philip Wenzel
  • 18.05.2022 um 12:13
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Technik ist toll und erspart viel Arbeit. Es gibt aber auch Grenzen, findet Versicherungsmakler Philip Wenzel. Produktvergleich und Beratung sollten zum Beispiel immer in Maklers Hand liegen, findet er. Die Gründe erklärt der Biometrie-Spezi in seiner neuen Kolumne.

Irgendwie kann sich jeder drauf verständigen, dass die Digitalisierung was Gutes ist. Find ich ja auch. Es vereinfacht viele Prozesse. Was ich aber noch nicht aus der Hand geben will, sind Produktvergleich und Beratung. Und das aus gutem Grund: Wenn meine Aufgabe als Vermittler nämlich nur darin besteht, dass ich über irgendeine Maschine Preise vergleiche, dann mach ich mich ja selbst überflüssig. Denn sowas kann mein Kunde auch. Und ich muss an dieser Stelle ja nicht erklären, dass es in der Arbeitskraft-Absicherung durchaus wichtigeres gibt als den Preis.

Aber auch Analyse-Programme würde ich nicht in der Beratung einsetzen. Ich nutze die zwar auch, aber eben nur für einen ersten Überblick. Die Bedingungen lese ich dann trotzdem nochmal selbst. Und da fällt einem dann auf, dass der Versicherer überhaupt keine DU-Klausel hat, sondern nur schreibt, dass bei Beamten auch BU geprüft wird. Und die Maschine macht aus dem Buzz-Word „Beamte“ dann eine DU-Klausel.

Und wer schon mal Bedingungen gelesen hat, der weiß, dass es viele Dinge gibt, die bei den großen Vergleichern wie Check24 oder Verivox überhaupt nicht berücksichtigt werden. Für mich ist zum Beispiel einer der wichtigsten Bedingungspunkte die Unterstützung und Beratung im Leistungsfall. Denn die Berufsunfähigkeitsversicherung ist sehr, sehr leistungsstark – aber trotzdem gibt es immer wieder Ärger, weil halt kaum einer weiß, was im Leistungsfall zu tun ist. Da ist es bares Geld wert, wenn mir der Versicherer hilft, die richtigen Unterlagen beizubringen oder diese Unterlagen richtig auszufüllen.

Und Beratung ist wichtig, weil viele Fälle nicht dauerhaft sind, sondern durch eine gezielte Reha oder Umschulung ein glückliches Ende finden. Mir ist vollkommen klar, dass der Versicherer sich freut, weil er keine Rente mehr zahlen muss. Aber der Kunde freut sich noch mehr, weil er wieder arbeiten kann und sich wieder gesund fühlt. Und auch klar ist, dass der Versicherer ihn nicht dazu zwingen kann.

Und in letzter Zeit geht es auch immer mehr um die saubere Ausfinanzierung der Berufsunfähigkeitsversicherung. Erste Versicherer steuern hier dagegen, indem sie eine befristete Nettobeitragsgarantie aussprechen. Klar, kann so was nur befristet ausgesprochen werden. Bei der Zurich geht die Garantie bis 2025. Aber jeder, der ein Unternehmen führt, weiß, dass schon eine längere Prognose unseriös wäre, geschweige denn eine Garantie. Ich denke sogar, dass die Beitragsstabilität in Zukunft noch wichtiger werden wird. Vor allem, wenn wir noch stärker von den Bedingungen weg gehen und uns von Vergleichern lenken lassen. Das sollte nicht passieren.

Als Beispiel könnten uns hier die Steuerberater dienen. Es gibt für wenig Geld Programme zu kaufen, die einem die Steuererklärung erleichtern. Und dennoch schaffen es die meisten Steuerberater, ihren Kunden einen Mehrwert zu bieten, der über die Maschine hinaus geht. Jeder Vermittler, der auch mal Bedingungen liest und sich mit dem BU-Versicherer beschäftigt, kann das auch und muss keine Angst vor der Zukunft haben.

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Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und Experte für biometrische Risiken. Er ist außerdem als Autor tätig. Regelmäßige Blog-Beiträge finden Sie beispielsweise hier: https://bsc-gmbh.com/philipwenzel/ oder hier https://www.worksurance.de/.

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