Hier geht es zum ersten Teil.
 
Pfefferminzia: Wie beurteilen Sie Cyberkriminalität, die aktuell eine Begleiterscheinung der digitalen Welt darstellt?
 
Lars Thomsen: Es wird immer Kriminelle geben. Schon als das erste Schloss erfunden wurde, hat sich jemand ausgedacht, wie man es knackt. Mit der Zeit werden beide Seiten immer raffinierter. Aber auch die Gesetzgebung reagiert auf diese Themen und wird mit Gesetzen und Überwachung versuchen, den Kriminellen auf der Spur zu bleiben. Die Herausforderung in der Cyberkriminalität besteht in ihrer grenzüberschreitenden Natur.
Doch insgesamt ist Cyberkriminalität kein „Show Stopper“ – heißt: Technischer Fortschritt wird nicht aufhören, sondern Lösungen hervorbringen, welche das Phänomen eindämmen.

Wie sind die Unternehmen allgemein und die Versicherer im Besonderen aktuell für Umbrüche in der Zukunft aufgestellt?
 
Auch die Branche der Versicherer wird sich neu erfinden. Arbeitsplätze und Tätigkeiten werden sich unter dem Druck der künstlichen Intelligenz und Digitalisierung verändern. Keiner darf sich heute darauf verlassen, dass es einfach so weitergehen wird wie bisher. Einen großen Trumpf haben die Versicherer jedoch, denn Menschen schätzen nach wie vor Menschen in der Beratung. Allerdings drängen auch neue Anbieter in den Markt, die nicht ursprünglich aus der Branche kommen. Und eine Versicherung, die 2018 gegründet wurde, kann und wird ganz anders arbeiten und gestaltet sein als eine, die seit 100 Jahren agiert. Das haben die Unternehmen jedoch längst erkannt und versuchen, sich umzustellen.
 
Welche Schwerpunktthemen gibt es für die Versicherungswirtschaft?
 
Durch eine anders aufgebaute Welt werden die Anforderungen an die Absicherung ebenfalls andere. Wenn sich beispielweise das autonome Fahren durchsetzt, wer muss dann versichert werden? Heute versichern wir den Fahrer oder Halter des Fahrzeugs, aber dieses Konzept ist ein Auslaufmodell. In zwanzig Jahren werden – bis auf die Oldtimer – Fahrzeuge autonom fahren und in der Regel nicht mehr im Besitz von Menschen sein.
 
Der Zugang zu Versicherern verändert sich ebenfalls dramatisch: Zukünftig wird unser virtueller persönlicher Assistent uns vorschlagen, eine Versicherung für die bevorstehende Reise abzuschließen, die besten Anbieter heraussuchen und auf der Basis der Daten und Parameter einen individuellen Tarif verhandeln, den Vertrag prüfen und gegebenenfalls auch die Schadensmeldung und Abwicklung übernehmen.
 
Schon heute wissen ein Smartphone und ein Datenunternehmen über den Nutzer so viel, dass sie individuelle Versicherungspakete zu einem deutlich niedrigeren Preis und Vertriebskosten anbieten könnten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis man Versicherungen fast nur noch digital abschließt und verwaltet.
 
Ein weiteres großes Thema ist die Gesundheit. In den USA zum Beispiel gibt es eine Versicherung, die ihre Versicherten finanziell belohnt, wenn sie eine Smartwatch tragen und die Daten zur Auswertung freigeben. Mit dieser Datenmenge kann der Versicherer frühzeitig Muster erkennen, sollte zum Beispiel ein Schlaganfall drohen und präventiv eingreifen. Dies hilft beiden: Dem Menschen, dem ein Schlaganfall erspart bleibt, und dem Versicherer, der die hohen Kosten eines solchen Vorfalls spart. In zehn Jahren wird es völlig normal sein, dass wir bei gesundheitlichen Problemen vorher gewarnt werden. Das wird auch die Medizin grundlegend verändern: Die Ärzte greifen dann nicht meist erst ein, wenn die Krankheit ausgebrochen ist, sondern wirken präventiv.