Michael Hauer ist Geschäftsführer des IVFP, Professor für Finanzmärkte und Financial Planning an der technischen Hochschule Amberg-Weiden sowie Fachautor und -referent im Themengebiet Altersvorsorge © IVFP
  • Von Oliver Lepold
  • 02.07.2018 um 11:01
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Was kann die fortschreitende Digitalisierung in der Altersvorsorge für Kunden und Berater leisten? Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung, nimmt Stellung.

Wie wird der Beratungseinstieg Ihrer Ansicht nach künftig aussehen?

Er wird künftig von überall und jederzeit möglich sein. Der Einstieg wird neben klassischen webbasierten Plattformen und Apps auch vermehrt über sprachgesteuerte Dienste wie Alexa möglich sein. Auch Datenerfassungssysteme mithilfe von Chatbots, also textbasierten Frage-Antwort-Systemen, die über eine KI gesteuert werden, werden hier zum Zuge kommen. Damit kann der Kunde mit wenig Aufwand bereits die wichtigsten Daten und Informationen für eine anschließende Beratung bereitstellen und erste Ergebnisse – Stichwort: Versorgungslücke – erhalten. Im besten Fall sind bereits Daten und Informationen des Kunden vorhanden, etwa durch Bereitstellen von Daten aus den Datenbanken der Banken, Versicherer und der gesetzlichen Rentenversicherung. Dazu sind definierte Schnittstellen nötig, die nach meiner Einschätzung in einigen Jahren auch zur Verfügung gestellt werden.

Modellrechnungen für Kunden stehen häufig in der Kritik, unter anderem, weil sie unrealistische Renten- und Ablaufleistungen für Kunden ausweisen. Wird die Digitalisierung hier Abhilfe schaffen?

Es ist richtig, dass klassische Hochrechnungen mit einem festen Prozentsatz oft keine realistische Kapital- oder Rentenleistung zeigen, die der Kunde später zu erwarten hat. Mit Simulationsverfahren können Eintrittswahrscheinlichkeiten hingegen von zu erwartenden Leistungen der Altersvorsorgeprodukte dargestellt und diese in sogenannte Chance-Risiko-Klassen eingestuft werden. Momentan wird dies beim Produktinformationsblatt bei staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten lediglich für bestimmte Musterlaufzeiten ohne Berücksichtigung der Rentenphase erstellt. Individuelle Simulationen in Echtzeit sind aktuell in der Breite noch nicht möglich. Durch technische Neuerungen im Bereich neuronaler Netze sehe ich diese aber künftig als möglich an, was dem Kunden zugutekommen wird. Das IVFP forscht und arbeitet mit der Fraunhofer-Gesellschaft hierbei bereits an vielversprechenden Lösungsmöglichkeiten.

Nicht immer kommt es nur auf den letzten zusätzlichen Euro an. Oft ist es wichtiger, dass der Versicherungstarif zu den Bedürfnissen des Kunden passt. Welche Chancen bietet die Digitalisierung hier?

Durch immer mehr Vorgaben vom Gesetzgeber, wie zum Beispiel die Anlegerprofilbestimmung gemäß IDD, müssen Berater ihren Kunden immer besser kennenlernen, bevor sie eine Empfehlung aussprechen. Die Digitalisierung im Sinne der Optimierung von Prozessen kann hier natürlich unterstützen, indem Datenerfassung und Beratungsanwendungen optimiert werden. So wird etwa der Absicherungsbedarf zukünftig durch KI-basierte, selbstlernende Systeme schneller erkannt, und die Angebote werden deutlich präziser und bedarfsorientierter erstellt. Das wird mittelfristig auch die Produktentwicklung im Rentenversicherungsbereich beeinflussen, ähnlich wie dies bereits durch Telematik-Tarife bei Kfz Versicherungen geschehen ist.

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Oliver Lepold

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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